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Machthaber

Nordkorea: Kim Jong-un lässt Kommissions-Chef hinrichten – Fortschritte blieben aus

  • VonMirko Schmid
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In Nordkorea lässt Kim Jong-un den Kommissions-Chef zur Umsetzung des Fernbildungsgesetzes exekutieren – der soll zuvor Kritik geübt haben.

Pjöngjang - Es ist bekannt, dass Kim Jong-un nicht zimperlich ist im Umgang mit seinen Staatsangestellten. Dennoch führt die neuste Volte des Diktators von Nordkorea in dritter Generation erneut die kaltblütige Grausamkeit vor Augen, mit der Kim unliebsame Funktionäre aus seinem Apparat entfernen lässt.

Konkret geht es in diesem Fall um einen Staatsdiener namens Park, dem auferlegt wurde, die Kommission zur Umsetzung des Fernunterrichtsgesetzes zu leiten. Diese Arbeitsgruppe ist damit betraut, Bildungsfortschritte nach Willen der Staatsführung auch in die entlegeneren Teile des Landes zu bringen. Konkret will die Regierung um Kim Jong-un Bildung mittels moderner Technologie auch in die größtenteils rückständigen Dörfer außerhalb des Einzusgebietes der Hauptstadt Pjöngjang bringen.

Funktionär Park soll für Kim Jong-un Fernunterricht umsetzen und scheitert an fehlenden Ressorcen

Park wurde auserwählt, um gemeinsam mit rund 20 Professoren schnellstmöglich die gesetzlich verfügten Bildungsangebote in die technologisch unterentwickelten Randbezirke zu bringen. Ein Vorhaben, das zum Scheitern verurteilt war. Die staatliche Organisations- und Beratungsabteilung (OGD) kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass die Park-Kommission „keine Fortschritte erzielt“ habe und zusätzlich einige der Mitglieder „die Politik der Regierung kritisiert“ haben sollen.

Die Entwicklung hatte sich über einige Zeit abgezeichnet. Schon seit Juni 2020 trafen sich die Kommissions-Mitglieder wöchentlich per Videoschalte, um gemeinsam an einem Plan zu arbeiten, der zur von der Obrigkeit um Kim Jong-un erwünschten Umsetzung der ambitionierten Vorhaben beitragen sollte. Allerdings, so geht es aus Dokumenten hervor, welche der US-amerikanischen Nachrichtenseite „DailyNK“ vorliegen, kamen die Professoren unter Führung des Herrn Park in ihren Bemühungen nicht vom Fleck.

Kim Jong-un: Der Diktator von Nordkorea lässt seinen eigenen Kommissionschef hinrichten. (Archivbild)

Die Park-Kommission soll „nur oberflächlich“ agiert haben, ihrem Leiter werden Ressourcen verweigert

Die OGB kam in ihren Untersuchungen zu dem Schluss, dass die Park-Kommission lediglich „oberflächliche Verfahren“ angestoßen haben soll und dabei keine echten Fortschritte erzielen konnte. Dies muss Kommissionsleiter Park bereits früh im Prozess bewusst gewesen sein. Mehrfach soll er sich gegenüber verschiedenen Mitgliedern der Expertenrunde über mangelnde finanzielle und materielle Unterstützung aus Pjöngjang beschwert haben. Mindestens eines der Mitglieder meldete die Beschwerden an Vertreter der OGB, welche die Kritik als „Partei-feindliche und antirevolutionäre sektiererische Aktivitäten im Bildungssektor“ wertete.

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Park selbst soll sich zuvor mehrfach an Vorgesetzte gewandt und sein Missfallen unverblümt angemeldet haben. Verbrieft ist sein Satz: „Ich verstehe nicht, warum die Behörden ein Gesetz umsetzen wollen, dazu diese Kommission bilden und viel beschäftigte Professoren von ihren Universitätsjobs abberufen, wenn sie nicht willens sind, der Kommission die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“ Um auch nur kleine Fortschritte zu erzielen, soll er vorgeschlagen haben, Lehrer umzuschulen, die Anzahl der Schulen und Ausbilder zu erhöhen und sie zur Arbeit in die vergleichsweise unterentwickelten Regionen zu entsenden. Die Antwort seiner Vorgesetzten soll unterkühlt ausgefallen sein: „Es gibt keine Anweisunges des Zentralkomitees, setzen Sie sich hin und schweigen Sie.“

Leiter des Ministeriums für Hochschulbildung kreidet Park das Versagen der Kommission an

Ein Mitglied der Kommission, Dekan der Rechtsschule der Universität Kim Il Sung, traf sich daraufhin mit Ri Guk Chol, Präsident der Universität Kim Il Sung und Leiter des Ministeriums für Hochschulbildung, um die Angelegenheit zu erörtern. Er berichtete gegenüber dem Hochschulpräsidenten, dass die Ausgestaltung der Umsetzung der Fernunterrichtspolitik nur schleppend voranschreite und „die Dinge nicht richtig geregelt“ würden. Wenn die Partei davon Wind bekäme, mahnte er an, könnte es ungemütlich werden. Andererseits würde die Partei sicher „einige der Probleme lösen“, wüsste sie vom Stillstand der Kommission. Ri Guk Chol machte sich nun an die Arbeit.

NameDemokratische Volksrepublik Korea
Bevölkerung (Stand 2019)25,67 Millionen
HauptstadtPjöngjang
MachthaberKim Jong-un
Staatliche StrukturDiktatur, Chuch’e-Ideologie

Doch anstatt die Parteiführung oder gar Kim Jong-un persönlich um Hilfe zu bitten, suchte er nach politisch wenig opportunen Äußerungen des Kommissionsleiters. Seine Kritik fiel deutlich aus: „Jeder weiß, dass die Nation Schwierigkeiten hat. Aber Richtlinien können aufgrund von Leuten wie Park, die dafür verantwortlich sind, nicht richtig umgesetzt werden.“ Im Nachhinein könnte der Hochschulpräsident damit das Todesurteil des Herrn Park gesprochen haben. Denn nun wurde die OGB aktiv und ermittelte verdeckt gegen alle Mitglieder der Kommission. Und die staatliche Organisations- und Beratungsabteilung wurde fündig. Wenig später wurde Park als Partei-feindlicher und antirevolutionärer Sektiererischer für schuldig befunden und noch in der zweiten Märzwoche 2021 exekutiert.

Nordkorea: Kim Jong-un bildet Kommission um und lässt Leiter Park hinrichten

Kim Jong-un höchstpersönlich soll in einer handschriftlichen Notiz mitgeteilt haben, dass er als „Kommandeur einer weitsichtigen und großen Politik“ die Entwicklung des Bildungssektors nun selbst in die Hand nehmen wolle. In kürzester Zeit wurde die Kommission umgebildet und Ri Guk Chol nun selbst als Leiter eingesetzt. Zusätzlich zur personellen Neubesetzung wurden Unterausschüsse einberufen, darunter einer zur Durchsetzung des Aufbaus von Internetleitungen in Pjöngjang und einer zur Durchsetzung des regionalen Fernunterrichtsgesetzes.

Außerdem wurde die Kommission auf Anweisung von Kim Jong-un nun um 160 weitere Mitglieder aufgestockt und mit deutlich besseren Ressourcen ausgestattet. Zu spät für Herrn Park. Und vielleicht auch zu spät für weitere Mitglieder der ursprünglichen Kommission, gegen die zurzeit in Nordkorea weitere „ideologische Maßnahmen“ geprüft werden. (Mirko Schmid)

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