1. Startseite
  2. Politik

Einfach „Hahn aufdrehen“? Deutschland glaubt nicht an intakte Nord-Stream-Pipeline

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Putin behauptet, eine Pipeline von Nord Stream 2 funktioniere noch: „Man muss nur den Hahn aufdrehen.“ Doch die Bundesregierung geht nicht davon aus.

Berlin – Nach der mutmaßlichen Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines fließt keinerlei Gas von Russland mehr nach Deutschland. Und das wird wohl auch so bleiben: Die deutsche Bundesregierung geht entgegen der russischen Darstellung nicht davon aus, dass eine der beiden Röhren der Pipeline Nord Stream 2 nach den Explosionen vom September noch intakt ist.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Sabotageakt mit starken Explosionen negative Auswirkungen auf beide Pipelinestränge hatte und die grundsätzliche technische Verfügbarkeit somit aktuell nicht mehr gegeben ist“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage von AfD-Fraktionsvize Leif-Erik Holm. Darüber hinaus habe die Nord-Stream-2-Pipeline ohnehin die für ihren Betrieb notwendige Zertifizierung nicht erhalten und werde weiterhin nicht in Betrieb gehen können.

Nord-Stream-Pipelines: Putin stellt es anders dar

Ihm erscheine es so, „als hoffe man in der Ampel geradezu, dass sich das Thema Gaslieferungen über Nord Stream mit den Anschlägen von selbst erledigt hat“, sagte der AfD-Abgeordnete Holm. Seine Partei plädiert für eine Inbetriebnahme von Nord Stream 2 und lehnt den Kurs der Bundesregierung ab, die sich als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine von russischen Gaslieferungen unabhängig machen will.

Ende September waren nach Explosionen in der Nähe der Ostsee-Insel Bornholm vier Lecks in den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 entdeckt worden, jeweils zwei davon in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen Dänemarks und Schwedens.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an der Anlandestation der Gas-Pipeline Nord Stream 2 in Lubmin bei Greifswald. (Archivfoto)
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an der Anlandestation der Gas-Pipeline Nord Stream 2 in Lubmin bei Greifswald. (Archivfoto) ©  Fotoagentur Nordlicht/imago

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor zwei Wochen Gaslieferungen durch den nach seiner Darstellung noch betriebsfähigen Strang der Pipeline Nord Stream 2 angeboten. „Man muss nur den Hahn aufdrehen“, sagte er auf der russischen Energiewoche in Moskau. Die Röhre sei wohl nicht so beschädigt worden, dass sie nicht mehr genutzt werden könne.

Jemals wieder Gas aus Russland?

Aufgrund der Energie-Krise ist die Debatte darum, ob Deutschland auf kurz oder lang wieder russisches Gas beziehen soll, in aller Munde. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich am Wochenende dafür ausgesprochen, nach dem Krieg wieder Gas von Kreml-Chef Putin zu kaufen. „Wir brauchen langfristige Verträge für Flüssiggaslieferungen aus den USA, Katar und anderen arabischen Ländern“, sagte Kretschmer der Bild am Sonntag. „Außerdem müssen wir endlich eigenes Erdgas in der Nordsee erschließen. Und wenn der Krieg vorbei ist, sollten wir auch wieder Gas aus Russland nutzen.“

FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann attackierte Kretschmer für seine Forderung „Ich kann nur sagen, dass Herr Kretschmer wirklich komplett falsch abgebogen ist“, sagte Strack-Zimmermann im Podcast Wach & Wichtig vom rbb. Der CDU-Politiker bewege sich auf sehr gefährlichem Terrain. „Ich kann nur sagen, dass die Zukunft des russischen Gases erledigt ist.“ (tvd/dpa)

Auch interessant

Kommentare