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Nordkorea: Kim Jong-un fehlen über 6000 Atomwaffen

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Von: Nadja Austel

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Sein Wunsch ist es, das Atomwaffen-Arsenal von Nordkorea zum weltgrößten aufzustocken – ein erreichbares Ziel für Kim Jong-un?

Pjöngjang – Nur wenige Wochen nach dem Test mehrerer ballistischer Kurzstreckenraketen und einer Interkontinentalrakete (ICBM) kündigte der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un an, das „stärkste“ Arsenal von Atomwaffen der Welt aufbauen zu wollen. Der staatliche Nachrichtendienst KCNA hatte über diese Ambitionen von Nordkorea berichtet, nachdem am 18. November eine neuartige Interkontinentalrakete (ICBM) mit der Bezeichnung Hwasong-17 abgefeuert wurde.

Berichten zufolge sei diese Rakete dazu in der Lage, die USA mit einem Angriff zu erreichen. Erst im September hatte Nordkoreas Parlament ein Gesetz über den präventiven Einsatz von Atomwaffen verabschiedet. Das Gesetz gibt Kim Jong-un zugleich die oberste Befehlsgewalt über die Atomwaffen des Landes.

Nordkorea: Insgesamt 34 Tests von Atomwaffen in 2022

Einem Bericht der New York Times zufolge sind in diesem Jahr insgesamt 34 Waffentests in Nordkorea mit etwa 88 ballistische Raketen und Marschflugkörper durchgeführt worden. Darunter sei eine Rakete, nur circa 35 Meilen vor der Ostküste von Südkorea im Wasser eingeschlagen.

Kim Jong Un in einer Sendung im Fernsehen von Nordkorea. Die Sendung läuft auf einem Bildschirm, vor dem ein Mann steht. Un lacht in der Aufnahme, ein Soldat jubelt im Hintergrund. (Archivbild)
Kim Jong-un will in Nordkorea das „stärkste“ Arsenal von Atomwaffen der Welt aufbauen. (Archivbild) © IMAGO/Kim Jae-Hwan

Wie Newsweek berichtet, hat Nordkorea jedoch noch einiges aufzuholen, wenn das Ziel Kim Jong-un tatsächlich erreicht werden soll: Nach den von der Arms Control Association (ACA) für das Jahr 2021 geschätzten Atomwaffenbeständen befinden sich mehr als 90 Prozent der weltweit rund 13.080 Atomsprengköpfe im Besitz von USA und Russland.

Nordkorea – Geschätztes Arsenal an Atomwaffen

Die USA besitzen demnach etwa 5550 Sprengköpfe und liegen damit rund 700 Sprengköpfe hinter Russland. Nordkorea hingegen verfüge über schätzungsweise 40 bis 50 Sprengköpfe in seinem Arsenal. Inwiefern diese offiziellen Angaben allerdings den tatsächlichen Beständen in Nordkorea entsprechen, lasse sich nicht sagen. Russland verfügt laut ACA über mehr als 6250 Sprengköpfe für Atomwaffen. Somit würde Kim Jong-un mehr als 6200 Sprechköpfe benötigen, um auch Russland zu überholen.

Jenny Town, vom Forschungsinstitut Stimson Center, erklärte gegenüber Newsweek, dass die Worte des nordkoreanischen Führers mehr an sein eigenes Publikum im Land gerichtet waren. Die politische Botschaft dahinter sei, dass die Verteidigung des eigenen Landes weiter ausgebaut werde. Satellitenbilder, die im Sommer 2021 von Nordkoreas Uran-Anreicherungsanlage in Yongbyon aufgenommen wurden, werteten Experten laut Newsweek jedoch als Hinweis darauf, dass die Produktion in der Anlage um bis zu 25 Prozent gesteigert werden würde.

Atomwaffen in Nordkorea: „Macht für Macht, guter Wille für guten Willen“

Einem Bericht der Federation of American Scientists (FAS) zufolge geht der weltweite Gesamtbestand an Atomwaffen in 2022 allerdings zurück. Der Rückgang sei jedoch im Vergleich zu den vorangegangenen 30 Jahren verlangsamt und finde statt, weil die USA und Russland immer noch ausgemusterte Sprengköpfe demontieren.

Frank Aum, ein führender Experte für Nordostasien am US Institute of Peace, erklärte gegenüber Newsweek, dass Nordkorea gegenüber den USA den Ansatz verfolgt: „Macht für Macht, guter Wille für guten Willen“. Das habe Kim Jong-un bereits 2021 auf dem 8. Parteitag geäußert.

Atomwaffen Nordkorea – In acht Jahren mit Friedensgesprächen nur ein Raketentest

Handlungen wie diplomatische Isolation, Wirtschaftssanktionen und militärische Abschreckung würden von Nordkorea als „globale Druckkampagne“ gegen Nordkorea aufgefasst. Wenn sich die USA hingegen auf Nordkorea einlassen, verhalte sich das Land tendenziell besser, sagte Aum gegenüber Newsweek.

Das sei zwischen 1994 und 2002 zu beobachten gewesen, als sich die USA und Nordkorea an den vereinbarten Rahmen hielten und kontinuierlich Friedens- und Rüstungsgespräche führten. „In dieser Zeit hat Nordkorea nur einen Raketentest durchgeführt und kein Plutonium wiederaufbereitet“, so der Experte. (na/dpa)

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