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„Ich bin sicher, dass sie sich der Konsequenzen bewusst war, denen sie entgegenging“, sagt Ekkehart Rackete über seine Tochter, die nach dem Anlegen auf Lampedusa verhaftet wurde.

Familie Rackete

Noch bleiben die Eltern cool

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Ekkehart Rackete hofft, dass seine Tochter bald gegen Auflagen wieder freikommt.

In Hambühren in der Lüneburger Heide geht Ekkehart Rackete sofort ans Telefon. Der 74-jährige pensionierte Ingenieur und frühere Oberstleutnant der Bundeswehr klingt aufgeräumt – am Samstag hat er zuletzt mit seiner Tochter Carola telefoniert. „Sie ist lustig und guter Dinge“, sagt der 73-Jährige. „Sie steht unter Hausarrest in Lampedusa und ist bei einer sehr netten Dame untergebracht, die sich rührend um sie kümmert.“ Auch die italienischen Beamten seien sehr höflich zu der inhaftierten Kapitänin der „Sea-Watch 3“. Einigen sei es sogar peinlich gewesen, dass sie die junge Deutsche und ihr Schiff hätten festsetzen müssen.

„Wir sind nicht in Panik oder voller Sorgen“, sagen Carola Racketes Eltern. Da hätte es in der Vergangenheit ganz andere Situationen gegeben – als ihre Tochter durch China getrampt sei und auf der chinesischen Mauer gezeltet habe. Das Abenteurerleben der Tochter und die Militärvergangenheit des Vaters führen dazu, dass sich in Hambühren erst jemand Sorgen macht, wenn es einen Grund gibt: „Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich mir eine gewisse Gelassenheit angeeignet“, sagt Ekkehart Rackete. Als die „Sea-Watch“-Aktivisten jetzt die Eltern fragten, ob sie Unterstützung bräuchten, lehnten diese dankend ab.

Aber nun ist ihre Tochter zum Symbol geworden, zur Ikone der Unterstützer einer humanitären Seenotrettung im Mittelmeer – und zur erklärten Lieblingsfeindin des italienischen Innenministers Matteo Salvini. Ganz sorgenfrei blickt auch Ekkehart Rackete nicht auf diese Situation: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, zitiert er den klassischen Satz, der wohl selten so gut passte wie im Fall seiner Tochter. Man könne nur hoffen, dass die Italiener nicht an ihr ein Exempel statuieren wollten – und dass „Sea-Watch“ mit den stetig fließenden Spendengeldern die besten Anwälte anheuere.

Carola Rackete als Kapitänin der Sea-Watch 3 kurzfristig eingesprungen

Sorgen macht Ekkehart Rackete vor allem, wie seine Tochter jetzt damit umgeht, dass sie ungewollt im Rampenlicht steht. „Das mag sie überhaupt nicht. Es ist ihr unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. Sie spielt sich nie in den Vordergrund.“ Aber auch damit könne sie letztlich umgehen. „Sie kann scharfzüngig und witzig sein – und sich gut artikulieren“, lobt ihr Vater. Und sie übernimmt Verantwortung, wenn es nötig ist. Die Tour auf der „Sea-Watch 3“ war ihre zweite als Schiffsführerin, sie ist kurzfristig eingesprungen, weil niemand mit den nötigen Patenten verfügbar war. Bei ihren Eltern in Hambühren war sie zuvor nur einen halben Tag. Da war keine Zeit, über Sinn und Gefahren der Mission zu sprechen. Sie kam aus Schottland, wo sie in einem Naturpark arbeitete, suchte ihre Papiere zusammen und machte sich auf den Weg zum Flughafen.

Nun hofft Ekkehart Rackete, dass seine Tochter bald wieder in Freiheit ist. „Ich gehe davon aus, dass sie gegen Auflagen oder Kaution bis zum Prozessbeginn freikommt.“ Bis es in Italien zum Prozess kommt, kann es dauern. Vielleicht, so hofft Vater Rackete, ist dann Salvini längst Geschichte.

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