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Bob und seine Freunde wissen, wie man Probleme löst.
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Bob und seine Freunde wissen, wie man Probleme löst.

"Yes, we can"

Obamas Baumeister

Das Motto des Präsidentschaftsbewerbers kommt einem bekannt vor.

Von JÖRG HUNKE

Für Bob, den Baumeister, gibt es immer was zu tun. Schlaglöcher beseitigen, Leitungen legen, Löcher stopfen - immer muss etwas repariert werden. Und wenn in seinem Dorf wieder etwas kaputt geht, auch kein Problem. Dann fängt der kleine Mann mit dem Bauarbeiterhelm von vorne an. Zusammen mit seinen Freunden - roten, blauen, grünen Baumaschinen hält ihn nichts auf. Auf Bobs Frage: "Können wir das schaffen?" gibt es nur eine Antwort: "Yo, wir schaffen das!"

Heile Kinderwelt

So lautet die deutsche Übersetzung. Im englischen Original heißt die Antwort: "Yes, we can." Und das ist genau der Satz, mit dem Barack Obama seinen Siegeszug bei den Vorwahlen in den USA begann. Eine Erfolgsgeschichte, die möglicherweise mit der Vereidigung des ersten schwarzen Präsidenten der USA enden wird. Es war der 8. Januar 2008, Obama hatte gerade einen ersten Misserfolg bei den Vorwahlen erlebt. An diesem Abend will der Jurist der Welt beweisen, warum er besser ist als Hillary Clinton, warum er ins Weiße Haus gehört. Er fragte die Zuhörer in New Hampshire, wie man die großen weltpolitischen Probleme lösen, ob man Gerechtigkeit, Wohlstand, Weltfrieden schaffen könne. Drei Wörter reichten ihm als Antwort: "Yes, we can."

Es wurde eine Rede, über die weltweit abends beim Bier und am Familientisch diskutiert wurde, Freunde mailten sich Internet-Links mit Redeausschnitten, Fachleute debattierten über den charismatischen Auftritt. Und Produzent Will.i.am machte mit John Legend, Scarlett Johansson, Kareem Abdul-Jabbar und anderen Musikern einen Rap-Song daraus, der später mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Obama wurde zum Yes-we-can-Mann. Aber niemand wusste, woher sein Satz stammte.

Und so entstand die Theorie, dass der US-Hoffnungsträger mit seinen Kindern vor dem Fernseher saß und dabei den Satz aus "Bob, the builder" aufgeschnappt habe. Diese Idee wird im Internet jedenfalls leidenschaftlich diskutiert. Die Fernsehredaktion der Satiresendung Extra3 machte sogar einen Film daraus. Am Ende hält der Moderator eine DVD-Schachtel in die Kamera, auf der zu lesen ist: "Bob, the Builder. Yes, we can." Kleines Detail am Rande: Deutlich zu sehen ist auch Bobs Baustoffhändler, der Schwarze J.J..

Ob sich Obama tatsächlich von einem Kinderstar inspirieren ließ, lässt sich bisher nicht klären. Von Obama gibt es keine offizielle Stellungnahme dazu. Was sich aber sagen lässt: Es hätte schlimmer kommen können für den Politiker, denn Bob, der Baumeister, gilt weltweit als liebenswerte Zeichentrickfigur, die in einer beschaulichen, wohlgeordneten Welt lebt. Bob ist fleißig, er leitet einen Bauhof in Bobhausen, er hat mit Wendy eine liebenswürdige Partnerin und mit den sprechenden Fahrzeugen und Geräten zuverlässige Freunde. Heile Kinderwelt. Mehrheitstauglich.

So wurde Bob auch zum Global-Player: Er wird in 250 Ländern in mehr als 45 Sprachen weltweit im Fernsehen gezeigt. Mit dem Songs "Yes, we can" stürmte er an die Spitze der britischen Charts, in Deutschland erhielt er Goldene Schallplatten für seine Hörbücher und weltweit wurde mit seiner Vermarktung mehr als eine Milliarde Euro erwirtschaftet. Und nicht nur Kleinkinder zwischen drei und fünf Jahren mögen den Handwerker, sondern auch ihre Mütter finden ihn sehr sympathisch, das haben Umfragen ergeben. Erfunden hat die Figur der Brite Keith Chapman, der jahrelang in der Werbebranche arbeitete. Er zeichnete Bob und seine Freunde Ende der 80er Jahre, nachdem er auf der Straße vor seinem Haus einen Bagger beobachtet hatte. Alles politisch korrekt.

Clinton lacht über Dalmatiner

"Yes, we can" - wenn man sich länger mit dem Satz und dem Baumeister beschäftigt, dann fällt einem auf einmal noch ein anderer Politiker ein, die bei Kinderstars abgeschaut haben könnte. Horst Köhler hielt einmal eine vielbeachtete Rede über die Lage Deutschlands, in der er den Bürgern mehrmals Mut zusprach. Der Bundespräsident sagte: "Wir können es schaffen." Klingt so ähnlich wie Bobs Frage an seine Baumaschinen. Und spätestens seit Bill Clinton weiß man auch, dass es US-Präsidenten gibt, die sich gerne Zeichentrickfilme ansehen, auch wenn die für Kinder gedacht sind. Clinton sitzt in dem Video "The Final Days" in seinem Privatkino, nascht Popcorn und amüsiert sich köstlich über die Welpen in der Walt-Disney-Produktion "101 Dalmatiner".

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