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Die Odenwaldschule bleibt in den Schlagzeilen.

Odenwaldschule

Odenwaldschule gibt Familienprinzip auf

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Der Konflikt zwischen Odenwaldschule und Aufsichtsbehörde setzt sich fort. Lehrer sollen an der Schule künftig keine Wohngruppen mehr leiten. Der mittlerweile durch die Einschätzung der Staatsanwaltschaft entlastete Kinderarzt erstattet Anzeige gegen Unbekannt - wegen Verleumdung und übler Nachrede.

Die Odenwaldschule verabschiedet sich vom Begriff der „Familien“ für ihre Wohngruppen. „Dieser Begriff ist ziemlich lädiert“, sagte der Vorsitzende des Schulträgervereins, Gerhard Herbert, der Frankfurter Rundschau am Donnerstag. „Das heißt nicht, dass wir grundsätzlich das Gruppenbetreuungssystem aufgeben“, fügte Herbert hinzu.

In früheren Jahrzehnten hatten Lehrer, darunter so genannte „Familienhäupter“, Schüler sexuell missbraucht. Mindestens 132 Schülerinnen und Schüler wurden von den 60er bis in die 90er Jahre Opfer.

Lehrer sollen an der Schule keine Wohngruppen mehr leiten, sagte Herbert. Damit entspreche man einer Anforderung der Aufsichtsbehörde, des Kreises Bergstraße. Herbert bestätigte damit Angaben der Internatsleiterin Juliana Volkmar. Er widersprach jedoch dem von ihr vermittelten Eindruck, dass der Trägerverein bei seiner Mitgliederversammlung am übernächsten Wochenende über die neue Struktur entscheiden werde. Das Konzept werde in den nächsten Monaten diskutiert und solle Ende September vorliegen, betonte Herbert.

Der aktuelle Konflikt zwischen der Schule und der Aufsichtsbehörde setzte sich fort. Dabei geht es um eine Meldung der Schule, wonach Schüler berichtet hätten, dass ein Kinderarzt sie unangemessen abgetastet habe.

Die Internatsleitung widerspreche inzwischen ihrer eigenen „Vorkommnismeldung“ aus der vergangenen Woche, monierte der Landkreis. Vor wenigen Tagen habe das Internat aktuelle Schülerbeschwerden angezeigt. Nun werde mitgeteilt, dass der Vorgang bereits mehrere Jahre zurückliege, sagte Vize-Landrat Matthias Schimpf (Grüne). Zudem lasse die Schule wissen, dass es zu den gesamten Vorgängen keine Dokumentation gebe. Der Trägerverein zeigte sich seinerseits verschnupft darüber, dass das Landratsamt die Vorwürfe gegen den Arzt aus der ursprünglichen Meldung an die Öffentlichkeit gegeben hatte. Der Vorsitzende Herbert nannte das Vorgehen im Gespräch mit der FR „merkwürdig“. Damit sei „ein ganz honoriger Arzt desavouiert“ worden. Man frage sich, ob das der Versuch sei, der Schule zu schaden, fügte Herbert hinzu.

Kinderarzt erstattet Anzeige

Der Kinderarzt hat sich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Darmstadt nichts zuschulden kommen lassen. Die Behörde nahm nach einer Vorprüfung keine Ermittlungen gegen den Mann auf. Sie hatte gemeinsam mit der Polizei Dokumente gesichtet und Zeugen vernommen.

Danach bestünden „keine Anhaltspunkte für ein Verhalten des Arztes, welches geeignet wäre, Zweifel an der Eignung, Zuverlässigkeit oder Befähigung des Arztes hervorzurufen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Kinderarzt erstattete seinerseits Anzeige gegen unbekannt – wegen Verleumdung und übler Nachrede, wie der Mannheimer Morgen berichtete.

Die Juristin Brigitte Tilmann, die bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle eine wichtige Rolle gespielt hatte, widersprach der These, dass die Forderung nach Schließung der Schule den Tätern in die Hände spiele. Die Präventionsbeauftragte der Schule, Regina Bappert, war in der FAZ mit den Worten zitiert worden, keine Drohung funktioniere so gut, um Opfer mundtot zu machen. Tilmann sagte, es stimme nicht, dass Schüler aus Furcht vor einer Schließung der Schule geschwiegen hätten. Tatsächlich seien sie von damals Verantwortlichen der Schule „teilweise massiv“ daran gehindert worden, den Missbrauch bekanntzumachen.

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