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Nordkorea feuert wohl atomwaffenfähige Raketen Richtung Südkorea und Japan ab

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Südkorea meldet erneut Raketenangriffe von Nordkorea - und schießt zurück. (Archivbild)
Südkorea meldet erneut Raketenangriffe von Nordkorea - und schießt zurück. (Archivbild) © Ahn Young-Joon/dpa

Pjöngjang will seine Atomstreitmacht ausbauen. Seit Beginn des Jahres testet das Land unablässig Raketen - auch atomwaffenfähige.

Seoul/Tokio - Nordkorea hat bei neuen Raketentests nach Angaben von Südkorea und Japan eine mutmaßliche atomwaffenfähige Rakete mit tausenden Kilometern Reichweite abgefeuert.

Das Land habe heute Morgen (3. November) drei ballistische Raketen Richtung offenes Meer abgeschossen, von denen die erste möglicherweise eine Interkontinentalrakete (ICBM) gewesen sei, teilte der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte mit. Er bestätigte zunächst nicht Berichte südkoreanischer Medien, wonach der Test der mehrstufigen Rakete wegen Problemen nach der Startphase fehlschlug.

Nordkorea testet raketen: Raketentyp zunächst unklar

Unklarheit gab es in Südkorea zunächst auch bei der Bestimmung des Raketentyps. Nach Einschätzung des Büros für nationale Sicherheit des Präsidialamts könnte es sich auch um eine sogenannte Mittelstreckenrakete größerer Reichweite (IRMB) handeln, berichtete der südkoreanische Sender KBS. Laut dem Militär flog die Rakete in einer Höhe von bis zu 1920 Kilometern etwa 760 Kilometer weit.

Beide Typen können als Trägerraketen für Atomwaffen dienen, deren Tests der selbsterklärten Atommacht Nordkorea durch UN-Resolutionen untersagt sind. Zu ICBM zählen dabei Raketen mit Reichweiten von mindestens 5500 Kilometern. Die anderen beiden Flugkörper, die Nordkorea am Donnerstagmorgen in Richtung Osten abschoss, sollen Kurzstreckenraketen gewesen sein.

Auch in Japan, wo sich vor seiner Weiterreise am Abend nach Südkorea noch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufhielt, sorgte der jüngste nordkoreanische Raketentest für Verwirrung. Die Regierung in Tokio hatte zuvor anfängliche Angaben korrigiert, wonach die erste Rakete mit längerer Reichweite über Japan hinweggeflogen sei. Die Rakete sei über dem Japan-Meer vom Radar verschwunden. Es haben keine Schäden in Japan durch die Raketen gegeben. Die Bewohner in einigen nordöstlichen und zentraljapanischen Präfekturen waren zuvor aufgerufen worden, zur Sicherheit in ihren Häusern zu bleiben.

Rakete aus Nordkorea: Über Japan-Meer vom Radar verschwunden

Verteidigungsminister Yasukazu Hamada erklärte, die erste Rakete sei gegen 7.40 Uhr Ortszeit abgeschossen worden. Die potenzielle Flugbahn hätte die Rakete über Japan hinwegfliegen lassen können. Sie sei aber über dem Japan-Meer vom Radar verschwunden. Der Grund für das Verschwinden vom Radar werde noch untersucht, hieß es. Am 4. Oktober war eine nordkoreanische Rakete über Japan hinweggeflogen.

Seit Ende September hat Nordkorea trotz internationaler Kritik in ungewohnt hoher Frequenz Raketentests durchgeführt. Erst am Mittwoch hatte das Land nach Angaben des südkoreanischen Militärs über den Tag verteilt mehr als 20 Raketen an der Ost- und Westküste abgefeuert. Davon habe eine Kurzstreckenrakete die östliche Seegrenzlinie zwischen den beiden Ländern überquert. Südkoreas Militär reagierte entsprechend und feuerte nach eigenen Angaben drei Luft-Boden-Raketen aus Kampfjets ins offene Meer nördlich der Grenzlinie.

USA rufen Nordkorea zu Dialog auf

Die USA reagierten mit Kritik. Bei dem mutmaßlichen Abschuss einer Interkontinentalrakete handle es sich um eine „klare Verletzung mehrerer Resolutionen des UN-Sicherheitsrats“, teilte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, gestern mit. Die Aktion zeige, welche Gefahr die illegalen Programme für Massenvernichtungswaffen und ballistische Raketen Nordkoreas sowohl für dessen Nachbarn und die Region als auch für den internationalen Frieden und die Sicherheit darstellten.

Zusammen mit der internationalen Gemeinschaft riefen die USA Nordkorea dazu auf, von weiteren Provokationen abzusehen und sich auf einen Dialog einzulassen, hieß es weiter. Das Engagement der USA für die Verteidigung Südkoreas und Japans bleibe „eisern“.

Die neuen nordkoreanischen Raketentests wurden in Südkorea auch als Reaktion auf die größte Luftwaffenübung der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte seit mehreren Jahren gesehen. Nordkorea hatte den beiden Ländern „rücksichtslose“ militärische Provokationen vorgeworfen und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Die mehrtägigen Übungen in Südkorea dauern noch bis Freitag an. (dpa)

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