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Nordkorea: Absurder Propaganda-Film erklärt Gewichtsverlust von Kim Jong-un

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Von: Tim Vincent Dicke

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Kim Jong-un, Machthaber in Nordkorea
Ein neuer Film der Staatsmedien liefert für Kim Jong-uns Abnehmen eine absurde Erklärung. © AFP PHOTO/KCNA VIA KNS

Warum hat Nordkoreas Diktator so stark abgenommen? Kim Jong-un habe im vergangenen Jahr besonders hart für das Volk gekämpft, heißt es in einem neuen Film.

Pjöngjang – Die Staatsmedien von Nordkorea, welche dem totalitären Regime des Landes unterstehen, haben einen bizarr anmutenden Dokumentarfilm über Kim Jong-un veröffentlicht. Darin wird unter anderem eine vermeintliche Erklärung verbreitet, warum der sogenannte „Oberste Führer“ so stark an Gewicht verloren hat.

Der Film mit dem Titel „2021, Ein Großes, Siegreiches Jahr“ soll den Personenkult um den Staatschef Nordkoreas stärken, der seit Jahrzehnten in dem bitterarmen Land hochgehalten wird. Die Aufnahmen, die von der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite NK News ausgewertet wurden, zeigen Kim Jong-un sowohl in alltäglichen Situationen, die dramatisch inszeniert werden, als auch beim Reiten.

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un soll das Jahr 2021 extrem zugesetzt haben

In der Sendung wird laut NK News mehrfach betont, dass Nordkorea im Jahr 2021 mit den „schlimmsten Schwierigkeiten“ und „Herausforderungen“ aller Zeiten konfrontiert war – insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie. Eine besonders große „Schwierigkeit“ sei dabei die nationale „Nahrungsmittelkrise“ gewesen.

Im vergangenen Jahr waren die Lebensmittel in Nordkorea knapp geworden. Als Grund führte Kim Jong-un unter anderem die Taifunsaison an. „Die Lebensmittelsituation der Menschen wird jetzt angespannt, weil der landwirtschaftliche Sektor wegen der Schäden durch Taifune letztes Jahr seinen Plan zur Getreideproduktion nicht einhalten konnte“, sagte der Diktator 2021. Auch die strikten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Ausbreitung und eine damit verbundene stärkere Abschottung zu den Nachbarstaaten verschärften die Hungersnot.

Kim Jong-un habe diese Situation extrem zugesetzt, so das Narrativ des neuen Films. Doch trotzdem habe er hart für die Bevölkerung gearbeitet. „Er zeigte uns seine väterliche Seite, indem er beharrlich Schnee, Regen und Wind trotzte, während er das Schicksal der Nation und des Volkes wie das seiner eigenen Kinder auf sich nahm“, heißt es im Film laut NK News, während der Diktator zu theatralischer Musik eine behelfsmäßige Treppe auf einer Baustelle hinuntergeht.

Kim Jong-uns Körper „komplett verkümmert“, so Nordkoreas Staatsmedien

Der harte Kampf für das Volk sei der Grund für Kim Jong-uns Gewichtsverlust und seine offensichtlichen Gesundheitsprobleme, die selbst für die Staatsmedien kaum noch zu leugnen sind. Sein Körper sei „komplett verkümmert“ und trotzdem habe Kim auch seine „mütterliche Seite“ gezeigt, „indem er sehr litt und sich bemühte, die Träume des Volkes zu verwirklichen“, so der Erzähler im Film.

News zu Kim Jong-un

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Im Sommer 2021 war Nordkoreas Machthaber zeitweise für mehr als einen Monat nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Bei seinem ersten Auftritt nach dem Verschwinden präsentierte sich ein deutlich abgespeckter Kim Jong-un – zuvor war sein Gewicht auf etwa 140 Kilogramm geschätzt worden.

Gerüchte über seinen Gesundheitszustand machten schnell die Runde, denn der Diktator litt in der Vergangenheit immer wieder an unterschiedlichsten Krankheiten. Einen gesicherten Grund für den Gewichtsverlust gibt es bis heute allerdings nicht.

Nordkorea: Propaganda-Film zeigt Kim Jong-un beim Reiten

Neben diesen eher unschönen Themen widmet sich der Film auch einem von Kim Jong-uns Lieblingshobbys: dem Reiten. So trabt er mit einem geschmückten Pferd und Militärs entweder gemächlich durch einen Wald – während Schnittbilder feuernde Panzer zeigen. Oder er galoppiert in hohem Tempo durch einen Park. Sogar der Sprecher verstummt bei den Szenen, welche die Bevölkerung offenbar beeindrucken sollen.

Kim Jong-un reitet auf einem Pferd.
Kim Jong-un ist ein großer Freund des Reitsports. Hier galoppiert er 2019 auf dem schneebedeckten Berg Paektusan – dem höchsten Gipfel des Landes an der Grenze zu China. © KCNA/dpa

Während die vom Regime gesteuerten Medien Kim Jong-un als vermeintlichen Sportsmann und Helden der Nation stilisieren, löst der Diktator mit neuen Raketentests Besorgnis aus. Am Sonntag (30.01.2022) sei erstmals seit 2017 sei eine Rakete vom Typ Hwasong-12 abgefeuert worden, berichteten nordkoreanische Staatsmedien. Es war bereits der siebte Raketentest seit Jahresanfang. Damit feuerte Pjöngjang so viele Raketen ab wie noch nie innerhalb eines Monats. (tvd)

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