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Nordkorea: Kim Jong-un feuert wieder zwei Raketen ab

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Von: Delia Friess

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Nordkoreas Diktator Kim Jong-un lässt wieder Raketen testen. Die internationale Gemeinschaft ist beunruhigt. Gleichzeitig öffnet China die Grenze für Güterverkehr von Nordkorea.

Pjöngjang - Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zeigt sich auch im neuen Jahr aggressiv: Erneute Raketentests von Nordkorea beunruhigen die internationale Gemeinschaft. Nach Angaben des Militärs von Südkorea sind an der Ostküste zwei ballistische Raketen in Richtung Meer abgefeuert worden. Etwa 190 Kilometer weit seien die Raketen geflogen, wie auch die dpa berichtet. Ballistische Raketen werden vom Boden gestartet und zielen auf ein Objekt. Sie können auch Atomsprengköpfe tragen.

Es war bereits der sechste Raketentest seit Beginn des Jahres und der zweite innerhalb von einer Woche. Auch 2021 hatte Nordkorea zahlreiche Raketentests durchgeführt, wie auch die unmittelbaren Nachbarn Südkorea und Japan berichteten. UN-Resolutionen gegen Nordkorea untersagen es dem Regime eigentlich, ballistische Raketen zu testen. Nach Angaben Südkoreas habe der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un auch zwei Marschflugkörper testen lassen. Diese haben einen eigenen Antrieb, unterliegen aber nicht internationalen Sanktionen – können jedoch theoretisch mit Nuklearwaffen bestückt werden.

Menschen verfolgen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Raketentests von Nordkorea. Hier ist der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un zu sehen.
Menschen verfolgen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Raketentests von Nordkorea. Hier ist der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un zu sehen. © JUNG YEON-JE/afp

Nordkoreas Raketentests:

April 2012: Nach internationaler Kritik an einem gescheiterten Raketentest fühlt sich Nordkorea nicht mehr an ein Abkommen mit den USA gebunden, das unter anderem den Verzicht auf Atomversuche vorsah.

12. Februar 2013: Nordkorea unternimmt einen unterirdischen Atomversuch. Der UN-Sicherheitsrat antwortet mit Sanktionen.

Mai 2015: Die Führung in Pjöngjang berichtet, das Land habe erstmals von einem U-Boot eine neuartige ballistische Rakete abgefeuert.

6. Januar 2016: Nordkorea zündet nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe. Atomexperten bestätigen einen Test, bezweifeln aber, dass eine Wasserstoffbombe detoniert ist.

7. Februar 2016: Nordkorea testet eine Weltraumrakete. Das Land spricht vom erfolgreichen Start eines Erdbeobachtungssatelliten ins All. Wie die USA sieht Südkorea in solchen Raketenstarts den verschleierten Test für die Technologie einer atomar bestückten Interkontinentalrakete.

9. September 2016: Nordkorea testet zum fünften Mal eine Atombombe. Den Test bezeichnet Pjöngjang als eine Reaktion auf die internationalen Sanktionen, die nach seinem Atomversuch im Januar und dem Start einer Langstreckenrakete im Februar verhängt worden sind.

11. Februar 2017: Pjöngjang testet eine ballistische Rakete, die einen Atomsprengkopf über Tausende Kilometer transportieren könnte.

März 2017: Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab. Drei davon seien erst kurz vor dem japanischen Festland ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio.

4. Juli 2017: Nordkorea testet eine Interkontinentalrakete, die die USA erreichen könnte.

August 2017: Der UN-Sicherheitsrat verhängt weitere Sanktionen. Nordkorea droht damit, die US-Pazifikinsel Guam mit Raketen anzugreifen, zieht die Drohung später aber wieder zurück. Ende August feuert Pjöngjang eine Rakete über Japan hinweg ins offene Meer.

3. September 2017: Beim sechsten Atomwaffentest zündet Nordkorea nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe. Trotz verschärfter UN-Sanktionen feuert Pjöngjang eine weitere Rakete über Japan hinweg.

28. November 2017: Eine nordkoreanische Rakete landet im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer). Aus der Flughöhe lässt sich schließen, dass sie das US-Festland hätte erreichen können.

April 2018: Nordkoreanische Staatsmedien berichten von einem Beschluss der Führung in Pjöngjang, Atomversuche und Tests mit Interkontinentalraketen auszusetzen.

18. April 2019: Nordkorea testet nach eigenen Angaben eine neuartige taktische Lenkwaffe.

3. Oktober 2019: Nordkorea feuert nach eigenen Angaben eine ballistische Rakete von einem U-Boot aus ab, das US-Verteidigungsministerium bestreitet dies jedoch. Nach Angaben von Experten handelt es sich um eine Rakete mit der größten Reichweite, die Nordkorea seit November 2018 erprobt hat.

