Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un nimmt an einem nicht näher bezeichneten Ort an dem angeblichen Test einer Hwasong-12-Mittelstreckenrakete teil (2017).
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Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un nimmt an einem nicht näher bezeichneten Ort an dem angeblichen Test einer Hwasong-12-Mittelstreckenrakete teil (2017).

Nordkorea

US-Geheimdienste berichten: Kim Jong Un baut geheim weiter Atomwaffen

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Trotz der Verpflichtung zur Denuklearisierung entwickelt Nordkorea weiter atomare Waffen. Das wollen US-Geheimdienste herausgefunden haben.

  • US-Geheimdienste behaupten, dass Nordkorea sein Arsenal ausbaut.
  • Bei einem Treffen mit Donald Trump hatte sich Kim Jong Un 2018 zur Denuklearisierung Nordkoreas verpflichtet.
  • Briefe zwischen den beiden Machthabern zeigen eine innige Freundschaft

Pjöngjang - Es ist nicht lange her, da schrieben sich Donald Trump und Kim Jong Un noch „Liebesbriefe“. Die amerikanisch-nordkoreanischen Beziehungen gipfelten bei einem Treffen 2018 in Singapur, bei dem sich der nordkoreanische Machthaber zur Denuklearisierung des Landes verpflichtete. Doch es soll wohl bei leeren Versprechungen geblieben sein, wie US-Geheimdienste jetzt scheinbar herausfanden.

Zwar habe Nordkorea die provokanten Tests von Atomwaffen ausgesetzt, jedoch nie aufgehört, weiter an ihnen zu arbeiten. Das berichtet die „Washington Post“. Demnach gebe es Beweise dafür, dass die Waffen nicht nur weiter entwickelt werden, sondern auch Vorhaben zu ihrer Abschirmung im Gang seien. Die vermeintliche Stilllegung könnte Kim Jong Un eher gedient haben, seine Waffenprojekte geheim weiterzuverfolgen.

Nordkorea: Kim Jong Un baut weiter Atomwaffen - trotz Freundschaft mit Donald Trump

Nordkorea hat nicht damit aufgehört, Nuklearwaffen und Raketensysteme zu entwickeln. Sie zeigen sie nur nicht mehr öffentlich“, teilte Jeffrey Lewis mit, Direktor der EANP (Ostasiatisches Programm für die Nichtverbreitung von Atomwaffen). Man habe dort nur die Dinge eingestellt, die schlechte Schlagzeilen für Trump bedeuten.

Zwei Jahre nach dem Singapur-Gipfel ließe sich nun sagen, dass Nordkorea stärker bewaffnet ist und das Arsenal weiter wächst. Gegen mögliche Luftangriffe seitens der USA sei Nordkorea besser gewappnet als zuvor. Durch eine tiefe Freundschaft mit US-Präsident Donald Trump habe Kim Jong Un zudem einen weiteren Vorteil, der seinem Vater und Großvater noch verwehrt blieb. Wie die „WaPo“ berichtet, sollen Experten Zeichen dafür sehen, dass Kim derzeit zwar deeskalierend wirkt, aber bald zu aggressiverem Verhalten zurückkehren wird - und zwar frühestens ab dem 3. November. Er wolle nämlich nicht Trumps Chancen auf eine Wiederwahl schwächen.

Bericht von US-Geheimdiensten: Nordkorea baut weiter Atomwaffen

Zwar könne es eine „Oktober-Überraschung“ geben, wie die Nordkorea-Analystin der CIA, Sue Mi Terry, letzte Woche mitteilte. Doch 2020 sei kein normales Wahljahr, weshalb Kim lieber mit Trump persönlich zurechtkommen möchte.

Der Inhalt dutzender „Liebesbriefe“, wie Trump seine Austausche mit Kim nennt, wird im neuen Buch „Rage“ des Journalisten Bob Woodward veröffentlicht. „Ich kann den Moment der Geschichte nicht vergessen, in dem ich fest die Hand Eurer Exzellenz hielt“, schrieb Kim beispielsweise im Dezember 2018. Trumps Antwort folgte drei Tage später: „Die einzigen Oberhäupter, die das können, sind Sie und ich.“

Donald Trump und Kim Jong Un beschlossen Denuklearisierung von Nordkorea

Dennoch schien der Singapur-Gipfel 2018 nur symbolischen Charakter gehabt zu haben. Ein festes Abkommen oder eine gemeinsame Vorstellung, wie eine Denuklearisierung überhaupt aussehen solle, gab es nicht. Zu Beginn von Trumps Präsidentschaft standen die Zeichen noch auf Eskalation. Es gab dann ein hochrangiges Treffen, doch praktisch ohne große Wirkung. Wie viele Atomwaffen Nordkorea seitdem gebaut haben soll, ist unklar.

Doch ein Bericht des Geheimdienstes soll zunehmende Bauvorhaben auf sechs Militärbasen aufzeigen. Zudem befasse man sich in Nordkorea damit, die Gelände unerkennbar zu machen. Auch gebe es „Beweise“ für baldige Waffentests, berichtet die „WaPo“. Mit der Konstruktion von Bunkern und Lagereinrichtungen bereite man sich auch auf mögliche Angriffe vor. Am 10. Oktober soll eine Militärparade abgehalten werden.

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