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Nordkorea feuert wieder Kurzstrecken-Raketen ins Meer

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Von: Stefan Krieger

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Pjöngjang spricht von Vergeltungsmaßnahme gegen Militärübungen von Südkorea und den USA. Die Lage bleibt angespannt.

Update vom Donnerstag, 6.10.2022, 5.20 Uhr: Nordkorea hat am Donnerstag zum sechsten Mal innerhalb weniger Tage ballistische Raketen abgefeuert. Zwei Kurzstrecken-Raketen seien ins Meer vor der Ostküste Nordkoreas geschossen worden, teilte der südkoreanische Generalstab mit. Dabei habe es sich anscheinend um einen anderen Raketentyp als bei vorherigen Starts gehandelt. Pjöngjang rechtfertigte die Abschüsse als Vergeltungsmaßnahmen für die gemeinsamen Militärübungen von Südkorea und den USA.

Auch die japanische Küstenwache bestätigte den Start von zwei mutmaßlichen ballistischen Raketen durch Nordkorea. Nach Angaben des japanischen Verteidigungsministers Yasukazu Hamada hatte die erste Rakete eine Reichweite von 350 Kilometern bei einer maximalen Höhe von 80 Kilometern. Die zweite Rakete hatte demnach eine Reichweite von 800 Kilometern und einer Höhe von etwa 60 Kilometern.

USA und Südkorea starten Raketen
Eine Rakete des Army Tactical Missile Systems (ATACMS) wird während einer gemeinsamen Militärübung zwischen den USA und Südkorea an einem ungenannten Ort in Südkorea abgefeuert. © dpa

Raketen aus Nordkorea: USA reagieren und schicken Flugzeugträger

Update vom Mittwoch, 5.10.2022, 10.00 Uhr: Einen Tag nach Nordkoreas Test einer Mittelstreckenrakete wollen die USA erneut einen Flugzeugträger in die Gewässer östlich der koreanischen Halbinsel entsenden. Wie der südkoreanische Generalstab am Mittwoch mitteilte, soll die „sehr ungewöhnliche“ Rückkehr des nukleargetriebenen Flugzeugträgers USS Ronald Reagan die Verteidigungsbereitschaft der Verbündeten gegen nordkoreanische Provokationen demonstrieren. Südkorea steht unter dem militärischen Schutzschild der USA.

Zuletzt war das Schiff im September zu seinem ersten Besuch in Südkorea seit fast vier Jahren eingetroffen und hatte an einem Seemanöver zwischen südkoreanischen und US-Streitkräften teilgenommen.

Nordkoreanische Raketen über Japan: USA und Südkorea feuern Boden-Boden-Raketen ab

Nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas haben die USA und Südkorea als Reaktion darauf mehrere Raketen ins Meer abgefeuert. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch unter Berufung auf das südkoreanische Militär berichtete, wurden vier Boden-Boden-Raketen in das Meer vor der koreanischen Ostküste abgeschossen.

Die Raketen waren demnach die Antwort auf den Abschuss einer ballistischen Rakete durch Nordkorea über Japan hinweg am Dienstag. Die USA und Südkorea feuerten nun je zwei ballistische Kurzstrecken-Raketen vom Typ Atacms ins Meer, „um ein virtuelles Ziel präzise zu treffen“, wie es in der Erklärung weiter hieß. Eine der südkoreanischen Raketen stürzte jedoch kurz nach dem Start ab, es gab den Angaben zufolge aber keine Opfer.

Raketen über Japan: UN-Sicherheitsrat will bald tagen – Internationale Ächtung

+++ 21.20 Uhr: Nach den jüngsten Raketentests wird das Vorgehen international kritisiert. „Ich verurteile die gefährlichen und destabilisierenden Raketentests Nordkoreas aufs Schärfste“, verlautete der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag (4. Oktober) über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Tests verstießen gegen eine Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, schreibt der Norweger weiter. Die Nato stehe in diesem Konflikt hinter Japan und Südkorea. Auch der UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Raketenstarts zuletzt scharf. „Dies ist eindeutig eine Eskalation, etwas, das der Generalsekretär verurteilt“, teilte der Sprecher Stephane Dujarric laut der französischen Nachrichtenagentur AFP mit.

In der Folge des Tests einer ballistischen Mittelstreckenrakete streben die USA eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates an. Ob sich das Gremium direkt am Mittwoch (4. Oktober) treffen wird, ist aufgrund des jüdischen Jom-Kippur-Festes noch unklar, wie die Tagesschau schreibt.

Nordkorea feuert Rakete ab – Japan ruft zu Evakuierung auf

+++ 05.00 Uhr: Japan hat scharf gegen den Start einer ballistischen Rakete durch Nordkorea protestiert. Es war das erste Mal seit knapp fünf Jahren, dass wieder eine nordkoreanische Rakete über die japanische Inselgruppe geflogen ist. Regierungschef Fumio Kishida nannte den neuerlichen Raketentest am Dienstag „ungeheuerlich“.

