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In der Gegend von Derry wurde dieses Graffito von „IRA, unbesiegte Armee“ abgeändert in „IRA ist fertig. Besiegte Armee“.

Derry

„New IRA“ bekennt sich zu Tötung der Journalistin Lyra McKee

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Der tödliche Schuss auf die Journalistin Lyra McKee in Derry wurde offenbar von der nordirischen Splittergruppe „New IRA“ abgegeben.

Wie sieht Nordirlands Zukunft aus? Unausweichlich wird diese politische Frage an diesem Mittwoch im gewaltigen Kirchenraum der Annenkathedrale von Belfast gestellt werden; dort findet der Trauergottesdienst für Lyra McKee statt. Die Journalistin und Buchautorin war in der Nacht zu Karfreitag in der Stadt Derry erschossen worden. Lebt die politische Gewalt in der einstigen Unruheprovinz, deren Friedensprozess seit mehr als zwei Jahren stockt, nun wieder auf?

Am Dienstag teilte die Kriminalpolizei die Festnahme einer 57-jährigen Frau mit. Sie dürfte wie zwei übers Wochenende kurzzeitig inhaftierte Teenager aus dem Umfeld der sogenannten „New IRA“ stammen, einer Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee (IRA). Deren Mitglieder waren für weit über 1000 Morde während des Bürgerkrieges im vergangenen Jahrhundert verantwortlich.

„New IRA“ entschuldigt sich bei Angehörigen von Lyra McKee

Die „New IRA“ hat sich zu dem tödlichen Schuss auf McKee bekannt. Ihrem Bekennerschreiben vom Wochenende, in dem von einem „Unfall“ die Rede war, schob sie am Dienstag eine zweite Mitteilung nach: „Die IRA entschuldigt sich umfassend und aufrichtig bei der Partnerin, der Familie und den Freunden von Lyra McKee.“

Er habe mehr als 140 Hinweise auf Täter und Drahtzieher erhalten, sagte Kriminalrat Jason Murphy und appellierte erneut an die Bevölkerung: „Bitte sprechen Sie mit mir.“ Dafür müssten viele Menschen aus dem Umfeld der Täter über ihren Schatten springen. In den Hochburgen des militanten Republikanismus wie der Sozialsiedlung Creggan, wo McKee niedergeschossen wurde, gilt die Zusammenarbeit mit der Polizei bei vielen noch immer als Verrat. Dabei spiegelt die neue Behörde PSNI die ethnische und religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung heute viel besser wider als die Vorgängertruppe RUC zu Bürgerkriegszeiten.

Blumen und ein Herz erinnern an die getötete Journalistin Lyra McKee.

Als sich die militanten Kräfte beider Konfessionen und Bevölkerungsgruppen in den 1990er Jahren auf den Verhandlungsweg begaben, der 1998 ins Karfreitag-Friedensabkommen mündete, stand schnell fest: Bei protestantischen Loyalisten wie bei katholischen Republikanern blieben kleine Gruppen von Unversöhnlichen zurück.

Autobomben-Anschlag: Mitglieder der „Real IRA“ vor Gericht

Vor allem Splittergruppen der 100 Jahre alten IRA, die ursprünglich für Irlands Unabhängigkeit vom britischen Empire kämpfte, sorgten immer wieder für schreckliche Bluttaten; eine Autobombe der „Real IRA“ tötete im August 1998 29 Menschen. Angehörige der „Real IRA“ ebenso wie der paramilitärischen Gruppe „Republikanische Aktion gegen Drogen“ gehören nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zu den Aktivisten der neuen Terrortruppe, die seit ihrer Gründung 2011/12 immer wieder durch Straftaten auffiel, darunter die Morde an einem Polizisten und zwei Gefängnisbeamten.

Zuletzt zündete die „New IRA“ im Januar eine Autobombe vor dem Gerichtsgebäude von Derry; nur zufällig kam niemand zu Schaden. Im März bekannte sich die Gruppe zu Briefbomben, die an britische Ziele wie den Londoner Flughafen Heathrow adressiert waren. Sie konnten allesamt entschärft werden.

Belfast, Derry, Strabane und Lurgan als Hochburgen der IRA-Gruppen

Hochburgen haben die Paramilitärs in den Städten und Landstrichen des irischen Nordostens, in denen auch der Bürgerkrieg mit besonderer Härte tobte. Neben der Hauptstadt Belfast sind dies vor allem Strabane in der Grafschaft Tyrone, Lurgan in Armagh und auch Wohnviertel von Derry.

Im Stadtteil Creggan unternahm die Polizei am Donnerstag Abend eine Razzia, um vor dem stets neuralgischen Osterwochenende Waffen zu beschlagnahmen. Dutzende von Demonstranten attackierten die Beamten mit Steinen und Molotow-Cocktails, zwei Autos gingen in Flammen auf. „Derry heute Abend. Totaler Wahnsinn“, lautete Lyra McKees letzter Tweet vom Tatort.

Das Hauptaugenmerk ihrer Arbeit lag auf der Situation der Homosexuellen und der Sicht ihrer Generation, den Nachgeborenen des Bürgerkriegs, auf die gesellschaftliche Spaltung. Davon dürfte in der Annenkathedrale viel die Rede sein. Zum ökumenischen Gottesdienst haben sich Irlands Präsident Michael Higgins und Vize-Premier Simon Coveney angesagt. Die britische Nordirland-Ministerin Karen Bradley bestätigte am Dienstagabend, dass sie am Trauergottesdienst teilnehmen wird. Das Königshaus will keine prominenten Vertreter schicken.  

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