Erstmal schön desinfizieren: Markus Söder und seine Gesundheitsministerin Melanie Huml.
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Erstmal schön desinfizieren: Markus Söder und seine Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Großveranstaltungen

Das öffentliche Leben macht Pause

Der Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus drängt zunehmend das öffentliche Leben in Deutschland zurück.

Der Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus drängt zunehmend das öffentliche Leben in Deutschland zurück. Mehrere Bundesländer untersagten am Dienstag Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern, für viele kleinere Veranstaltungen gelten strenge Auflagen. Allerdings gibt es gerade bei der Dauer der Verbote Unterschiede zwischen den Ländern.

Mit Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg griffen die bevölkerungsreichsten Bundesländer die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern zu untersagen. Auch Thüringen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz nahmen den Vorschlag auf.

Erhebliche Unterschiede gibt es aber in der Dauer der Entscheidungen. Am weitesten ging Nordrhein-Westfalen, das auf eine zeitliche Befristung des Verbots vollständig verzichtete. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, derzeit könne niemand sagen, wie lange die Epidemie anhalte. Deshalb sei eine unbefristete Entscheidung die richtige.

Laumann sagte, es gehe auch um „eine Solidaritätsfrage“. Wenn junge Menschen zum Fußball in ein Bundesligastadion gehen und nach ihrer Rückkehr „zu Hause die Oma anstecken“, werde das für die Oma deutlich schlimmere Folgen haben als für die Jungen. Es gehe hier um gegenseitige Rücksichtnahme.

Theater in Bayern geschlossen

Bayern befristete sein Verbot zunächst auf das Ende der bayerischen Osterferien, den 19. April. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, je nach Entwicklung könne dies aber jederzeit verlängert werden. Söder warnte Veranstalter dabei davor, bei den Teilnehmerzahlen zu schummeln. „Wir legen Wert darauf, dass es keine Tricksereien gibt“, sagte er.

Bei Veranstaltungen von 500 bis tausend Teilnehmern sollten in Bayern die Kreisverwaltungsbehörden eine Risikobewertung vornehmen. Betroffen von einem Verbot seien auch die in Bayern in der Fastenzeit beliebten Starkbierfeste. Die staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser in Bayern bleiben bis 19. April ebenfalls geschlossen.

In Schleswig-Holstein gilt das Veranstaltungsverbot zunächst bis zum 10. April, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte. Damit solle ein Beitrag geleistet werden, Infektionsketten möglichst zu unterbrechen. In Bremen gelten die Verbote zunächst bis einschließlich 26. März.

Die Zahl von tausend Teilnehmern wurde politisch, nicht medizinisch festgelegt. Auch bei kleineren Veranstaltungen gibt es ein Ansteckungsrisiko. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lobte die Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), und kritisierte dass diese auf lokaler Ebene oft nicht umgesetzt werde. „Der Föderalismus hat sehr viele Vorzüge oft, das ist gar keine Frage. Aber hier ist das ein Nachteil.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller forderte entsprechend bundeseinheitliche Regelungen. „Wir können da keinen Flickenteppich haben“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag. „Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag muss es möglichst zu einer bundesweiten Verabredung kommen, wie wir damit umgehen.“

Auch Bayerns Ministerpräsident Söder mahnte koordiniertes Vorgehen an. „Es darf auf keinen Fall ein Kompetenzchaos unter den Bundesländern geben“, sagte der CSU-Chef am Dienstag . Kein Bundesland dürfe bei den Schutzmaßnahmen für sich entscheiden, unter den Empfehlungen der Experten zu bleiben. Für den Freistaat habe er daher entschieden, dass die Vorgaben und Empfehlungen des Bundes vollständig umgesetzt würden. Es gelte jetzt das „Primat der Medizin“, dem müsse sich alles unterordnen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rief die Gemeinden und Krankenhäuser in Deutschland auf, ihre Krisenpläne zu aktivieren. „Es ist eine ernste Situation“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. „Ich fordere alle Bürgermeister und Landräte auf, ihre Krisenpläne zu aktivieren“, so Wieler. Er fordere auch alle Ärzte dazu auf – die Krankenhäuser müssten sich darauf vorbereiten, ihre Strukturen anzupassen.

„Wir stehen am Anfang dieser Epidemie“, sagte Wieler. Das RKI erklärte ganz Italien zu einem Risikogebiet. Für Deutschland stuft es in der Risikobewertung die Gefahr als „mäßig“ ein. Es gebe aber auch in Deutschland besonders gefährdete Gebiete, vor allem den nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg. (afp/dpa)

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