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Andrés Manuel López Obrador will neuer mexikanischer Präsident werden.

Wahl in Mexiko

Obrador, der tropisch temperierte Messias

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Der linke Populist Andrés Manuel López Obrador will Mexikos nächster Präsident werden – und fordert Erzpopulist Donald Trump heraus. Ein Porträt.

Der Mann, der Mexiko revolutionieren will, ist 64 Jahre alt, hat dichtes silbernes Haar, eine schrille Stimme und ein Durchhaltevermögen, das selbst seinen Gegnern Respekt abnötigt. Andrés Manuel López Obrador – kurz: AMLO – bestreitet derzeit seinen dritten Präsidentschaftswahlkampf am Stück. Seit zwölf Jahren ist er praktisch ständig im Wahlkampfmodus. Schon 2006 und 2012 war der Linkspolitiker jeweils fast am Ziel, verlor dann aber knapp gegen seine konservativen Gegenkandidaten Felipe Calderón und Enrique Peña Nieto.

Nun steht López Obrador kurz davor, sich seinen politischen Lebenstraum zu erfüllen, den er schon gehegt haben soll, als er im armen tropischen Bundesstaat Tabasco in einfachen Verhältnissen heranwuchs.

Ganz nebenbei würde er, sollte er am Sonntag die Wahl gewinnen, Mexiko einen epochalen Wechsel bescheren: Ein Linker an der Macht, der nichts weniger als fundamentale Veränderungen verspricht. Und er hat laut allen Umfragen beste Chancen, in den Präsidentenpalast Los Pinos in Mexiko-Stadts Riesenpark Bosque de Chapultepec einzuziehen. Die Wut der Mexikaner auf und ihr Frust über die Regierungen der Korruptionspartei PRI und der konservativen PAN sind so groß, dass viele AMLO einfach aus purer Verzweiflung wählen. Schlimmer, so die Annahme, könne es ja ohnehin nicht mehr kommen. Unternehmer und Machteliten hingegen fürchten, López Obrador werde das liberale Wirtschaftsmodell infrage stellen, mit dem sie bisher so gut gelebt haben und das der einen Hälfte des Landes zu Wohlstand verholfen hat.

Ein Thema spielt im Wahlkampf eine überraschend kleine Rolle: Donald Trump und seine Angriffe auf Mexiko. Da kann sich AMLO kaum von seinen Kontrahenten absetzen. Alle Kandidaten sind sich einig, dass der Präsident nördlich der Grenze die Würde des südlichen Nachbarn durch seine Verbalattacken, Strafzölle und Drangsalierungen ständig verletzt.

Eskalation der Tweets

Mitte Mai auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Oaxaca ging López Obrador auf Trumps Angriffe ein: „Er wird uns respektieren müssen“, kündigte der Kandidat der linken Sammlungsbewegung „Morena“ an. „Und wir werden ihm für jeden seiner anmaßenden Tweets einen Tweet zurückschicken.“ So werde Trump sich beruhigen und aufhören, „schlecht über die Mexikaner zu reden“, versprach der Kandidat.

Nach Einschätzung von Experten steht der Linke in Umfragen auch deshalb so gut da, weil die Mexikaner ihm zutrauen, dem Krawallmacher im Weißen Haus die Stirn zu bieten: „AMLO und Trump haben ähnliche Charakterzüge“, sagt Juan Pardinas, Präsident des Wirtschaftsthinktank Imco. „Beide pflegen einen personalistischen Politikstil und glauben, ihre Präsenz alleine verändere Politik“, erklärt Pardinas. „Aber beide eint, dass sie keine großen Anhänger der Institutionen sind.“

Und auch AMLO macht bisweilen Versprechen, die absurd sind, aber dafür den Mexikanern aus der Seele sprechen. So will er den kleinen Schergen der Drogenkartelle eine Amnestie anbieten und verspricht, den bürgerkriegsähnlichen Konflikt der Kartelle in drei Jahren zu beenden. Unter anderen solche Heilsversprechen haben ihm den Beinamen „Tropenmessias“ eingebracht. Dass AMLO auch übers Wasser laufen kann, ist bisher nicht bewiesen.

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