Macrons Avancen laufen ins Leere.
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Macrons Avancen laufen ins Leere.

Frankreich

Emmanuel Macrons nutzlose Liebesgrüße nach Moskau

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Seit Jahren strebt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine „strategische Partnerschaft“ mit Moskau an. Der Fall Nawalny aber wirft seine Pläne über den Haufen.

Das Wort hallt nach: Der Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny sei ein „Mordversuch“, sagte Emmanuel Macron vorige Woche am Telefon zu Wladimir Putin. Wen er dafür verantwortlich macht, brauchte er nicht zu sagen – auch so drang der französische Frust über das Verhalten des Herrn im Kreml durch. Macron fühlt sich wie ein düpierter Verehrer. Einer, der es hätte wissen müssen.

Frankreich und die Faszination für Putin

Nicht zum ersten Mal sind die französischen Liebesgrüße nach Moskau ins Leere gelaufen. Dabei ist ausgerechnet unter Konservativen in Paris eine gewisse Faszination für Putin nicht selten. Sie geht bis auf Charles de Gaulle zurück, der für die Nuklearmacht Frankreich lieber mit der Sowjetunion als mit den USA – die die europäischen Ex-Imperien auf amerikanische Linie bringen wollten – ein Auskommen suchte. Nicolas Sarkozy hatte Putin bereits 2011 eine „Partnerschaft“ angeboten, die – unausgesprochen – auch die Einbindung Deutschlands beinhaltete. Der Plan scheiterte wegen der russischen Annexion der Krim. Der sozialistische Nachfolger François Hollande stoppte die Lieferung von zwei Mistral-Kriegsschiffen an Moskau (sie gingen später an Ägypten) und legte die Beziehung zu Russland wieder auf Eis.

Das war kein Hinderungsgrund für die Eröffnung einer russisch-orthodoxen Kathedrale in Paris 2016. Seither strahlen deren goldene Spitzkuppeln über der Seine als Ausdruck franko-russischer Verbundenheit.

Als Macron ein Jahr später gewählt wurde, gewann die sich bis aufs 19. Jahrhundert berufende pro-russische Fraktion im französischen Außenministerium wieder an Einfluss: Im Sommer 2019 empfing Macron Putin demonstrativ in seiner Sommerresidenz Bregançon, da er ihn wegen des amerikanischen Einspruchs nicht zum G7-Gipfel in Biarritz einladen konnte. Der französische Präsident deutete an, Moskaus Verhalten in der Ukraine-Frage könnte auch durch das rigide Verhalten der EU verursacht sein. Deutschland durfte sich angesprochen fühlen.

Außenpolitisch isoliert

Putin nahm die französischen Charme-Avancen an der Côte d’Azur lächelnd entgegen – ohne sie irgendwie zu erwidern. In diesem Juli lud Macrons Russland-Beauftragter Pierre Vimont trotzdem die Chefbeamten der russischen Außen- und Verteidigungsminister nach Paris ein. Man kam überein, ein bilaterales Treffen der Minister zu organisieren, wissend, dass dies in Berlin wenig Begeisterung auslösen würde.

Der Anschlag auf Nawalny hat allerdings alles über den Haufen geworfen. Das russisch-französische Ministertreffen ist abgesagt. Macron spricht wieder – wie bei seinem ersten Treffen mit Putin 2017 in Versailles – diplomatischen Klartext. Im Quai d’Orsay gibt die russlandkritische, eher natofreundliche Fraktion erneut den Ton an. Sie warnt seit langem vor der Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2, auch wenn sie auf entsprechende US-Sanktionsdrohungen skeptisch reagiert. Schließlich ist auch der französische Großkonzern Engie an dem Bauwerk beteiligt.

Der französische Europaminister Clément Beaune bekräftigt französische „Reserven“ gegenüber Nord Stream 2. Zugleich sucht Macron den Eindruck zu vermeiden, dass die Pipelinefrage Paris und Berlin spalte. Der französische Präsident ist heute innen- wie außenpolitisch isoliert, seine Osteuropapolitik verfahren. Je klarer Macron erkennt, dass die „strategische Partnerschaft“ mit Moskau nicht gelingt, desto mehr liegt ihm wieder an seiner Beziehung zu Berlin. Die ist vielleicht weniger faszinierend, dafür etwas vertrauensvoller.

Deshalb will der französische Präsident auch in Sachen Nord Stream 2 mit Angela Merkel an einem Strang ziehen. Auf keinen Fall will er die Kanzlerin in die Bredouille bringen, indem er etwa ein kategorisches Aus für die Pipeline verlangen würde. Bei dem EU-Sondergipfel, der in dieser Woche in Brüssel stattfindet, will er deshalb mit Merkel eine genau abgestimmte Position zu Nord Stream 2 vorlegen. Die soll zumindest den Eindruck einer gemeinsamen Haltung erwecken.

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