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Vor einer Woche entführt

Massenentführung in Nigeria: Boko Haram lässt mehr als 300 Schüler wieder frei

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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In Nigerias Norden überfallen bewaffnete Boko Haram ein Internat und entführen Hunderte Kinder. Viele wurden freigelassen, ob es alle sind, werde untersucht.

  • Ein naturwissenschaftliches Internat in Nigeria wird überfallen.
  • Es kommt zu einer Massenentführung, die islamistische Terrorgruppe Boko Haram bekennen sich zur Tat.
  • Mehr als 300 Kinder sind wieder frei, ob es sich um alle Entführungsopfer handelt, müsse noch geprüft werden.

Update vom Freitag, 18.12.2020, 17.13 Uhr: 344 nigerianische Schüler sind nach einer Massenentführung der islamistischen Terror-Sekte Boko Haram wieder frei. Sie waren am Freitag vergangener Woche (11.12.2020) aus einem Internat im Bundesstaat Katsina entführt worden. Ob alle Jungen freigelassen wurden, sei noch unklar, so der Gouverneur Aminu Bello Masari. Alle bisher genannten Zahlen beruhten auf „Vermutungen“.

Freigelassene Schüler in der Stadt Kankara in Nigeria

Nach Verhandlungen zwischen den Entführern und der Regierung setzen jene die entführten Schüler im Wald aus und werden jetzt medizinisch betreut. Der Staatschef von Nigeria, Muhammadu Buhari, äußerte sich auf Twitter erleichtert über die Freilassung. Einer seiner Sprecher kündigte an, die Regierung wolle im Nordosten des Landes in Zukunft verstärkt gegen Terroristen vorgehen. Der Angriff habe hunderte Kilometer vom eigentlichen Operationsgebiet der Boko Haram entfernt stattgefunden, so die Deutsche Presse-Agentur.

Boko Haram bekennen sich zu Massenentführung in einer nigerianischen Schule

Update vom Dienstag, 15.12.2020, 07.30 Uhr: Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich zur Entführung hunderter Schüler im Nordwesten Nigerias bekannt. „Unsere Brüder stecken hinter der Entführung in Katsina“, sagte der Anführer der Gruppe, Abubakar Shekau, am Dienstag in einer Propagandanachricht. Mindestens 333 Schüler werden noch vermisst, nachdem hunderte bewaffnete Männer auf Motorrädern am Freitag eine Sekundarschule im Bundesstaat Katsina angegriffen hatten. 
 

Erstmeldung vom Montag, 14.12.2020, 08.15 Uhr: Im Norden Nigerias ist es erneut zu einer Massenentführung gekommen: Nach dem Überfall auf ein naturwissenschaftliches Internat im Bundesstaat Katsina am Freitagabend ist das Schicksal von mehr als 400 Schülern ungewiss. Mehrere Dutzend bewaffnete Männer hatten um 10 Uhr abends das Schulgebäude im Städtchen Kankara angegriffen und sich ein einstündiges Feuergefecht mit Polizei und Sicherheitspersonal der Schule geliefert. Ein Wachmann soll ums Leben gekommen sein. Mindestens 200 der insgesamt fast 900 Eleven gelang die zeitweilige Flucht ins umliegende Buschland. Die genaue Zahl der entführten Jungen steht noch nicht fest.

Der Tatort, als alles schon vorbei scheint: die Government Science School in Kankara.

Unklar, wer für die Massenentführung verantwortlich ist

„Wir dachten, unser Ende sei gekommen“, berichtete ein Schüler der nigerianischen Tageszeitung „Daily Trust“. „Die Schüsse klangen wie Donner, ich fragte mich, ob sie uns alle töten wollten – von armen Schülern kann man doch kein Geld erwarten.“ Stundenlang rannte der Junge gemeinsam mit einigen Schulkameraden vom Kampflärm fort, bis sie vor Erschöpfung fast umfielen. „Wir hatten nichts zu trinken, blieben aber trotzdem die ganze Nacht im Busch.“ Angaben der Armee zufolge flohen die Angreifer in einen nahe gelegenen Wald, die Entführten im Schlepptau. Angeblich haben Patrouillen sie dort aufgespürt – bei Redaktionsschluss dauerte ein Feuergefecht noch an.

Bislang hat sich zu dem Überfall noch niemand bekannt. Die lokalen Medien bezeichnen die Angreifer als „Banditen“ ohne politische oder religiöse Motive, denen es nur aufs Geld ankomme. Die Islamistensekte Boko Haram, die bereits wiederholt Schulkinder entführte, ist fast ausschließlich im Nordosten des Landes aktiv, über 500 Kilometer von Kankara entfernt. Es ist aber auch möglich, dass die zwei Lager der inzwischen gespaltenen Sekte versuchen, neuen Raum zu gewinnen: In Katsina kommt es seit Wochen schon zu Zwischenfällen. „Wir leben unter entsetzlichen Bedingungen“, sagte Bint’a Ismail, die Mutter eines entführten Jungen: „Wir fragen uns, welchen Wert unsere Regierung für uns überhaupt hat.“

Boko Haram entführte Mädchen - von 100 fehlt jede Spur

Bei einem Besuch des Tatorts bat Katsinas Gouverneur Aminu Masari die Bevölkerung um Geduld: „Wir werden alles dafür tun, eure Kinder zu befreien.“ Und unter Tränen fügte der Provinzchef hinzu: „Wir wissen sehr wohl, dass wir für die Sicherheit eurer Kinder verantwortlich waren.“ Zur Zeit des Überfalls hielt sich zufällig auch Staatspräsident Mohammadu Buhari in dem Bundesstaat auf: Er stattete seinem rund 200 Kilometer von Kankara entfernten Geburtsort Daura einen Privatbesuch ab – bestens bewacht, wie der Oppositionspolitiker Abdul Usman kritisierte.

Die bislang spektakulärste Massenentführung von Schulkindern fand vor sechs Jahren im nordostnigerianischen Städtchen Chibok statt. Damals bemächtigte Boko Haram sich 276 Mädchen, von rund 100 fehlt noch immer jede Spur. Ende November richteten Sektenmitglieder ein Blutbad in einem Reisfeld im Bundesstaat Borno an: Sie schnitten 76 Landarbeitern die Kehlen durch. Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Fatou Bensouda, kündigte vor wenigen Tagen Ermittlungen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nigeria an. Dabei sollen sowohl Taten der Extremisten wie Übergriffe der Streitkräfte untersucht werden, spezifizierte die Juristin. Ihre Entscheidung wurde von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als „erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit für die Opfer der entsetzlichen Verbrechen im Norden Nigerias“ begrüßt. (Johannes Dieterich)

Rubriklistenbild: © Kola Sulaimon/AFP

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