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Diplomatische Beziehungen

Olympische Spiele mit Nordkorea? Südkorea schürt Spekulationen

Die Olympischen Spiele in Tokio sollen die Beziehungen zwischen Japan, Südkorea und Nordkorea verbessern. Das wünscht sich zumindest der südkoreanische Präsident.

  • Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in will die Olympischen Spiele in Tokio zu diplomatischen Zwecken nutzen.
  • Ein gemeinsames Auftreten von Nordkorea und Südkorea bei Olympischen Spielen hatte schon einmal Gespräche mit Kim Jong-un ermöglicht.
  • Nordkorea-NewsAlle Neuigkeiten im kompakten Überblick.

Seoul – Der Präsident von Südkorea Moon Jae-in hat seine Bereitschaft erklärt, sowohl mit Nordkorea als auch mit Japan Gespräche zu führen, um ihre Beziehungen zu verbessern. Dazu möchte er die Olympischen Spiele in Tokio nutzen, die in diesem Sommer stattfinden sollen. Es erscheint möglich, dass Nord- und Südkorea wieder gemeinsam bei den Spielen antreten könnten.

„Die für dieses Jahr geplanten Olympischen Sommerspiele in Tokio können als Gelegenheit für einen Dialog zwischen Korea und Japan, Süd- und Nordkorea, Nordkorea und Japan sowie Nordkorea und den USA dienen“, sagte Moon Jae-in in einer Rede am Montag (01.03.2021) anlässlich des 102. Jahrestags der südkoreanischen Massenbewegung gegen die japanische Kolonialherrschaft.

Vor Olympischen Spielen in Tokio: Beziehung zwischen Japan und Südkorea angespannt

Die Beziehung von Südkorea und Japan sei laut der südkoreanischen Nachrichtenseite NK News auch 76 Jahre nach dem Ende der Kolonialherrschaft noch angespannt. Die beiden Nationen hätten sich zuletzt über die südkoreanischen „Trostfrauen“ gestritten, die während der japanischen Kolonialherrschaft auf der Halbinsel zwischen 1910 und 1945 in die sexuelle Sklaverei gezwungen wurden. Außerdem gab es einen Handelsstreit, der dazu führte, dass die Südkoreaner japanische Waren massenhaft boykottierten, während Verantwortliche beider Seiten damit gedroht hätten, sich 2019 aus einem wichtigen Abkommen über die gemeinsame Nutzung von Militär und Geheimdiensten namens GSOMIA zurückzuziehen.

Nun geht Präsident Moon Jae-in auf Japan zu: „[Südkorea] wird mit Japan für den Erfolg der Olympischen Spiele zusammenarbeiten.“ Weniger als zwei Wochen zuvor gab es in Seoul bereits ein seltenes trilaterales Gespräch über „Nordkorea-bezogene Herausforderungen“ mit hochrangigen japanischen und us-amerikanischen Außenpolitikern.

Ob die Olympischen Spiele in diesem Sommer in Tokio stattfinden können, ist noch unklar. Südkorea würde sie gerne nutzen, um die Beziehungen zu Nordkorea und Japan zu verbessern.

Moon will neuen „Pyeongchang-Olympia-Moment“ mit Nordkorea

„Die koreanische Regierung ist immer bereit, sich mit der japanischen Regierung zusammenzusetzen und Gespräche zu führen“, sagte Moon Jae-in. „Ich bin zuversichtlich, dass wir, wenn wir unsere Köpfe zusammenstecken und versuchen, die Perspektive des jeweils anderen zu verstehen, auch in der Lage sein werden, die Probleme der Vergangenheit auf kluge Weise zu lösen.“

Shin Beom-chul, Direktor des Zentrums für Diplomatie und Sicherheit am Korea Research Institute for National Strategy, sagte gegenüber NK News, Moon „scheint an einen weiteren ‚Pyeongchang-Olympia‘-Moment zu denken.“

Zu den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang 2018 schickte Nordkorea überraschenderweise eine diplomatische Delegation, eine Gruppe von Cheerleadern und eine Gruppe von Athleten in den Süden – ein sportdiplomatisches Ereignis, das die Atomverhandlungen nach Jahren des Stillstands wieder aufleben ließ, berichtet NK News. Ein Nachrichtensender, der sich auf Nachrichten zu Nordkorea fokussiert. Die Gespräche scheiterten jedoch ein Jahr später, als der damalige US-Präsident Donald Trump den Gipfel in Hanoi mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-un verließ.

Nordkorea: Streitpunkt Atomprogramm statt Olympische Spiele

Shin beurteilt die Umsetzung von Moons diplomatischen Plänen mit Nordkorea als schwierig. „Es spiegelt Moons Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der innerkoreanischen Beziehungen wider, aber realistisch betrachtet ist es nicht einmal klar, ob die Olympischen Spiele [wegen der Corona-Pandemie] stattfinden können“, sagte Shin. „Noch wichtiger ist, dass Nordkorea in diesem Jahr explizit seine Absicht zeigt, nicht von seinen Atomwaffen abzulassen. Wenn das grundlegend unverändert bleibt, könnte eine Einladung Nordkoreas zu den Olympischen Spielen nur Pjöngjangs Ansehen in der internationalen Gemeinschaft erhöhen - wovor gewarnt werden sollte.“

Die Haltung von Japan schätzt Shin so ein: „Japan könnte erwägen, dass Südkorea Nordkorea zu den Olympischen Spielen in Tokio einlädt. Aber nicht, weil sie eine ‚Friedensolympiade‘ wollen, wie Seoul es will, sondern weil sie eine Sicherheitsmaßnahme wollen, die Nordkorea daran hindert, während der Olympiade Raketentests und militärische Provokationen durchzuführen.“ (Theresa Ricke)

Sehr geehrte Leser:innen, in einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass die Winterspiele 2018 in Pjöngjang stattgefunden haben und dass sich Moon Jae-in nach Ansicht von Shin Beom-chul einen ‚Pjöngjang-Olympia‘-Moment wünscht. Das war ein Fehler. Korrekterweise heißt es an beiden Stellen Pyeongchang. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Rubriklistenbild: © imago-images

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