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Nordkorea steht kurz vor erfolgreichem Atomwaffen-Test

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Von: Nadja Austel

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Kim Jong-un arbeitet neben der Aufstockung seiner strategischen Atomwaffen in Nordkorea auch an taktischen Sprengköpfen – ein perfides Kriegsmittel.

Pjöngjang – Südkorea sei „unser unbestrittener Feind“, und die Situation rufe klar nach „einer exponentiellen Erhöhung des Nukleararsenals des Landes“, zitierten die Staatsmedien von Nordkorea ihren Machthaber, Kim Jong-un, aus dessen Vortrag bei einem Parteitreffen am vergangenen Wochenende. Südkorea habe sein Land zum Hauptfeind erklärt und zuletzt offen über „Kriegsvorbereitungen“ gesprochen, kritisierte Kim mit auffällig scharfem Ton.

Nordkorea benötige daher Interkontinentalraketen (ICBM) für „einen schnellen nuklearen Gegenschlag“ und taktische Atomwaffen müssten in Serie produziert werden. Diese Ambitionen Kims, nuklear aufzurüsten, sind nicht neu. Er hatte bereits mehrfach den Ausbau der nuklearen Schlagkraft seines Landes ausgerufen. Das Ziel Pjöngjangs ist es, über das vollständige Spektrum an Atomwaffen zu verfügen. 

Kim Jong-un
Nordkoreas Gesetz zur staatlichen Atompolitik sieht den Einsatz von Atomwaffen für den Fall eines drohenden Angriffs vor. (Arichivbild) © Lee Jin-Man/AP/dpa

Kim Jong-un lagert bereits Teile taktischer Atomwaffen in Nordkorea

Als taktische Atomwaffen gelten dabei solche, deren Wirkungskreis und Sprengkraft deutlich geringer sind als bei strategischen Atomwaffen. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri schätzt, dass Nordkorea bereits über mindestens 20 fertiggestellte Nuklearsprengköpfe verfügt.

Nordkorea hatte kürzlich zudem erneut ballistische Kurzstreckenraketen ostwärts in Richtung offenes Meer abgefeuert – vier Stück innerhalb von 24 Stunden, wie das südkoreanische Militär berichtete. Solche Raketen können je nach Bauart mit einem Atomsprengkopf ausgerüstet werden, so die Angaben der Agence France-Presse (afp).

Nordkorea: Kims nächster Raketentest könnte taktische Atomwaffe sein

Der „Oberste Führer“ könne daher jederzeit einen taktischen Nuklearsprengkopf testen, so ein Bericht von The Daily Beast. Es sei nur nicht abzusehen, wann. Die jüngsten Spekulationen reichten von seinem 39. Geburtstag am 8. Januar über den 8. Februar, den Jahrestag der Gründung der koreanischen Volksarmee im Jahr 1948, bis zum 16. Februar, dem Geburtstag von Kims verstorbenem Vater.

Insgesamt hat Kim im Jahr 2022 fast 100 Raketentests von mehreren Stützpunkten aus angeordnet und damit die Fähigkeit des Nordens demonstriert, Ziele in Japan und Südkorea fast überall zu treffen. Laut Bericht von The Daily Beast wird weithin angenommen, dass der nächste unterirdische Atomtest Nordkoreas eine taktische Atombombe sein wird.

Nordkorea könnte taktische Atomwaffen auch gegen Nato verwenden

Bruce Klingner, ehemaliger stellvertretender Abteilungsleiter der CIA für Korea, sieht taktische Atomwaffen für mehrere Zwecke geeignet – „für einen Erstschlag gegen die Führung, gehärtete Kommandostrukturen oder hochwertige militärische Ziele sowie für einen vergeltenden Zweitschlag und Gegenangriffe auf dem Schlachtfeld“, sagte er gegenüber The Daily Beast

Und natürlich könnte Kim mit ihnen auf verbündete Nato-Streitkräfte abzielen, die auf der koreanischen Halbinsel eintreffen. Auch Städte der Verbündeten könnte Nordkorea in Gefahr bringen – und Pjöngjang möglicherweise die Mittel an die Hand geben, „die Halbinsel nach seinen Bedingungen wiederzuvereinigen“, so Klingner weiter.

Atomwaffen aus Nordkorea: USA und Südkorea bereiten sich gemeinsam vor

Die USA und Südkorea arbeiten nach Angaben des Weißen Hauses an einer abgestimmten Reaktion auf einen eventuellen Atomwaffeneinsatz durch Nordkorea. Die Präsidenten beider Länder hätten „ihre Teams beauftragt, eine effektive koordinierte Antwort auf eine Reihe von Szenarios“ zu entwerfen, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats in Washington. Dazu gehört demnach auch die „Verwendung von Kernwaffen“.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium richtet angesichts der zunehmenden Befürchtungen eine Abteilung ein, die sich mit der Abwehr aller atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen Nordkoreas befasst. „Sollte Nordkorea versuchen, Atomwaffen einzusetzen“, so die Warnung des Ministeriums, „würde dies zum Ende des Regimes von Kim Jong-un führen“. (na)

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