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Dokumentation - der FR-Bericht von 1999

"Odenwaldschule in Misskredit"

Schüler der Odenwaldschule werfen einem Ex-Lehrer sexuellen Missbrauch vor - das berichtete die FR bereits im Jahr 1999. Wir dokumentieren hier den Artikel von damals.

Frankfurt. Der frühere Leiter der renommierten Odenwaldschule, Gerold Becker, hat offenbar über Jahre hinweg etliche Schüler sexuell missbraucht. Nach Informationen der FR hat der Theologe in den 80er Jahren 13- und 14-Jährige wiederholt sexuell bedrängt, gegen deren Willen an den Genitalien berührt und weitere Taten begangen, die vor Gericht vermutlich als Vergewaltigung gewertet würden. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat das Verfahren gegen Becker, der noch 1998 an der Unesco-Modellschule im Odenwald ersatzweise lehrte, jedoch wegen Verjährung eingestellt.

Die Vorwürfe gegen Becker waren an der Schule im südhessischen Ober-Hambach bereits seit Mitte 1998 bekannt, aber bisher nicht öffentlich geworden. Damals wandten sich zwei Ex-Schüler an die Einrichtung, die als Vorzeigeprojekt der Reformpädagogik gilt. Eine Reihe weiterer Schüler hat die Vorwürfe bestätigt. Der Vorstand des Schul-Trägervereins schrieb den Schülern am 17. August 1998 in einem Brief, der der FR vorliegt: Becker habe den Vorwürfen "nicht widersprochen" und alle Funktionen in der Schule niedergelegt. Auch den Vorsitz in der Vereinigung der Deutschen Landerziehungsheime gab er ab. Becker erklärte der FR auf Anfrage, er werde "aus grundsätzlichen Erwägungen niemals zu den Vorwürfen Stellung nehmen". Der Autor und Publizist gilt nach wie vor als wichtiger Exponent in der deutschen Pädagogik.

Nach Angaben zahlreicher Schüler und Lehrer soll es zwischen 1969 und 1985, Beckers Zeit an der Schule, wiederholt Vorwürfe gegen den Theologen gegeben haben. Den Gerüchten wurde an der Schule damals nicht weiter nachgegangen.

Aufgrund der FR-Recherchen sah sich die Schule jetzt veranlasst, einen Brief an alle Eltern zu schreiben. Vorstand und Schulleitung, heißt es darin, "müssen davon ausgehen, dass die Vorwürfe berechtigt sind". Der "schwere Verstoß gegen das Recht junger Menschen auf sexuelle Selbstbestimmung" sei "auf keine Art und Weise zu rechtfertigen". Beckers langjähriger Weggefährte und Nachfolger als Schulleiter, Wolfgang Harder, bezeichnete den Missbrauch von Schülern als "ein Stück Vergangenheit". Er habe keine Veranlassung gesehen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Schließlich hätten "alle Menschen auch von Herrn Beckers Wirken profitiert".

Der Artikel von Jörg Schindler erschien am 17. November 1999 in der Frankfurter Rundschau.

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