Der Abschuss löste einen seltenen öffentlichen Raketenalarm aus, der die Bewohner der nordjapanischen Insel Hokaido und der Präfektur Aomori an der Nordspitze der japanischen Hauptinsel Honshu mit Warnmeldungen aufforderte, Schutz in ihren Häusern zu suchen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Nordkorea feuert Rakete ab – Japan ruft zu Evakuierung auf

Erstmeldung vom 4. Oktober 2022: Tokio/Seoul – Japan hat nach dem Abschuss einer ballistischen Rakete aus Nordkorea die Bewohner im Nordosten seines Landes zur Evakuierung aufgerufen. „Nordkorea scheint eine Rakete abgeschossen zu haben. Bitte evakuieren Sie sich in Gebäude oder Kellerräume“, teilte die Regierung am Dienstag (4. Oktober) in einer Warnung mit. Japans Ministerpräsident Fumio Kishida bezeichnete den Vorfall als „Gewaltakt“. Der südkoreanische Generalstab bestätigte die Erhöhung der militärischen Bereitschaft.

Nordkorea habe gegen 07.22 Uhr (00.22 Uhr MESZ) „eine ballistische Rakete in Richtung Osten“ abgefeuert, sagte Japans Regierungssprecher Hirokazu Matsuno vor Journalisten. Die Details würden noch untersucht. Bei dem Abschuss sei jedoch niemand verletzt worden, sagte er.

Nordkorea feuert „mutmaßliche“ ballistische Mittelstreckenrakete ab

Das südkoreanische Militär bestätigte den Vorfall. Es teilte mit, „eine mutmaßliche ballistische Mittelstreckenrakete“ entdeckt zu haben, die „aus dem Gebiet Mupyong-Ri in der Provinz Jagang gestartet wurde und in östlicher Richtung über Japan hinwegflog“. Der südkoreanische Generalstab erklärte, das Militär erhalte „die volle Bereitschaft aufrecht, eng mit den USA zusammenzuarbeiten und die Überwachung und Wachsamkeit zu erhöhen“.

Am Dienstagmorgen (Ortszeit) war Japans J-Alert-Raketenwarnsystem aktiviert worden - ein bislang eher seltener Vorgang. Die Warnmeldung wurde auf den Bildschirmen des staatlichen Rundfunksenders NHK angezeigt. NHK meldete, die Warnung gelte für zwei nördliche Regionen des Landes. Die japanische Küstenwache erklärte später, die Rakete sei offenbar bereits über dem Pazifik abgestürzt. Sie warnte Schiffe davor, sich herabfallenden Objekten zu nähern.

Die japanische Regierung verurteilte den nordkoreanischen Raketentest als „Akt der Gewalt“, nachdem „in letzter Zeit wiederholt ballistische Raketen abgeschossen“ worden seien, sagte Japans Regierungschef Fumio Kishida.

Nordkorea feuert Rakete ab: Teil einer langfristigen Strategie

„Sollte Pjöngjang eine Rakete über Japan abgefeuert haben, wäre das eine erhebliche Eskalation der jüngsten Provokationen“, sagte Leif-Eric Easley von der Ewha-Universität in Seoul. Dem Politikwissenschaftler zufolge arbeitet die Regierung in Nordkorea an der Entwicklung von Waffen wie „taktischen Nuklearsprengköpfen und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen“ als „Teil einer langfristigen Strategie, um Südkorea in einem Wettrüsten auszustechen und Keile zwischen die US-Verbündeten zu treiben“.

Vor wenigen Tagen hatte Nordkorea bereits viermal ballistische Raketen abgefeuert. Wenige Stunden vor dem dritten Raketen-Abschuss hatte US-Vizepräsidentin Kamala Harris den Nachbarstaat Südkorea besucht.

Washington und Seoul sind enge Verbündete. In Südkorea sind rund 28.500 US-Soldaten stationiert. In der vergangenen Woche hielten die südkoreanische und die US-Marine eine großangelegte gemeinsame Militärübung ab. Am Freitag starteten Südkorea, Japan und die USA zudem erstmals seit fünf Jahren Übungen zur U-Bootabwehr.

Nordkorea: Sechs Atomwaffentests seit 2066

Südkorea und die USA befürchten, dass Pjöngjang in naher Zukunft erstmals seit 2017 wieder einen Atomwaffentest vornehmen könnte. Südkoreanischen und US-Beamten zufolge könne dies kurz nach dem bevorstehenden Parteikongress in China am 16. Oktober geschehen.

Das weitgehend isolierte asiatische Land hat seit 2006 sechs Mal Atomwaffen getestet, zuletzt 2017. In der Folge dieses Atomwaffentests hatte sich der UN-Sicherheitsrat das bislang letzte Mal auf Sanktionen gegen Pjöngjang einigen können.

Nordkorea verfügt nach Diplomatenangaben über Atombomben und ballistische Raketen, hat es demnach aber bislang nicht geschafft, diese beiden Technologien zusammenzuführen. (skr/afp)

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