Mittelmeer

„Ocean Viking“ ist am Limit

Seenotretter können womöglich keine Flüchtlinge mehr aufnehmen.

Das zivile Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“ stößt nach der jüngsten Aufnahme von 105 Bootsflüchtlingen den Betreibern zufolge an seine Grenzen. Mit mittlerweile 356 Flüchtlingen an Bord könne das Schiff abhängig vom Wetter und der Situation an Bord womöglich keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, sagte Projektkoordinator Jay Berger von „Ärzte ohne Grenzen“ am Dienstag.

Die „Ocean Viking“ hatte am Montag zum vierten Mal auf ihrer Fahrt Bootsflüchtlinge an Bord geholt. Nachdem die Crew Rettungswesten an die 105 Menschen ausgegeben habe, sei eine Kammer des Schlauchboots geplatzt, twitterten „Ärzte ohne Grenzen“ und SOS Méditerranée, die das Schiff gemeinsam unterhalten. Die Menschen seien ins Wasser gefallen, hätten aber alle gerettet werden können.

Neben der „Ocean Viking“ sucht auch die „Open Arms“ einen sicheren Hafen. Das Schiff fährt seit nunmehr zwölf Tagen mit 151 Menschen an Bord zwischen Malta und der italienischen Insel Lampedusa hin und her. Beide Länder haben ihre Seegewässer und Häfen für zivile Seenotrettungsschiffe geschlossen.

„Open Arms“ ruft um Hilfe

Die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms forderte die spanische Botschaft in Malta zur Aufnahme der 31 Minderjährigen an Bord auf. „Sie erfüllen die Bedingungen, um als Flüchtlinge anerkannt zu werden“, zitierten spanische Medien am Dienstag aus einem Schreiben von Kapitän Marc Reig an die diplomatische Vertretung.

Spaniens Verkehrsminister José Luis Ábalos betonte, der Kapitän habe aber keine „rechtliche Befugnis“, um Asyl für die Jugendlichen zu beantragen. Die „Open Arms“ habe auch bisher nicht offiziell darum gebeten, einen spanischen Hafen anlaufen zu dürfen.

Unterdessen hat Maltas Innenminister Michael Farrugia ein Foto bei Twitter veröffentlicht, das einen toten Migranten und einen Begleiter auf einem Schlauchboot im Mittelmeer zeigen soll. Die Männer hätten offenbar versucht, über das Meer nach Europa zu kommen, berichtete die Zeitung „Times of Malta“ am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise. „Malta hat gerade einen einzelnen Überlebenden in kritischem Zustand von einem Schlauchboot gerettet“, schrieb Farrugia dazu. „Das tut das maltesische Militär jeden Tag. Wir können es nicht alleine schaffen.“ (epd/dpa)

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