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Im Weltgesundheitsindex der John-Hopkins-Universität rangiert Nordkorea auf Platz 193 von 195.
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Im Weltgesundheitsindex der John-Hopkins-Universität rangiert Nordkorea auf Platz 193 von 195.

Nordkorea

Ist Nordkorea wirklich virusfrei?

  • vonFabian Kretschmer
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Pjöngjang behauptet, die Epidemie habe vor seinen Grenzen halt gemacht. Doch Experten bezweifeln die Angaben aus Nordkorea.

Erste Hilfslieferungen werden derzeit über die chinesische Landgrenze nach Nordkorea entsendet: Schutzkleidung, medizinische Handschuhe und Atemschutzausrüstung. Obwohl das abgeschottete Regime explizit um die Unterstützung von NGOs gebeten hat, behauptet es, vollständig virusfrei zu sein. In einer seltenen Aussendung vom Freitag zitiert das Außenministerium in Pjöngjang mehrere chinesische Zeitungsartikel, in denen Nordkorea für seine vorbildliche Präventionsarbeit gelobt wird.

Bis zum 17. November kann der erste Covid-19-Fall im chinesischen Wuhan zurückgeführt werden. In den Wochen darauf hatte sich der Erreger bis in die hintersten Ecken Chinas ausgebreitet – jenem Land, mit dem Nordkorea eine durchlässige, 1400 Kilometer lange Grenze teilt. Diese besteht meist nur aus einem Flusslauf und in Abschnitten Stacheldrahtzaun. Für viele Experten ist Nordkoreas Behauptung daher wenig glaubhaft. Letzte Woche sagte der General der US-Streitkräfte in Südkorea, er sei „relativ sicher“, dass es in dem Land Infektionen gebe. Für einen Monat, so Robert Abrams, stand Nordkoreas Militär praktisch still: keine Drills, keine Flugeinsätze.

Am 9. März berichtete das Fachmedium „Daily NK“, dass 180 entlang der chinesischen Grenze stationierte Soldaten Fiebersymptome gezeigt hätten und verstorben seien. Weitere 3700 Soldaten würden in der Region unter Quarantäne stehen. „Daily NK“ beruft sich auf eine anonyme Quelle innerhalb des Landes, die Angaben sind mit Vorsicht zu genießen.

Zeigt sich weiterhin ohne Atemschutzmaske: Kim Jong Un.

Fakt ist jedoch, dass das Coronavirus für Nordkorea eine massive Gesundheitsgefahr darstellt. NGO-Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich berichten regelmäßig, wie schlecht es um die Krankenhäuser in den Provinzen des Landes bestellt ist. Kliniken fehlt es am Nötigsten: Antibiotika, Betäubungsmitteln, manchmal sogar fließendem Wasser. Im Weltgesundheitsindex der John-Hopkins-Universität rangiert Nordkorea auf Platz 193 von 195. Bis heute leidet das bitterarme Land noch immer unter Tuberkulose und weitflächiger Mangelernährung. Die Sterblichkeitsrate von Covid-19 wäre dementsprechend um ein Vielfaches höher. Drastischer ausgedrückt: Das Virus könnte die nordkoreanische Bevölkerung regelrecht dezimieren.

Der Ton wird immer dringlicher

Rasch reagierte das Regime daher auf die Krise im Nachbarland China. Ende Januar schloss das Land de facto seine Landesgrenze, wenig später die Grenze zu Russland. Sämtliche Ausländer im Land wurden 14 Tage unter Quarantäne gestellt, die Maßnahme wurde schließlich noch verlängert. Importierte Waren wurden für 14 Tage isoliert.

Anfang März warnte Chinas UN-Botschafter Zhang Jun davor, dass Nordkorea unter „negativen Folgen“ des Coronavirus leiden würde – und rief dazu auf, Wirtschaftssanktionen gegen das Land zu lockern. Tatsächlich ist China der einzige nennenswerte Handelspartner für Nordkorea, ohne dessen Versorgung die fragile Wirtschaft zusammenbrechen und eine Hungersnot auslösen könnte.

„Abseits davon, dass die Medien keine Fälle im Land bestätigt haben, wurden die Nordkoreaner sehr detailliert über Präventionsmaßnahmen und die Epidemien in anderen Ländern unterrichtet“, sagt Luz Ding, eine chinesische Journalistin, die für die Washingtoner Denkfabrik „38 North“ die nordkoreanischen Staatsmedien durchforstet. Der Ton der Berichterstattung sei bis Februar immer ernster und dringlicher geworden, sagt sie. Am 29. Januar nannte die Parteizeitung „Rodong Sinmun“ den Kampf gegen Covid-19 existenzbedrohend für die gesamte Nation. Später sprach Machthaber Kim Jong Un von „schwerwiegenden Konsequenzen“, wenn sich das Virus im Land ausbreiten würde. In den Propagandamedien Nordkoreas trägt jeder Fotografierte eine Gesichtsmaske: von Soldaten bis zu Fabrikarbeitern. Einzige Ausnahme: Machthaber Kim zeigte sich während seiner Raketentests im März oben ohne. (Von Fabian Kretschmer)

Aufschrei unter Hundehaltern. Medien werfen der Regierung unter Kim-Jong Un in Nordkorea vor, Haustiere zu konfiszieren und an Restaurants und Zoos zu liefern.

Nordkorea kämpft gegen Hungersnot: Kim Jong-un nutzt Corona-Fall für Propaganda

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