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NSU 2.0.: Verhaftung in Berlin
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In Berlin wurde der mutmaßliche Täter, der unter anderem Todesdrohungen unter dem Absender „NSU 2.0“ verfasst haben soll, verhaftet.

Rechtsterrorismus

„NSU 2.0“-Drohschreiben: Mutmaßlicher Täter in Berlin festgenommen

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Der mutmaßliche Täter, der seit 2018 Todesdrohungen unter dem Absender „NSU 2.0“ versandt hat, wird in Berlin verhaftet.

Frankfurt/Berlin – Es soll sich nicht um einen Polizisten handeln, weder in Hessen noch in einem anderen Bundesland. Nach Informationen der FR handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen 53-jährigen erwerbslosen Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit. Er sei bereits mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen rechtsmotivierter Straftaten und auch wegen Amtsanmaßung.  

Staatsanwaltschaft und Polizei werteten die bei der Durchsuchung in Berlin sichergestellten Datenträger noch aus.  Es soll sich nicht um einen Polizisten handeln, weder in Hessen noch in einem anderen Bundesland.

NSU 2.0: Bedrohung seit August 2018

Die Serie von Drohschreiben, die teils per Fax und teils per Email verschickt wurden, hatte im August 2018 begonnen. Seinerzeit erhielt die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız Morddrohungen gegen sich und ihre Tochter, die rassistisch formuliert wurden. Wenige Stunden zuvor waren persönliche Daten, etwa die Adresse der Anwältin, von einem Polizeicomputer im 1. Revier in Frankfurt abgefragt worden.

Idil Baydar, Seda Basay-Yildiz und Janine Wissler (von links) werden vom NSU 2.0 bedroht.

Ähnlich verhielt es sich später bei Drohschreiben von „NSU 2.0“ gegen die hessische Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar. Beide wurden in rassistischen und sexistischen Schreiben des gleichen Absenders mit dem Tode bedroht, wobei persönliche Daten verwendet wurden, die zuvor von Polizeirechnern in Wiesbaden abgerufen worden waren. Daten der ebenfalls von „NSU 2.0“ bedrohten Autorin Hengameh Yaghoobifarah wurden von einem Polizeirechner in Berlin abgefragt.

Ermittlungen im Fall „NSU 2.0“ blieben jahrelang erfolglos

Daher war in der Öffentlichkeit vermutet worden, dass der Täter selbst Polizist sein könnte oder jedenfalls enge Beziehungen zu Polizeibeamten unterhalte. Mit dem Kürzel lehnte sich der Täter an die extrem rechte Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) an, die von 2000 bis 2007 insgesamt zehn Menschen tötete.

Die Ermittlungen im Fall „NSU 2.0“ waren zweieinhalb Jahre lang erfolglos geblieben – was zu einer Belastungsprobe für die hessische Polizei insgesamt wurde. Der hessische Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jens Mohrherr, sagte der Frankfurter Rundschau jüngst: „Es belastet die Kolleginnen und Kollegen. Einer hat mir mal gesagt: Das ist, als ob man mir eine Bleiweste umhängt, wenn ich jeden Tag in den Dienst komme. Es wiegt auch schwer, wenn sich Kolleginnen und Kollegen in Frankfurt beschimpfen lassen müssen, sie kämen vom ,Nazirevier‘“.

NSU 2.0: Sonderermittler suchen seit Juli nach dem Täter

Als die Bedrohungen gegen Wissler und Baydar im Juli bekannt wurden, reagierte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU), indem er eine Expertenkommission zur Neuausrichtung der hessischen Polizei einberief und einen Sonderermittler auf den Fall ansetzte. Nun führten die Ermittlungen offenbar zum Erfolg. Nach Informationen der FR soll eine Spur, die der Täter im Internet hinterlassen hat, seine Identifizierung ermöglicht haben.

Im März berichtete Minister Beuth, dass „NSU 2.0“-Drohschreiben an mindestens 32 Personen und 60 Institutionen in neun Bundesländern und in Österreich versandt worden seien. Es gehe um 133 Drohschreiben mit der Signatur „NSU 2.0“ , von denen 18 als Schreiben von „Trittbrettfahrern“ eingeschätzt würden und 115 von demjenigen stammen sollen, der schon für das erste Schreiben verantwortlich war. (Pitt von Bebenburg)

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