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Terror in Frankreich - Nizza nach Messerangriff im Schockzustand: „Unbekannte aus dem Nichts“

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Terror von Nizza: Islamistische Täter gehen in Frankreich und Saudi-Arabien zum Angriff über. Polizeigewerkschaftler in Sorge.

  • Terror-Anschlag in Nizza – mehrere Menschen sterben nach Messerattacke.
  • Auch in Avignon und Saudi Arabien kam es zu Vorfällen.
  • Polizeigewerkschafter: Früherkennung dieser, den Geheimdiensten unbekannten Täter, fast unmöglich.

Nizza - Frankreich hatte die Ankündigung eines neuen Lockdowns durch Präsident Emmanuel Macron noch nicht verdaut, da kam schon die nächste Hiobsbotschaft. Ein junger Mann drang am Donnerstagmorgen in die Basilika Notre-Dame de l’Assomption in Nizza ein und griff die Anwesenden mit einem Messer an. Nach ersten Polizeimeldungen tötete er eine 70-jährige Frau und den Küster. Eine am Hals verletzte Frau konnte sich in eine benachbarte Bar retten, starb dort aber kurz darauf. Nach inoffiziellen Angaben sollen bei der Attacke sechs weitere Personen verletzt worden sein.

Terror-Anschlag in Nizza: Angreifer soll nach Messerattacke „Allahu akbar“ skandiert haben

Der Angreifer, nach unbestätigten Meldungen ein 25-jähriger Tunesier, wurde nach einigen Minuten von einer Streife in der Basilika gestellt. Er soll die Polizisten bedroht haben und wurde daraufhin von ihnen mehrfach angeschossen. Auf dem Weg in ein Krankenhaus soll er „Allahu akbar“ skandiert haben.

Bis Redaktionsschluss war unklar, ob ein Vorfall im 200 Kilometer von Nizza entfernten Avignon kurze Zeit später mit dem ersten Anschlag zusammenhängt: In der Nähe einer psychiatrischen Klinik griff ein Mann Passanten mit einer Faustfeuerwaffe an; herbeigerufene Polizei erschoss ihn.

Messerattacke in Nizza: Auch in Avignon und Saudi-Arabien hab es Vorfälle

Ein dritter Anschlag in Saudi-Arabien gab dem Geschehen an diesem Donnerstag eine internationale Dimension. Ein Einheimischer griff den Türsteher des französischen Konsulates von Dschidda mit einem Messer an, wie die französische Botschaft mitteilte. Das Opfer wurde mehrfach verletzt, der Angreifer aber rasch festgenommen.

Mindestens dieser Angriff könnte auf die Debatte um die Mohammed-Karikaturen des Pariser Satiremagazins „Charlie Hebdo“ zurückgehen. Vor zwei Wochen hatte ein 18-jähriger Tschetschene im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine einen Geschichtslehrer ermordet und enthauptet, nachdem der in einer Staatsbürgerkunde-Stunde das Thema Meinungsfreiheit mit den umstrittenen Zeichnungen illustriert hatte.

Noch dazu läuft in Paris seit September der Prozess gegen die Helfershelfer jener Terroristen, die 2015 zwölf Angehörige der „Charlie“-Redaktion ermordet hatten. Das Magazin veröffentlichte zum Anlass des Prozessbeginns alte Cartoons. Das wiederum sorgt für massiven Unmut in verschiedenen muslimischen Ländern: In Pakistan wird unentwegt protestiert, ebenso in Bangladesch. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Cartoons als „islamfeindlich“ verdammt. Das provokative Wochenmagazin karikierte ihn darauf, wie er das Kleid einer Muslima hochhebt und ihren Hintern entblößt.

Terror-Anschlag in Nizza: Emmanuel Macron reiste direkt an den Tatort der Messerattacke

Nach Bekanntwerden des Anschlags in Nizza unterbrach die französische Nationalversammlung ihre Debatte für eine Schweigeminute. Präsident Emmanuel Macron reiste umgehend an den Tatort. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Premierminister Jean Castex erhöhte die Alarmbereitschaft der Anti-Terror-Kräfte.

Trauer und Fassungslosigkeit: Eine Verwandte (M.) eines Opfers des Terroranschlags in Nizza steht in der Nähe des Tatorts.

Für Entsetzen und Bestürzung sorgt in Frankreich nicht nur der Angriff auf Kirchgängerinnen und Kirchgänger, sondern auch die Symbolhaftigkeit des Tatorts Nizza: Die Metropole der Côte d’Azur war 2016 von einem der mörderischsten Terrorattacken heimgesucht worden, als ein Mann am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen 87 Menschen zu Tode fuhr.

Terror in Frankreich: Nicht der erste Vorfall in einer Kirche im Land

Terror in Kirchen ist leider nicht ungewöhnlich in Frankreich: Im Pariser Vorort Villejuif wurde 2015 ein Anschlag während einer voll besetzten Messe knapp verhindert; 2016 wurde dem Priester der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie die Kehle durchgeschnitten. All dies kommt nun den Menschen in Frankreich wieder zu Bewusstsein. Damit nicht genug, wird sich am 13. November auch der Anschlag auf das Konzertlokal Bataclan zum fünften Mal jähren. Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) schickte damals aus Syrien den gut organisierten Banlieue-Dschihadisten den Einsatzbefehl. Nach der militärischen Niederlage des IS in Nahost handeln Attentäter in Frankreich teilweise auf eigene Faust.

Die Früherkennung dieser, den Geheimdiensten unbekannten Täter sei fast unmöglich, schätzt der Polizeigewerkschafter David-Olivier Reverdy: „Das sind Unbekannte, die aus dem Nichts kommen, mit Waffen, die man sich überall beschaffen kann.“ Die Pariser Presse tituliert sie bisweilen ebenso abwertend wie hilflos als „Lowcost-Terroristen“.

Orientierungslos scheint auch die nun anlaufende Debatte um den Schutz französischer Kirchen. Der konservative Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, fordert die Ausrufung des Notstands, der von 2015 bis 2017 im Land galt. Ein Polizeivertreter entgegnete: „Man kann ja nicht vor jede der 40 000 Kirchen im Land einen Gendarm stellen.“ (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © Valery Hache/AFP/dpa

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