Der NPD-Chef wurde für Rassismus verurteilt.
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Der NPD-Chef wurde für Rassismus verurteilt.

Gericht ahndet Hetze

NPD-Chef verurteilt

Am Freitag verurteilte das Amtsgericht Berlin-Tiergarten Parteichef Udo Voigt zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Man darf ihn nun einen verurteilten Rassisten nennen. Von Jörg Schindler

Von JÖRG SCHINDLER

An schlechte Nachrichten hatte man sich bei der NPD zuletzt ja gewöhnt. Jetzt ist noch eine dazu gekommen: Am Freitag verurteilte das Amtsgericht Berlin-Tiergarten Parteichef Udo Voigt zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Man darf ihn nun einen verurteilten Rassisten nennen.

Das Gericht sah es als erwiessen an, dass die Extremisten im Frühjahr 2006 mit ihrem "WM-Planer" gezielt Fußballspieler mit schwarzer Hautfarbe verhöhnten. "Weiß - mehr als eine Trikotfarbe! Für eine echte National-Mannschaft" hatte die Partei kurz vor der WM auf ihr infames Heftchen drucken lassen. Dazu nicht ganz zufällig die Trikotnummer 25 - die trug damals der Verteidiger Patrick Owomoyela, dessen Vater aus Nigeria stammt.

Ein Missverständnis, hatten die NPD-Anwälte vor Gericht argumentiert. Tatsächlich sei die Nummer 26 abgebildet, die gehörte Sebastian Deisler - und der habe nachweislich "weiße Haut". Das Gericht glaubte ihnen nicht und verurteilte als verantwortlichen Parteichef nun Udo Voigt. Ebenfalls Bewährungsstrafen erhielten Parteisprecher Klaus Beier und Frank Schwerdt, hochtrabend Leiter des "Amtes Recht" genannt. Zudem müssen alle drei je 2000 Euro an Unicef zahlen.

Der 57-jährige Voigt war erst Anfang April nach internem Gerangel wieder zum NPD-Chef gewählt worden. Das Urteil dürfte zu seinen geringsten Sorgen zählen. Seine Partei nämlich steht am Rande des Ruins, nachdem der Bundestag wegen falscher Rechenschaftsberichte auf Millionenrückzahlung geklagt hat. Woher das Geld kommen soll, weiß bei der NPD niemand.

Zerfallserscheinungen sind unübersehbar: So legte etwa Andreas Molau, noch vor kurzem als möglicher Voigt-Nachfolger gehandelt, am Freitag sein Amt als niedersächsischer NPD-Vize nieder. Noch eine schlechte Nachricht: Tino Müller, Shooting-Star der Braunen in Mecklenburg-Vorpommern, wurde von der Bürgermeisterwahl in Ferdinandshof ausgeschlossen. Fortsetzung folgt.

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