Rechtsextremismus

NSU 2.0: Es hagelt rechtsextreme Drohschreiben - auch von Nachahmern?

  • Pitt v. Bebenburg
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NSU 2.0: Weitere rechtsextreme Drohschreiben an Politikern und Prominente sind aufgetaucht. Möglicherweise handelt es sich um einen Trittbrettfahrer.

  • NSU 2.0: Weitere Politiker*innen erhalten rechtsextreme Drohschreiben.
  • Aktuelle Mails weisen andere Merkmale auf als die vorherigen rechtsextremen Drohschreiben von NSU 2.0.
  • Handelt es sich um Nachahmer von NSU 2.0?

Frankfurt - Immer mehr Politikerinnen und Politiker von Grünen, Linken und SPD erhalten rechtsextreme Beschimpfungs- und Drohschreiben, die mit „NSU 2.0“ unterzeichnet sind. Die Schreiben gehen auch an Journalistinnen und andere bekannte Menschen, vor allem Frauen. Etliche der Betroffenen reagierten mit klaren Botschaften, dass sie umso energischer gegen Rechtsextremismus kämpfen wollen.

Die aktuelle Serie von Mails weist andere Merkmale auf als die ursprünglichen „NSU 2.0“-Mails. Es könnte sich daher um Nachahmer handeln. Ob das so ist, sei „Gegenstand der Ermittlungen“, hieß es von der Frankfurter Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Zudem gebe es mehrere Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit rechtsextremen Drohungen.

Demo gegen Rechtsextremismus.

NSU 2.0: Politiker*innen bekommen rechtsextreme Drohschreiben

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die eine der Adressatinnen ist, reagierte mit einem Video auf Twitter. Dort sprach die Politikerin „den sogenannten NSU 2.0 und alle anderen Faschist*innen“ direkt an und betonte: „Ihr solltet wissen: Der Kampf gegen Antisemitismus, gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit und gegen den Hass geht weiter. Ihr macht mir keine Angst, ihr kriegt mich nicht klein.“ Mehr als 4000 Menschen unterstützten die Botschaft der Grünen-Politikerin mit einem „Like“.

Zu den Prominenten, die aktuell bedroht werden, zählen die Grünen-Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter, Claudia Roth, Renate Künast und Filiz Polat sowie der Oberbürgermeister von Hannover, Belit Onay (Grüne). Daneben erhielten die Linken-Bundesvorsitzende Katja Kipping, die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner, der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby, die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) und etliche andere die Hasspost.

Zur Person:

Name:Katrin Göring-Eckardt
Geburtsdatum:3. Mai 1966 (54 Jahre)
Partei:Bündnis 90 / Die Grünen
Ehepartner: Michael Göring

Rechtsextreme Drohschreiben von NSU 2.0: „Nicht einschüchtern lassen“

Oberbürgermeister Onay sagte im NDR, er wolle sich nicht einschüchtern lassen und hoffe auf Ermittlungserfolge, damit klar werde, „dass solche Schreiben, solche Drohungen nicht folgenlos bleiben“. Im ersten Moment sei man berührt und angefasst, doch er wolle die Drohungen nicht an sich heranlassen. „Es wird meine politischen Handlungen nicht verändern“, sagte der Grünen-Politiker.

Der Absender der Drohschreiben behauptet zu wissen, wo sich die bedrohten Personen aufhielten. Auch ihre Familien und ihre Freunde seien ausspioniert worden, heißt es in den Schreiben. Der Verfasser gibt Sympathien zu erkennen mit Naziverbrechern wie dem SS-Chef Heinrich Himmler, dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß oder Prinz Eugen, dem kaiserlichen Oberbefehlshaber gegen die osmanischen Truppen im 17. und 18. Jahrhundert. Außerdem unterzeichnet er mit „NSU 2.0“, ebenso wie der Verfasser anderer Drohschreiben, der dabei persönliche Daten der betroffenen Frauen nutzte. Solche Daten waren vorher teilweise von hessischen Polizeicomputern abgerufen worden.

In diesem Zusammenhang hatten Ermittler bis zum Wochenende 69 Drohschreiben an 28 Personen sowie an Institutionen identifiziert. Das teilte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) in dieser Woche mit.

Das Kürzel bezieht sich auf die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die in den Jahren 2000 bis 2007 insgesamt zehn Menschen in Deutschland ermordet hatte. Von Pitt von Bebenburg

Inzwischen gab es zwei erste Festnahmen im Zusammenhang mit dem „NSU 2.0“.

Die Drohmails mit dem Absender „NSU 2.0“ stehen im Zusammenhang mit unbefugten Datenabfragen von Computern der Polizei in Hessen. Eine bundesweite Umfrage der Frankfurter Rundschau zeigt: Nicht nur bei der Polizei in Hessen gibt es unerlaubte Abfragen von Daten.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert

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