Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In den Händen der Taliban: die Stadt Kandahar.
+
In den Händen der Taliban: die Stadt Kandahar.

Kommentar

Afghanistan: Noch einmal alle Kräfte mobilisieren

  • Andreas Schwarzkopf
    VonAndreas Schwarzkopf
    schließen

Die USA und ihre Verbündeten müssen dem Eindruck entgegentreten, Afghanistan und die Menschen im Land sich selbst überlassen zu wollen.

Frankfurt/Kabul – Beim Rückzug der US-geführten internationalen Truppen wiederholt der Westen die Fehler, die den gesamten 20-jährigen Einsatz prägten. Statt eine Strategie für das Ende der Mission zu entwickeln, haben sie offensichtlich die Fähigkeiten der afghanische Armee und Polizei über- und die der Taliban unterschätzt. Dies sorgt für verstörende Bilder von flüchtenden Afghaninnen und Afghanen und lässt die Sorge wachsen, die mit Hilfe des Westens erzielten Fortschritte im Land könnten verschwinden.

Doch dabei offenbart der Vormarsch der Taliban ein tiefer liegendes Problem. Dem vom Westen geführten internationalen Bündnis ist es nicht gelungen, ein politisches System zu etablieren, das nachhaltig funktioniert, möglichst allen zugutekommt und von einer Mehrheit getragen wird. Das gilt nur für Städte wie Kabul und einzelne Regionen. Die geringe Loyalität zum neuen Afghanistan zeigt sich beispielhaft an der Armee. Viele Soldaten desertierten oder liefen gar über. Dem Westen ist es auch so gut wie gar nicht gelungen, die Nachbarstaaten Afghanistans wie Pakistan dazu zu bewegen, eine eindeutig konstruktive Rolle in dem Konflikt zu spielen. Statt dessen unterstützt Islamabad nach Angaben von Fachleuten die Taliban, um die Regierung in Kabul zu schwächen.

Afghanistan: Nicht erneut Illusionen hingeben

Nun ist guter Rat teuer. Denn der Westen hat nach dem Abzug der Truppen kaum noch Machtmittel in der Hand. Davor haben übrigens viele schon vor Jahren gewarnt, als US-Präsident Barack Obama erstmals vom Rückzug der US-Einheiten sprach und 2015 erste Schritte des Abzugs verlangsamte. Dies haben die Taliban kommentiert mit: Ihr habt die Uhren, wir die Zeit.

Doch noch ist Afghanistan nicht vollständig verloren. Doch dafür müsste der Westen noch einmal alle Kräfte mobilisieren. Der vom Westen nicht einkalkulierte rasante Vormarsch der Dschihadisten erfordert einen solchen Politikwechsel.

Die US-Regierung von Joe Biden müsste dafür erst einmal mit den Verbündeten dem Eindruck entgegentreten, Afghanistan nur noch verlassen zu wollen und es sich selbst zu überlassen. Denkbar wäre dafür etwa, dass die USA und Großbritannien ihre zusätzlich entsendeten Truppen nach der Rückkehr der Diplomat:innen und der sogenannten Ortskräfte in Kabul ließen. Mit diesem eindeutigen Signal an die Taliban würde Washington die afghanische Regierung aufwerten und drohende Kämpfe um die afghanische Hauptstadt womöglich unterbinden.

Afghanistan: Kampf um Kabul droht

Ohnehin kommt es maßgeblich auf die Taliban an. Noch ist unklar, wie die Aufständischen Afghanistan regieren und vor allem, wie sie ohne westliche Hilfe das Land voranbringen wollen. Ein Mittel könnte sein, den Aufständischen westliche Hilfen anzubieten und an Bedingungen zu knüpfen.

Doch man darf sich nicht erneut Illusionen hingeben. Die Taliban haben sich nicht an viele Absprachen gehalten. Sie haben zwar keine der abziehenden internationalen Truppen angegriffen. Doch sie haben auch nicht eingewilligt, sich an einer Regierung in Kabul zu beteiligen. Sollten sie aber noch einlenken, wird der Preis hoch sein, werden viele Fortschritte geopfert werden.

Ändern die USA und ihre Verbündeten nicht ihre Politik und finden keinen Weg, um die militärischen Konflikte beizulegen, droht der Bürgerkrieg sich zu verschärfen und auszuweiten. Zumindest einige Warlords rüsten bereits ihre Milizen auf. Und es droht ein Kampf um Kabul. Der letzte in den 90er Jahren war ein Desaster.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare