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Nordkorea

Nordkorea: Kim Jong-un flößt schon den Kindern Hass auf die USA ein

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Das nordkoreanische System ist bestrebt, die Menschen ein Leben lang zu formen. Diese Bemühungen beginnen bereits im frühen Kindesalter.

Pjöngjang - Die nordkoreanische Erziehung zielt nicht nur darauf ab, die Kinder zu intelligenten, hart arbeitenden Mitgliedern der Gesellschaft zu machen, sondern auch auf die Vermittlung bestimmter ideologischer Werte - Hass auf die USA und Japaner, Verehrung der Führer und sozialistischer Kollektivismus.

Die Vermittlung dieser Werte an die Kinder ist ein wesentlicher Bestandteil der Erziehung des Nachwuchses. Kein Zeichentrickfilm, keine Fernsehsendung und kein fiktives Buch für Kinder dient einzig der Unterhaltung. Sie alle müssen die notwendige Dosis wichtiger staatlicher Propaganda enthalten - ganz im Sinne des Machthabers Kim Jong Un.

Kindersendungen in Nordkorea: Patriotische Begeisterung wecken

All dies wird in Nordkorea nicht nur durch militärische Spiele und Aufmärsche erreicht, sondern auch durch emotional ansprechende Formate, wie sie im TV in beliebten Kindersendungen zu sehen sind. Diese Sendungen sind weit entfernt von ihren Pendants in anderen Teilen der Welt, die mit grausamen Geschichten, emotionalen Darbietungen und langweiliger Didaktik die nötige patriotische Begeisterung wecken wollen.

Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, mit Kindern bei dem Besuch einer Schule in Kanggye in der Provinz Chagang-do.

Im Gegensatz zu beliebten westlichen Kindersendungen mit oftmals überaktiven Teenagern ist der Moderator von „Großvaters alte Geschichten“ zum Beispiel ein bärtiger alter Mann, der von dem Schauspieler So Yong Kwang gespielt wird. Die Moderatorin einer anderen Sendung für Kinder, „Geschichten aus der Kindheit von Marschall Kim Jong Il“, ist eine attraktive Kindergärtnerin namens Kim Gyong He, eine junge Dame mit ruhigen Umgangsformen und einer sanften Stimme.

Kindersendungen in Nordkorea: Vorbild Sowjetunion

Die Praxis, ältere Menschen als Moderatoren von Kindersendungen einzusetzen, hat Parallelen zu traditionellen sowjetischen Formaten, in denen gemütlich aussehende Großmütter in traditioneller Kleidung oder höfliche, sanft lächelnde Tanten auftraten. Die Idee, die Erziehung zappelnden Teenagern anzuvertrauen, passt nicht in das didaktische Format der sozialistischen Kultur Nordkoreas. Von den Moderatoren wird erwartet, dass sie respektvolle Mitglieder der Gesellschaft sind, die den jungen Zuschauern ein gutes Beispiel geben.

Die Kinder, die in nordkoreanischen Sendungen auftreten, um den Geschichten der Älteren zuzuhören, unterscheiden sich ebenfalls von ihren Pendants in westlichen Programmen. Während in den Sendungen anderer Länder Kinder verschiedener Rassen, Gewichtsklassen und Gesundheitszustände auftreten, sind in den nordkoreanischen Sendungen nur „perfekte“ Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren zu sehen - niedlich, stilvoll gekleidet, und immer in der Lage, selbstbewusst zu sprechen und fließend zu lesen.

Kinder opfern ihr Leben für die Revolution

Und immer wird mit den Emotionen der Kinder gespielt, wie das Portal nknews.org in einem Bericht schreibt. In der Episode „Ich bin Mitglied der Kinderunion“ wird beispielsweise die Geschichte eines Guerilla-Jungen erzählt, der sein Leben für die Revolution geopfert hat. Nachdem sie Tränen vergossen haben, kommen die Kinder zu dem Schluss: „Auch wir müssen bereit sein, unser Leben für Kim Jong Un zu opfern“. In einer anderen Episode hat eine arme Witwe kein Geld, um ihren Sohn zu unterstützen, begeht fast Selbstmord, weil er nicht studiert hat, und stirbt dann fast an einer Krankheit. Die Zuschauer im Kindesalter reagieren auf diese Wendungen mit hysterischen Schreien.

Den Machern der Show ist das emotionale Wohlbefinden ihrer jungen Zuschauer offenbar egal. Die grausamen Szenen zielen darauf ab, den Kindern den notwendigen Hass auf den Feind beizubringen. Der Tod des Helden für sein Land wird als ein Punkt des Stolzes und als nachahmenswert dargestellt.

Nordkorea
HauptstadtPjöngjang
Fläche120.540 km²
Bevölkerung25,78 Millionen (2020)
Staatliche StrukturDiktatur, Sozialistischer Staat, Einparteiensystem

Eine andere Episode mit dem Titel „Tränen und Lachen“ erzählt von den Demütigungen eines armen koreanischen Jungen, der unter japanischer Kolonialherrschaft lebt. Sein japanischer Lehrer beschimpft ihn, der Sohn des Vermieters schikaniert ihn und seine Mutter stirbt, weil sie sich keine Ärzte leisten kann. „Warum ist das alles passiert?“, fragt der Erzähler. „Wegen der Japaner!“

Kinderfernsehen in Nordkorea: Lachen, weil es den Sozialismus gibt

Dann werden die Zuschauer darüber informiert, dass Kim Il Sung das Land von den Japanern zurückerobert und das sozialistische System geschaffen hat, das Kim Jong Il beibehalten hat und Kim Jong Un jetzt schützt. Vor allem gegen die USA und den Feind aus dem Süden, die Landsleute aus Seoul. Er ermöglicht es den Kindern, kostenlos zur Schule zu gehen und kostenlose medizinische Versorgung zu erhalten. Eine Karikatur zeigt, wie sich Ausländer über die kostenlose Gesundheitsversorgung aufregen. „Früher haben wir nur Tränen vergossen. Jetzt wird gelacht, weil es den Sozialismus gibt“, sagt der Großvater. „Kim Jong Un liebt die Kinder und will, dass sie lachen. Also müssen wir ihn wie unseren eigenen Vater lieben.“

Während viele der Geschichten in den nordkoreanischen Kindersendungen rein politisch sind, erzählen die Moderatoren auch ab und zu traditionelle Märchen, die in beiden Koreas bekannt sind. Doch auch die Schlussfolgerungen aus diesen Geschichten sind politisch. So endet das Märchen vom kleinen grünen Frosch, dessen Ungehorsam seine Mutter in den Tod trieb, damit, dass der Moderator den Kindern sagt, sie müssten auf ihre Eltern und Lehrer hören und gute Patrioten ihres Landes sein. Dies alles, um den Führer Kim Jong Un glücklich zu machen. Denn wenn er glücklich ist, geht es auch den Menschen in Nordkorea gut. (Stefan Krieger)

Rubriklistenbild: © KCNA/KNS/dpa

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