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Nordkorea: Liefert Kim Waffen an Putin?

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Von: Felix Lill

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In Südkorea werden die nordkoreanischen Raketentest kritisch beobachtet.
In Südkorea werden die nordkoreanischen Raketentest kritisch beobachtet. © imago

Nordkorea dementiert südkoreanische und japanische Berichte / Weitere Rakete abgefeuert

Ein „falscher Bericht japanischer Medien, dass Nordkorea gegenüber Russland Munition angeboten habe“, erklärte ein Sprecher aus Pjöngjang am Freitag, „sei das absurdeste Ablenkungsmanöver, das keines Kommentars und keiner Interpretation würdig ist“. Einen Austausch von Waffen zwischen Nordkorea und Russland habe es nie gegeben und dabei bleibe es auch. Denn: „Das russische Volk ist das tapferste Volk, mit seinem Willen, seine territoriale Integrität und Sicherheit zu verteidigen, ohne die militärische Hilfe irgendeines anderen Landes.“

Mit dem Krieg Russlands in der Ukraine habe Nordkorea – außer moralischer Unterstützung – also nichts zu tun. Anderswo hatte es Ende der Woche eben Berichte gegeben, die das Gegenteil behaupteten. Die japanische Tageszeitung Tokyo Shimbun hatte am Donnerstag einen Artikel veröffentlicht, demzufolge Artilleriegranaten und weitere Munition von Nordkorea per Zug nach Russland transportiert worden seien. Über den Nordosten Nordkoreas, wo die Grenzstadt Rason liegt, seien die Güter nach Russland gelangt.

Kurz darauf folgte die Regierung der USA mit einem Statement ähnlichen Inhalts. „Wir können bestätigen, dass Nordkorea eine erste Waffenlieferung an Wagner vollendet hat, das hierfür bezahlt hat“, sagte John Kirby, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA. Wagner ist eine russische Söldnergruppe. Bei der Lieferung vergangenen Monat sei es um Infanterieraketen und Flugkörper gegangen. Auch dies wurde von nordkoreanischer Seite dementiert. Washington möge seine wiederholten Versuche unterlassen, Nordkorea zu diskreditieren.

Nordkorea: Die Dementis sind nicht überraschend

Die gegenüber Nordkorea geltenden UN-Sanktionen verbieten den Export von Rüstungsgütern. Seit Jahren ist das nordostasiatische Land zwischen Russland und China im Norden und Südkorea im Süden von der internationalen Gemeinschaft isoliert. Wiederholte Raketentests haben im Jahr 2017 zu verhärteten Sanktionen geführt. So wiegen die Vorwürfe, dass Nordkorea diese Regeln nun breche, äußerst schwer.

Die Dementis aus Pjöngjang sind dementsprechend nicht überraschend. Einerseits ist es nicht das erste Mal, dass aus liberalen Staaten, die Nordkorea als Bedrohung sehen, der Vorwurf erhoben wird, Nordkorea unterstütze die russischen Aktivitäten in der Ukraine militärisch. Im November hatten die USA dies zuletzt behauptet, ohne allerdings sehr konkret zu werden. Schon damals reagierte Nordkorea mit Zurückweisung.

Andererseits ist Nordkoreas Regierung auch in der Vergangenheit schon durch ein eigenes Verhältnis zur Wahrheit aufgefallen. Insbesondere in Bezug auf das nordkoreanische Atomwaffenprogramm, das die internationale Gemeinschaft vermehrt zu stoppen versuchte. Mehrmals sicherte die nordkoreanische Regierung zu, sie würde dieses im Gegenzug für Unterstützungen beenden. Immer wieder zeigte sich, dass die Aufrüstung nicht etwa beendet worden war, sondern noch zugenommen hatte.

Meldung aus Südkorea: „Nordkorea feuert ballistische Rakete in Richtung Ostmeer ab“

Im Ukraine-Krieg gehört Nordkorea zu den wenigen Staaten, die offen auf der Seite Russlands stehen. Die von Russland unterstützten Separatistengebiete Donezk und Luhansk hat Nordkorea bereits offiziell anerkannt. Auch wirtschaftlicher Austausch wurde schon diskutiert. Russlands Präsident Wladimir Putin und Nordkoreas Regierungschef Kim Jong-un haben ihren Austausch seit Beginn des Ukraine-Kriegs intensiviert, zeigen sich freundschaftlich. Das kann Nordkorea auch helfen, die UN-Sanktionen abzufedern.

Unabhängig davon, ob sie sich bestätigen: Die Berichte über die Waffenlieferungen nach Russland offenbaren, wie viel größer die internationale Nervosität geworden ist. Denn zunehmende Berichte über militärische Kooperation zwischen Pjöngjang und Moskau kommen in einer Zeit, in der Nordkorea mehr Waffentests durchführt als je zuvor und wiederholt über einen nahenden Atomwaffentest Nordkoreas spekuliert wird.

Das unterstreicht auch eine Meldung der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap vom Freitag: „Nordkorea feuert nicht spezifizierte ballistische Rakete in Richtung Ostmeer ab.“ Woraus sich nicht nur Trotz ablesen lässt, sondern auch, dass es Nordkorea offenbar nicht an Waffenvorräten mangelt. Was die Behauptung, ein paar davon würden nach Russland verkauft, nicht weniger plausibel macht.

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