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Aktivist

Nordkorea: Staatsmedien verbreiten Angst vor „mit Corona verseuchten“ Flugblättern aus dem Süden

  • VonMirko Schmid
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Nordkorea um Machthaber Kim Jong-un fürchtet um sein Meinungsmonopol im Staat, weil aus Südkorea Flugblätter per Ballons ins Land gelangen. Die Reaktion lässt aufhorchen.

Seoul/Pjöngjang - Park Sang-hak stammt aus Nordkorea und floh dereinst vor den Repressalien und der humanitären Not der Kim-Diktatur in den demokratischen Süden. Seither verdingt er sich als Aktivist, der nichts unversucht lässt, seine vom Zugriff auf tatsächliche Fakten abgeschnittenen Landsleute nördlich der Grenze darüber zu informieren, wie es wirklich um den „geliebten und verehrten Führer“ Kim Jong-un und dessen Politik steht.

Da das Internet in Nordkorea nur Eliten zugänglich und weitgehend der Staatsräson entsprechend zensiert ist und es schlicht keine Medien im Land gibt, die auch nur ansatzweise kritisch gegenüber der faktischen Monarchie berichtet, existiert de facto ein mediales Meinungsmonopol. Kim Jong-un und seine Familie um Ehefrau Ri Sol-ju weden als strahlende Vorbilder präsentiert, welche der in Wirklichkeit gebeutelten und bitter armen Bevölkerung eine Wohltat nach der anderen angedeihen lassen.

Park Sang-hak will das Meinungsmonopol von Diktator Kim Jong-un in Nordkorea brechen

Park Sang-hak will dieses Meinungsmonopol durchbrechen und hat begonnen, säckeweise Informationsbroschüren, Flugblätter und – als Aktion des Protests – Ein-Dollar-Scheine per Ballonpost über die Grenze gen Nordkorea zu schicken. Seine Aktion sorgt allerdings nicht nur für die wenig überraschende Wut des Regimes in Nordkorea - auch die südkoreanische Politik sieht die Guerilla-Aufklärungsarbeit Parks ungern.

Aktivist Park Sang-hak und seine Flugblätter gegen Kim Jong-un: Per Ballons schickt er sie über die Grenze inach Nordkorea.

Das liegt daran, dass die Regierung Südkoreas unter Präsident Moon Jae-in zuletzt bestrebt war, das traditionell schwer angespannte Verhältnis zum kommunistischen Norden zu entspannen. Parks Flugblätter jedoch haben sich zu einer neuen Quelle der Feindseligkeit zwischen den beiden Koreas entwickelt. Der Norden um Kim Jong-un spricht von einer Provokation und droht mit Vergeltungsmaßnahmen.

Südkorea befürchtet eine weitere Eskalation im Streit mit dem diktatorisch geführten Nordkorea

Um eine weitere Eskalation zu verhindern, hat die südkoreanische Regierung ein Gesetz erlassen, wonach bis zu drei Jahre Gefängnisstrafe für Luftpost nach Nordkorea drohen. Park Sang-hak schreckt das nicht ab: „Selbst wenn wir drei Jahre oder sogar 30 Jahre im Gefängnis sitzen“, beteuert der Aktivist im eigenen Namen und dem seiner Mitstreitenden, „werden wir weiterhin Flugblätter geg Norden senden, damit unsere zerlumpten, hungernden Landsleute in Nordkorea die Wahrheit erfahren.“

NamePark Sang-hak
BerufAktivist
HerkunftHyesan, Nordkorea
OrganisationFighters for a Free North Korea
Geburtsjahr1968

Die südkoreanischen Ermittlungsbehörden wiederum haben im Sinne des neuen Gesetzes bereits gehandelt, als die Polizei das Büro des Aktivisten stürmen und durchsuchen ließ. Und auch Nordkorea reagiert auf Parks Ballonpost – wenn auch auf ganz andere Weise. Über die staatlichen Medien ließ das Regime verbreiten, dass die Flugblätter, welche da vom Süden her einschweben, mit Corona-Erregern verseucht seien.

Nordkorea warnt seine Bevölkerung vor „mit Corona verseuchten“ Flugblättern

Das solle die Bevölkerung nun bitte beachten, bevor sie zum Informationsflugblatt aus Südkorea greift. Es ist zu erwarten, dass die meisten Menschen in Nordkorea die Warnungen ihrer Regierung beherzigen werden, eine andere Darstellung der Lage ist in ihrem Land nun einmal nicht verfügbar.

Nordkorea und Kim Jong-un

Alle Informationen finden Sie auf unseren Themenseiten: Nordkorea-News und Kim-News.

In Südkorea hingegen macht sich langsam Unmut breit. Auch wenn die Behörden dort bereits beteuert haben, Park Sang-Hak „im Einklang mit dem Gesetz“ zu behandeln, zögern sie bisher, hart durchzugreifen. Denn die Unterstützung weiter Teile der Bevölkerung in Südkorea ist Park sicher, die Regierung fürchtet die Wut der Straße, sollte sie Park härter anpacken und somit den Eindruck entstehen lassen, ihr sei die Beziehung zum diktatorischen Norden wichtiger als die Ausübung der Meinungsfreiheit. (Mirko Schmidt)

Rubriklistenbild: © JUNG YEON-JE/afp

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