31. November 2019: Nordkorea feuert zwei Raketen ab, bei denen es sich nach Angaben Japans vermutlich um zwei ballistische Kurzstreckenraketen handelt. Einen Tag später spricht Nordkorea von der Erprobung eines „supergroßen“ Mehrfach-Raketenwerfersystems. Es ist der zwölfte Raketentest Nordkoreas seit Beginn des Jahres.

9. März 2020: Nordkorea unternimmt den ersten Raketentest seit November 2019. Dabei kommen nach Angaben Südkoreas bei laufenden Militärübungen verschiedene Typen von Mehrfachraketenwerfern zum Einsatz.

29. März 2020: Nordkorea testet eigenen Angaben zufolge einen „supergroßen Mehrfach-Raketenwerfer“.

27. März 2021: Nordkorea feuert nach Angaben Südkoreas und Japans an seiner Ostküste zwei ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer ab. Nordkorea spricht einen Tag später von einem gelungenen Test mit einem neuen Typ taktischer Lenkraketen.

15. September 2021: Nordkorea erprobt eigenen Angaben zufolge mit einem Raketentest erfolgreich die Einsatzbereitschaft seiner ersten mobilen Abschussrampe auf einem Zug.

28. September 2021: Nordkorea testet nach eigenen Angaben eine neu entwickelte Hyperschallrakete von „strategischer Wichtigkeit“. Mit Hyperschall werden Geschwindigkeiten oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit bezeichnet, also rund 6180 Kilometer pro Stunde.

19. Oktober 2021: Nordkoreas Staatsführung lässt zum achten Mal in diesem Jahr eine ballistische Rakete testen. Wie die Staatsmedien später berichten, soll es sich um eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete „neuen Typs“ handeln.

Januar 2022: Nordkorea testet seit Jahresanfang mehrfach Raketen. Am 5. und 11. Januar erprobt es nach eigenen Angaben Hyperschallgeschosse, die manövrierfähig und mit hoher Geschwindigkeit in geringer Höhe fliegen und eine Raketenabwehr leichter überwinden können. (dpa)

Nordkorea: Diktator Kim Jong-un hält erneut Raketentest ab - Nachbarstaaten beunruhigt

Nach Ansicht von Expert:innen will Nordkorea durch die Tests neben der Weiterentwicklung seines Militärs auch Stärke demonstrieren. Im vergangenen Jahr soll Nordkorea nach eigenen Angaben auch verstärkt Hyperschallraketen getestet haben. Diese können bis zu fünfmal schneller sein als konventionelle Flugkörper und unvorhersehbar ihre Flugbahn ändern. Deshalb sind sie schwieriger abzufangen.

Sorgen macht der internationalen Gemeinschaft auch das Atomprogramm von Nordkorea. 2018 berichteten nordkoreanische Staatsmedien von einem Beschluss Kim Jong-uns, Atomversuche und Tests mit Interkontinentalraketen auszusetzen. Fraglich bleibt, ob Kim Jong-un nicht heimlich weiter an seinem Atomprogramm weiter arbeitet. Bereits Ende 2019 sagte Kim Jong-un offiziell, dass er sich nicht mehr an sein selbst gesetztes Testmoratorium gebunden sehe. Er erklärte dies mit den fehlenden Fortschritten in den Verhandlungen mit den USA über sein Atomprogramm.

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul wird im TV über die Raketentests von Nordkorea berichtet.
In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul wird im TV über die Raketentests von Nordkorea berichtet. © JUNG YEON-JE/afp

Machtdemonstration in Pjöngjang: Kim Jong-un provoziert mit Raketentests

Auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump geriet damals in die Kritik, da er als Reaktion auf die Raketentests auf Twitter eine starke Kriegsrhetorik anwendete, die von vielen Beobachter:innen als kontraproduktiv eingeschätzt wurde. Danach traf er sich wiederholt mit Kim Jong-un. Trump bezeichnete seine Beziehung zu dem nordkoreanischen Diktator erst kürzlich in einem Podcast als „sehr gut“. Die USA unter Präsident Joe Biden verhängte erst im Januar 2022 erneut Sanktionen gegen fünf Nordkoreaner. Ihnen wird vorgeworfen, Güter für die Massenvernichtungs- und Raketenprogramme ihres Landes zu beschaffen.

News zu Nordkorea: Alle Neuigkeiten im kompakten Überblick.

News zu Kim Jong-un: Alles Wichtige über den nordkoreanischen Diktator.

Erstmals seit zwei Jahren: Güterzug passiert Grenze von Nordkorea nach China

Verdächtigt werden auch Staaten wie Russland oder China, Nordkorea mit Waffen zu beliefern. Das Land ist von der internationalen Gemeinschaft weitgehend durch Sanktionen isoliert. Der wichtigste Handelspartner ist China. Die Volksrepublik ließ Mitte Januar 2022 erstmals seit zwei Jahren wieder den Güterverkehr von Nordkorea zu, wie die afp berichtet. Durch die Corona-Pandemie war der Handelsverkehr weitgehend eingestellt worden. Offiziell gibt es in Nordkorea das Coronavirus nicht. (df/dpa/afp)

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