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US-Präsident Barack Obama wirkte bei der Pressekonferenz sichtlich bewegt.
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US-Präsident Barack Obama wirkte bei der Pressekonferenz sichtlich bewegt.

Massaker in Schwulenclub

Obama spricht von "Terrorakt"

  • Damir Fras
    VonDamir Fras
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Die Anzeichen mehren sich, dass hinter dem Anschlag von Orlando der IS steckt. Eine dem IS nahestehende Organisation spricht klar von Omar M., dem IS-Kämpfer.

Die beliebte Mitternachtsshow ist vorbei. Auf der Tanzfläche drängen sich die Gäste. Es ist Latin-Night im Nachtclub „Pulse“ in Orlando. Plötzlich fallen Schüsse, Chaos bricht aus, Menschen verstecken sich in Todesangst auf den Toiletten. Ein Mann, bewaffnet mit einem Schnellfeuergewehr und einer Pistole, schießt offenbar wahllos in die Menge. Etwa fünf Stunden nach Beginn des Angriffs auf die bei Schwulen und Lesben beliebte Diskothek sagt die Polizei, sie habe die Situation im Griff. Der Schütze ist tot, gestorben beim Sturm der Polizei auf den Club.

Mindestens 50 Todesopfer sind zu beklagen, genauso viele Menschen sind mit Schussverletzungen in Krankenhäuser gebracht worden. Das ist am Sonntagabend mitteleuropäischer Zeit die Bilanz einer Massenschießerei im US-Bundesstaat Florida.

Der Täter Omar M. war US-Bürger. Die Sender CBS, NBC und die „Washington Post“ berichteten unter Berufung auf die Justiz, M. sei 1986 geboren worden und habe in St. Port Lucie gelebt, das liegt etwa 170 Kilometer südöstlich von Orlando. Wie der Nachrichtensender CNN am Sonntag unter Berufung auf Justizkreise berichtete, hatte das FBI Omar M. als einen von vielen hundert Unterstützern oder Sympathisanten des „Islamischen Staates“ (IS) auf dem Radar.

Aber keine Bundesbehörde soll ihn als aktiv gefährlich eingestuft haben, eine direkte Verbindung zu den IS-Strukturen sieht auch niemand. Auch wenn die Terrormiliz fix dabei ist, online die Verantwortung für die tat zu übernehmen. Wie so viele terroristische Attacken der jüngeren Zeit, so kann auch diese auf eigene Rechnung erfolgt sein. Nach mehreren, übereinstimmenden Medienberichten soll Omar M. vor der Tat den Polizei-Notruf angerufen und sich zum IS bekannt. Außerdem soll er auch den islamistischen Bombenanschlag auf den Marathonlauf in Boston 2013 erwähnt haben.

M.s Vater nannte Hass auf Homosexuelle als mögliches Motiv, religiöse Beweggründe schloss er aus: Sein Sohn sei kürzlich über zwei Männer aufgebracht gewesen, die sich vor seiner Frau und seinem Sohn geküsst hatten. „Wir wussten von nichts, wir sind ebenso schockiert wie das ganze Land“, sagte der Vater, der die Nation für die ganzen Familie um Entschuldigung bat.

Präsident Barack Obama nannte das Massaker „einen Akt des Terrors und des Hasses“. Ein Angriff auf Schwule und Lesben sei ein Angriff auf alle Amerikaner. Andere führende Demokraten wie Hillary Clinton und Bernie Sanders zeigten sich ebenfalls bestürzt von dieser bislang schlimmsten Schießerei in den USA. Orlandos Bürgermeister Buddy Dyer spricht von einem „schrecklichen Verbrechen“, das in seiner Stadt geschehen sei: „Wir müssen stark sein.“

Der Angriff auf das „Pulse“ begann Sonntag gegen zwei Uhr früh. Via Facebook rief der Club-Manager die Gäste auf, sofort die Flucht zu ergreifen: „Verlasst das Pulse und rennt!“ Christopher Hansen, zu der Zeit einer der Gäste im Club, sagte später auf CNN: „Ich dachte zuerst, es ist Musik. Dann warfen sich die Menschen auf den Boden, und ich auch.“ Omar M. schoss offenbar wild in die Menschenmenge. Als die Polizei eintraf, nahm der Täter Geiseln und lieferte sich ein etwa dreistündiges Feuergefecht mit der Polizei, die dann schließlich zum Sturm ansetzte.

Noch ein paar Stunden später humpelten Verletzte aus dem Club oder wurden von Freunden gestützt. Eine Frau sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, sie habe in der Nacht eine Textnachricht von ihrem 30 Jahre alten Sohn Eddie erhalten. Sie solle die Polizei rufen, schrieb er. Er habe sich zusammen mit anderen Gästen in einer Toilette versteckt. Die nächste SMS lautet: „Er kommt.“ Dann: „Er hat uns, er ist hier drin bei uns.“

Ersten Erkenntnissen der Behörden zufolge war der Täter gut vorbereitet und organisiert. Er habe zusätzlich zu den Schusswaffen auch ein verdächtiges Objekt am Leib getragen. Dass es sich dabei um einen Sprengstoffgurt handelt, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Im Verlauf der Befreiungsaktion sei es aber zu einer „kontrollierten Explosion“ in dem Nachtclub gekommen, so die Behörden in Orlando.

Die Tat von Orlando ist der schwere Terrorakt in den USA seit den Attentaten vom 11. September 2001. Sie gilt zudem als blutigste Tat eines Einzelschützen in der modernen US-Geschichte. Das Attentat ereignete sich während des Gay Pride-Monats, in dem im ganzen Land Homosexuellenparaden und Feste stattfinden. In New York ordnete Bürgermeister Bill de Blasio zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für schwule und lesbische Einrichtungen an.

In Los Angeles gingen am Sonntag rund 150.000 Menschen zu einer Schwulen- und Lesbenparade auf die Straße. Die Polizei nahm einen Mann fest, der mit einem Auto voller Waffen unterwegs zu der Parade war. Seine Motive waren nach Angaben der Polizei von Los Angeles zunächst unklar. Verbindungen zu der Tat in Orlando sah sie nicht.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Massaker von Orlando als erschreckend bezeichnet und zugleich versichert, dass Deutschland auch im Angesicht derartiger Grausamkeiten ein offenes Land bleiben werde. «Unser Herz ist schwer, dass der Hass und die Bösartigkeit eines einzelnen Menschen über 50 Leben gekostet hat», sagte Merkel am Montag am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Peking. Aber auch solch mörderische Anschläge und die tiefe Trauer darüber würden Deutschland nicht davon abhalten, ein «offenes Leben» fortzusetzen.

Merkel sprach US-Präsident Barack Obama, den Opfern, den Angehörigen und den Helfern ihre Anteilnahme aus. Auch Chinas Ministerpräsident Li Keqiang sprach den Opfern und ihren Angehörigen seine Anteilnahme aus. China wende sich gegen jede Form von Gewalt und Terrorismus. (mit afp, dpa)

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