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Ein zwangspensionierter Polizeibeamter klagte gegen das Land Hessen - und war teilweise erfolgreich.

Ermittlungen gegen Polizei-Ärzte

Noch mehr falsche Gutachten?

Neben vier Steuerfahndern ist möglicherweise auch ein Polizeibeamter in Hessen mit falschen ärztlichen Gutachten geschasst worden. Dem zwangspensionierten Beamten wurde Querulantentum bescheinigt - er klagte. Von Matthias Thieme

Von Matthias Thieme

Außer den vier Steuerfahndern ist möglicherweise auch ein Polizeibeamter in Hessen mit fehlerhaften ärztlichen Gutachten für dienstunfähig erklärt worden. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ermittle gegen zwei leitende hessische Polizeiärzte und einen psychiatrischen Gutachter, sagte Staatsanwalt Hartmut Ferse der Frankfurter Rundschau und bestätigte damit einen HR-Bericht. Es gehe bei den Ermittlungen um den Anfangsverdacht des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse, so Ferse.

Anzeige erstattet hat nach FR-Informationen der Polizeibeamte Dirk Lauer, der 1996 bei einem Einsatz im Frankfurter Bahnhofsviertel verletzt worden war. Der Beamte wehrt sich dagegen, dass seine Verletzung nie als Dienstunfall anerkannt wurde und seine nachfolgenden Gesundheitsprobleme als Privatsache eingestuft wurden. Nachdem Lauer dieser Einschätzung von Polizeiärzten widersprochen hatte, wurde er zu einem Neurologen geschickt, der ihm "streitsüchtiges bis querulatorisches" Verhalten bescheinigte.

Eine Klage Lauers gegen das Land Hessen war vor kurzem teilweise erfolgreich: Der vom Verwaltungsgericht Darmstadt bestellte Gutachter führte Lauers Gesundheitsprobleme auf die im Dienst erlittene Verletzung zurück. Der frühere Polizeioberkommissar Lauer wirft seinen Gutachtern jetzt vor, sie hätten ihn falsch begutachtet. Der zwangspensionierte Beamte klagt außerdem vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt auf Zahlung einer Dienstunfallrente. Dieses Verfahren wollte die Staatsanwaltschaft zunächst abwarten, doch Lauer brachte die Ermittlungen mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde in Gang.

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