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Weißes Haus sicher: Nordkorea liefert heimlich Waffen an Russland - aber der eindeutige Beweis fehlt

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Von: Caspar Felix Hoffmann

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Das Regime von Kim Jong-un versuche, den Bestimmungsort von Granaten zu verschleiern, indem es sie durch den Nahen Osten und Nordafrika leite.

Washington/Moskau/Frankfurt – Nordkorea liefere heimlich eine „beträchtliche Anzahl“ von Artilleriegranaten an Russland, die in der Ukraine eingesetzt werden sollen. Das sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, John Kirby, Anfang November. Nordkorea versuche zudem, den Bestimmungsort der Lieferungen zu verschleiern, indem es sie durch Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas leite. „Unsere Hinweise deuten darauf hin, dass Nordkorea verdeckt liefert, und wir werden beobachten, ob die Lieferungen ankommen“, sagte Kirby. Sollte dies zutreffen, würden die Lieferungen gegen ein Waffenembargo verstoßen, das die Vereinten Nationen gegen Pjöngjang verhängt hatten.

„Es handelt sich nicht um eine unbedeutende Anzahl von Granaten, aber wir glauben nicht, dass sie in einer solchen Menge vorhanden sind, dass sie die Dynamik des Ukraine-Krieges verändern würden“, fügte er hinzu. Darüber berichtete die Associated Press. Im September dementierte Nordkorea US-Geheimdienstberichte, wonach es Waffen an Russland geliefert haben soll, und erklärte, es habe keine Pläne, dies zu tun. Auch Moskau bestritt die Vorwürfe. Die New York Times berichtete damals, dass Russland Millionen von Artilleriegranaten und Raketen von Nordkorea kauft.

Kim Jong Un
Eine von Nordkoreas staatlicher Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt Machthaber Kim Jong-un während eines militärischen Tests. © kcna/dpa

Keine Beweise für nordkoreanische Waffen in der Ukraine

Die Moscow Times untersuchte indes die Beweise für solche Waffenverkäufe – und die Auswirkungen, die nordkoreanische Waffen in der Ukraine haben könnten. Abgesehen von den Behauptungen des Weißen Hauses sei vieles nur eine Vermutung. Die Waffen und Munition, die sich im Besitz Pjöngjangs befänden, würden aber zumeist nach sowjetischen Entwürfen hergestellt und könnten von den russischen Streitkräften leicht eingesetzt werden, so Darya Dolzikova, Forschungsstipendiatin am Royal United Services Institute in London, gegenüber der Moscow Times.

Auch wenn es keine Beweise für nordkoreanische Waffen in der Ukraine gebe – anders als im Falle der von Russland eingesetzten iranischen Drohnen – bedeute dies nicht unbedingt, dass keine nordkoreanischen Waffen oder Munition in der Ukraine eingesetzt werde. Nordkorea könnte zum Beispiel schwer zu identifizierende Munition liefern, und die Lieferungen nach Russland und der Transport an die Front könnten nach Ansicht von Analysten getarnt sein.

Pjöngjang könnte Russlands aufgebrauchte Raketenvorräte wieder auffüllen

Pjöngjang verfüge der Moscow Times zufolge über Waffen, die Moskau benötigen könnte. Neben Panzerabwehr- und Boden-Luft-Raketen verfüge Nordkorea über umfangreiche Bestände an Munition und Panzerabwehrgranaten. Und, was besonders wichtig sei, Pjöngjang könnte Russland dabei helfen, seine aufgebrauchten Raketenvorräte wieder aufzufüllen.

Nordkorea plant laut Kim Jong-un die „stärkste“ Atomwaffe der Welt.

Angesichts des UN-Waffenembargos und der Sanktionen gegen Moskau, die im Zuge der Invasion im Februar verhängt wurden, nutzten Nordkorea und Russland wahrscheinlich geheime Lieferkanäle. Zwar hätten Nordkorea und Russland eine 17 Kilometer lange gemeinsame Landgrenze, doch aufgrund des eingeschränkten Handels nach der Coronavirus-Pandemie wären Waffentransfers relativ leicht zu erkennen, wenn sie in Zügen oder Lastwagen direkt nach Russland geschickt würden. Stattdessen sei es wahrscheinlicher, dass die Waffenlieferungen über ein Drittland laufen.

Die Beschaffung von Waffen aus Ländern wie dem Iran und Nordkorea könnte der Moscow Times zufolge für Moskau eine Überbrückung darstellen, während es die inländische Rüstungsproduktion hochfährt, um den Bedarf des Militärs zu decken. Dies würde es Russland ermöglichen, in einem ähnlichen Tempo weiterzukämpfen. (cas)

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