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Nordkorea

Kim Jong-un will Stärke zeigen – und lässt Soldaten in Schutzanzügen aufmarschieren

  • VonTanja Koch
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Regelmäßig präsentiert Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei Paraden Militär und Waffen. Dass es nun in nur kurzer Zeit eine dritte Parade gab, ist ungewöhnlich.

Seoul – Statt wie üblicherweise Panzer und Raketen hat Nordkoreas Staatsführung bei einer Parade zum Jahrestag der Nation in Pjöngjang Traktoren und Feuerwehrfahrzeuge gezeigt. Die Nation feierte am Donnerstag, den 9. September 2021, den 73 Jahrestag seit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea. An der Veranstaltung der „paramilitärischen und öffentlichen Sicherheitskräfte“ in der Nacht zum Donnerstag waren unter anderem Vertreter des Eisenbahnministeriums, der Fluggesellschaft Air Koryo und der Hungnam-Düngemittelfabrik beteiligt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Machthaber Kim Jong Un trat in einem hellgrauen westlichen Anzug und einer dazu passenden Krawatte vor die jubelnde Menge, als um Mitternacht ein Feuerwerk gezündet wurde. Er richtete „herzliche Grüße an das gesamte Volk des Landes“ aus, wie KCNA berichtete.

Eine Militärparade der besonderen Art: Nordkoreanisches Personal in Schutzanzügen.

Coronavirus in Nordkorea angeblich kein Problem

Der deutlich schlanker gewordene Machthaber soll bei der Parade Kinder umarmt haben. Auch Masken sollen nicht getragen worden sein. Das berichtete BBC.

Während Nordkorea aufgrund der Pandemie unter Nahrungsmittelknappheit und einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise leidet, habe es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Nordkorea bis zum 19. August keinen einzigen offiziellen Fall von Covid-19 gegeben. Fachleute halten dies für extrem unwahrscheinlich. Etwa 37.291 Personen – darunter Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Personen mit grippeähnlichen Erkrankungen – seien negativ auf Corona getestet worden, so die WHO in ihrem wöchentlichen Lagebericht.

Ein Teil der an der Parade beteiligten Menschen marschierte in Schutzanzügen und mit Gasmasken. Nach Angaben eines BBC-Korrespondenten könne dies darauf hindeuten, dass eine Infektionsschutz-Sondereinheit geschaffen wurde und dass Pjöngjang der Bevölkerung zeigen will, dass Wert auf Infektionsschutz gelegt wird.

Nordkoreas Militärparade: von Tradktoren gezogene Artilleriegeschütze

Auf der Parade waren zudem Studenten mit Gewehren sowie paramilitärische Einheiten zu sehen gewesen. Die größten gezeigten Waffen waren kleine, von Traktoren gezogene Artilleriegeschütze, die von genossenschaftlichen Bauern gefahren wurden. Sie könnten „im Notfall die Aggressoren und ihre Vasallentruppen mit vernichtender Feuerkraft treffen“, erklärte KCNA.

„Wir beobachten die Situation genau“, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Details würden derzeit noch bewertet.

Nordkoreas Militärparaden: Eigentlich finden sie seltener statt

Mit derartigen offiziellen Paraden, die in der Regel mit Jahrestagen zusammen fallen, sendete Pjöngjang in der Vergangenheit immer wieder Signale ans In- und Ausland zu senden. Drei Paraden innerhalb von zwölf Monaten sind jedoch auch für Nordkorea ungewöhnlich viele. So hatte neben einer Militärparade im Oktober im Januar eine weitere mit U-Boot-gestützten ballistischen Raketen stattgefunden. Im Juli hatten Nord- und Südkorea nach mehr als einjähriger Unterbrechung auch ihre offizielle Kommunikation wieder aufgenommen.

Besonders auffällig: Seit 2017 hat Pjöngjang weder einen Atomtest noch einen Start einer ballistischen Interkontinentalrakete vorgenommen. Stattdessen versuche die Staatsführung offenbar bei Paraden, die Moral der Bevölkerung zu stärken und gleichzeitig seine Waffen zu zeigen, ohne eine internationale Eskalation zu riskieren, sagte der Experte Hong Min vom Korea-Institut für Nationale Wiedervereinigung in Seoul. „Nordkorea muss das Bedürfnis verspürt haben, Druck auf die USA auszuüben, damit diese zu seinen Bedingungen an den Verhandlungstisch zurückkommen.“

Nordkorea soll Plutonium-Anlage wieder in Betrieb genommen haben

Seit dem Gipfeltreffen von Machthaber Kim und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump 2019 sind die Atomgespräche mit Nordkorea unterbrochen. Zu neuen Annäherungsversuche ist es unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden bislang nicht gekommen.

Bidens Nordkorea-Sonderbeauftragter Sung Kim bekräftigte jedoch wiederholt seine Bereitschaft, Vertreter Nordkoreas „überall und jederzeit“ zu treffen. Das Weiße Haus erklärte, einen „pragmatischen Ansatz“ in der Nordkorea-Politik verfolgen zu wollen, um eine atomare Abrüstung des isolierten Landes zu erreichen.

Im August erklärte die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) allerdings, Pjöngjang habe offenbar seinen Plutonium produzierenden Wiederaufbereitungsreaktor in Yongbyon in Betrieb genommen. Kims Schwester sowie wichtigste Beraterin Kim Yo Jong plädierte zudem für den Abzug der US-Truppen von der koreanischen Halbinsel. (Tanja Koch mit AFP)

Rubriklistenbild: © afp

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