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Parteikongress

Nordkorea: Lebensmittel werden knapp, doch Kim Jong Un will „nukleare Abschreckung stärken“

  • vonFabian Kretschmer
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In Nordkorea gibt der Staatschef Kim Jong Un zum Abschluss des Parteikongresses die Stoßrichtung des Landes für die kommenden Jahre vor. Derweil werden Lebensmittel immer knapper.

  • Das Coronavirus macht Nordkorea schwer zu schaffen.
  • Die Lebensmittel werden knapp.
  • Dennoch gibt sich Machthaber Kim Jong Un auf einem Parteikongress selbstbewusst.

Pjöngjang - Selbst die verträumtesten Optimisten dürfte Machthaber Kim Jong Un am Mittwoch (13.01.2021) die Hoffnung auf ein atomfreies Nordkorea geraubt haben: Es müsse alles dafür getan werden, um die „nukleare Kriegsabschreckung weiter zu stärken“, sagte Kim am Ende des achttägigen Parteikongress, auf dem die Stoßrichtung des Landes für die kommenden Jahre vorgegeben wird. Und diese ist unmissverständlich: Die internationale Gemeinschaft – allen voran der „Hauptfeind“ USA – täten besser daran, Nordkorea endlich als Atommacht anzuerkennen.

Nordkorea: Weitere Raketen- und Atomtests des Regimes um Kim Jong Un sind wahrscheinlich

Nur wenige Tage vor Joe Bidens Amtsantritt in Washington zementiert Pjöngjang also noch tiefer den deprimierenden Status quo auf der geteilten Halbinsel. Als wahrscheinlich gilt auch, dass eine weitere Konstante der letzten Jahre wiederkehren wird: die regelmäßige Raketen- und Atomtests des nordkoreanischen Regimes.

Tosender Beifall für den frisch beförderten Generalsekretär der Arbeiterpartei Kim Jong Un.

Dabei sollte man nicht missverstehen: Die militärische Aufwertung erfolgt zweifelsohne aus einer Position der Schwäche, denn Grund zu Selbstbewusstsein hat Pjöngjang seit letztem Jahr wenig. Schon während seiner Neujahrsrede hatte Diktator Kim Jong Un mit erstaunlicher Offenheit das Scheitern seines ökonomischen Fünfjahresplans eingestanden: In fast allen Bereichen habe man die angestrebten Wirtschaftsziele deutlich verfehlt. Geradezu ironischerweise hat die Corona-Pandemie bewirkt, was die Vereinigten Staaten trotz jahrelanger Sanktionspolitik nicht geschafft haben: Nordkorea vollständig vom Außenhandel zu isolieren. Laut Schätzungen ist dieser, ohnehin auf niedrigem Niveau, um weitere 80 Prozent eingebrochen.

Nordkorea in der Corona-Krise: Lebensmittel werden knapp

Auch wenn fast sämtliche Botschaften und NGOs inmitten des Lockdowns längst evakuiert wurden, erreichen dennoch vereinzelt anekdotische Informationen das Ausland: Das Fachmedium „NK News“ berichtet etwa, dass selbst die exklusiven Supermärkte in der Hauptstadt Pjöngjang, der mit Abstand wohlhabendsten Region, kaum mehr Zucker und Speiseöl führen. Renommierte Experten, wie etwa der Koreanologe Andrei Lankov von der Kookmin Universität in Seoul, sprechen bereits von der größten Herausforderung für das Regime seit der Zeit der Hungersnöte während der Neunzigerjahre, als Hunderttausende Nordkoreaner an den Folgen der Mangelernährung starben.

Die Erklärung für die Krise ist einfach: Aus Angst vor dem Coronavirus hat die Staatsführung als weltweit erste die Landesgrenzen vollständig geschlossen und wird diese wohl auch als letzte wieder öffnen. Denn mit einem katastrophalen Gesundheitssystem sowie einer zu weiten Teilen unterernährten Bevölkerung bürgt Covid für Nordkorea eine ungleich große Gefahr. Gleichzeitig vermutet das paranoide Regime hinter ausländischen Virologinnen und Virologen oder Entwicklungshilfekräfen potenzielle Spione.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un lässt sich neuen Titel verleihen

Dabei sollte man sich trotz der fragilen Lage nicht der Illusion hingeben, dass das System vor einem Kollaps stünde. Nichts deutet darauf hin, ja im Gegenteil: Kim Jong Un hat sich selbstbewusst während des Parteikongresses der letzten Tage den Titel des Generalsekretärs der Arbeiterpartei verleihen lassen – eine Ehre, die bislang für seinen verstorbenen Vater Kim Jong Il reserviert blieb.

Für Überraschung sorgte vor allem, dass Kims charmante Schwester bei der aktuellen Mitgliederliste des mächtigen Politbüro nicht mehr aufgezählt ist. Die 32-jährige Kim Yo Jong sorgte einerseits bei Auslandsreisen wie etwa während der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 für so etwas wie nordkoreanische Softpower und legte eine rasante Karriere im Regime-Apparat hin.

Nordkorea: Gesundheitszustand vom Kim Jong Un ist katastrophal

Ihre Abwertung hat möglicherweise damit zu tun, dass Kim Jong Un mit den Gerüchten über seine mögliche Nachfolge aufräumen will. Aufgrund seines offensichtlich katastrophalen Gesundheitszustandes – schwer übergewichtig und Kettenraucher – handelten viele Medien seine jüngere Schwester als potenzielle Thronfolgerin. (Fabian Kretschmer)

Rubriklistenbild: © AFP

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