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Nordkorea-Lage desolat: Kim Jong-uns Schwester droht plötzlich mit Atomschlag

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Von: Sven Hauberg

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Kim Jong-un und seine Schwester Kim Yo-Jong im Jahr 2018
Kim Jong-il und Kim Yo-jong im Jahr 2018: Die Schwester des nordkoreanischen Diktators ist für ihre gnadenlose Rhetorik gegenüber Südkorea und den USA berüchtigt. © Kyodo News/Imago

Verbales Säbelrasseln aus Nordkorea: Die Schwester von Diktator Kim Jong-un hat Südkorea mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht - sollte ihr Land angegriffen werden.

München/Pjöngjang – Die Schwester des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un hat Südkorea mit drastischen Worten vor einem militärischen Konflikt gewarnt. Sollte Seoul einen Angriff auf den Norden starten, werde „die südkoreanische Armee eine unvorstellbar schreckliche Katastrophe erleben, die schlimmste aller Zeiten“, sagte Kim Yo-jong laut einer Stellungnahme, die von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde.

Kim Yo-jong, die als hochrangige Funktionärin der herrschenden Arbeiterpartei* über großen Einfluss verfügt, drohte offen mit dem Einsatz von Atomwaffen gegen den Nachbarstaat: „Sollte sich Südkorea für eine militärische Konfrontation mit uns entscheiden, wird unsere nukleare Kampftruppe unweigerlich ihre Aufgabe erfüllen müssen.“ Nordkorea* habe allerdings nicht vor, den Süden anzugreifen, ohne zuvor provoziert worden zu sein.

Anlass für Kims Drohung war offenbar eine Äußerung des südkoreanischen Verteidigungsministers Suh Wook. Dieser hatte vor wenigen Tagen erklärt, die Truppen seines Landes seien zu einem „Präventivschlag“ in der Lage. Auch hätten sie die Fähigkeit, den Ursprungsort von Raketenstarts in Nordkorea sowie relevante Kommandostellen „präzise und rasch“ anzugreifen, sobald es klare Anzeichen für einen Angriff gegen Südkorea gebe.

Nordkorea: Seoul nicht der „Hauptfeind“

„Es scheint, dass er der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln wollte, dass die südkoreanische Armee gut vorbereitet ist“, so Kim Yo-jong nun in ihrer Stellungnahme. Bereits am Sonntag hatte Kim laut KCNA von einer „leichtsinnigen und ungezügelten Rhetorik“ gesprochen, die die „innerkoreanischen Beziehungen und die militärischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter verschlechtert“ habe. Südkorea sei allerdings nicht der „Hauptfeind“ des Nordens, sagte die Diktatorenschwester nun weiter. „Solange die südkoreanische Armee keine militärischen Aktionen gegen unseren Staat unternimmt, wird sie nicht als Ziel unseres Angriffs betrachtet.“

Das verbale Säbelrassen dürfte vor allem als Drohkulisse gedacht sein, um einerseits den Süden von einem Schlag gegen den Norden abzuhalten; Adressat von Kims Botschaft ist aber auch das nordkoreanische Volk selbst. Diesem wird seit Jahrzehnten vermittelt, das Land sei von Feinden umzingelt, die es vernichten wollten. Nur die Führung durch die Kim-Dynastie kann demnach für die Sicherheit der Bürger des Landes sorgen.

Nordkorea: Die wirtschaftliche Lage ist desolat

Die Legitimationsfrage scheint vor allem unter dem Eindruck der anhaltend schlechten wirtschaftlichen Lage im Land an Bedeutung zu gewinnen. Nordkorea hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie vom Ausland abgeschottet, der Handel mit dem nördlichen Nachbarn China* war fast vollständig zum Erliegen gekommen. Ende vergangenen Jahres hatte Staatschef Kim Jong-un die wirtschaftliche Lage seines Landes mit ungewöhnlich offenen Worten als „düster“ beschrieben. Neben der selbstgewählten Abschottung sind dafür unter anderem Misswirtschaft, schlechte Ernten sowie internationale Sanktionen verantwortlich.

Die USA hatten am vergangenen Freitag neue Sanktionen gegen Nordkorea verhängt, nachdem das Regime in Pjöngjang eine Interkontinentalrakete getestet hatte*. Die Finanzsanktionen richteten sich gegen das Ministerium für Raketenindustrie und vier an das Ministerium angeschlossene Handelsunternehmen, so das US-Finanzministerium. Nordkorea hatte von Ende Februar bis Ende März drei Raketentests durchgeführt und dabei zuletzt auch eine Interkontinentalrakete abgefeuert, zum ersten Mal seit 2017. Um es sich dabei um ein neuartiges oder ein älteres Modell handelte, ist unter Experten umstritten.

Kim Jong-un (Mitte) ließ Ende März eine Interkontinentalrakete testen. Ein Propagandaclip im Stil eines Werbevideos zeigte den Raketenstart.
Kim Jong-un (Mitte) ließ Ende März eine Interkontinentalrakete testen. Ein Propagandaclip im Stil eines Werbevideos zeigte den Raketenstart. © KCNA via KNS/AFP

Nordkorea: Neue Rakete könnte Ziel fast überall auf der Welt treffen

Die USA und Japan glauben, dass es sich um die neuartige Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-17 gehandelt hat. Diese soll in der Lage sein, Ziele in bis 15.000 Kilometer Entfernung zu erreichen. Damit könnte sie mit wenigen Ausnahmen fast alle Länder weltweit treffen. Propagandistisches Hauptziel des Raketentests waren allerdings die USA. So sagte Machthaber Kim Jong-un* anlässlich des Starts laut Staatsmedien, Nordkorea sei „vollständig zu einer langfristigen Konfrontation mit den US-Imperialisten bereit“.

Der Start der Interkontinentalrakete war unter anderem von den G7-Staaten verurteilt worden; der Versuch der USA, im UN-Sicherheitsrat die internationalen Sanktionen gegen Pjöngjang zu verschärfen, scheiterte allerdings am Veto von Russland und China. Peking gilt als engster Verbündeter der nordkoreanischen Regierung*.

Gleichzeitig wachsen weltweit die Befürchtungen, Nordkorea könnte schon bald einen erneuten Atomtest durchführen. Von entsprechenden Plänen berichtete kürzlich unter anderem der Fernsehsender CNN* unter Berufung auf US-Geheimdienstinformationen. Demnach soll der erste Atomtest Nordkoreas seit 2017 noch in diesem Jahr stattfinden, wie unter anderem Auswertungen von Satellitendaten ergeben hätten. (sh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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