Nigers Soldaten müssen jederzeit mit Islamistenangriffen rechnen. 
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Nigers Soldaten müssen jederzeit mit Islamistenangriffen rechnen.

Afrika

Niger: Sackgasse Sahelzone

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Die jüngste Dschihadisten-Attacke im Niger zeigt, dass die Region weit entfernt von Frieden ist.

Bei einem Überfall auf das Militärcamp Inatès im Westen der Republik Niger am Mittwoch haben Dschihadisten mindestens 71 Soldaten getötet und Dutzende verletzt; einige werden als vermisst gemeldet; eventuell wurden sie als Geiseln genommen. Das war der bisher blutigste Angriff islamischer Extremisten im Niger seit Beginn der jüngsten Serie von Konflikten in der Sahelzone vor vier Jahren.

„Mehrere Hundert“ Dschihadisten hätten die Basis von drei Seiten her mit Artillerie beschossen, berichtete der nigrische Militärsprecher Boubacar Hassan: Dann seien mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge am Eingang des Camps in die Luft gejagt worden. Die anschließenden Feuergefechte hätten drei Stunden angedauert, danach sei das Camp fast völlig zerstört gewesen. Auch eine „bedeutende“, aber nicht genauer genannte Zahl an Angreifern sei bei den Gefechten getötet worden, sagte Hassan.

Niger: Eines der unsichersten Gebiete der Region

Bislang hat sich noch keine der zahlreichen, in der Sahelzone operierenden Extremistengruppen – die entweder mit dem „Islamischen Staat“ oder mit dem Netzwerk „Al-Kaida im Maghreb“ verbunden sind – zu dem Überfall bekannt. Die Militärbasis nahe der malischen Grenze war bereits im Juli von Trupps des „Islamischen Staates in der größeren Sahelzone“ angegriffen worden: Dabei kamen 68 Soldaten ums Leben. Das Länderdreieck zwischen Mali, Burkina Faso und Niger gilt als eines der unsichersten Gebiete der Region: Dort mussten in den vergangenen Jahren Hunderte Soldaten der drei Staaten ihr Leben lassen. Nur 50 Kilometer von Inatès entfernt fielen vor zwei Jahren auch vier US-Soldaten, als ihre Patrouille in einen Hinterhalt von Islamisten geriet. In Burkina Faso wurden im November 40 Angestellte einer kanadischen Goldmine in einen Hinterhalt gelockt und getötet.

Nigers Präsident Mahamadou Issoufou brach nach dem Überfall auf die Militärbasis einen Besuch in Ägypten ab, sein Kabinett verlängerte einen bereits seit zwei Jahren in der Region herrschenden Ausnahmezustand um nochmal ein Vierteljahr. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verschob nach Bekanntwerden der Attacke ein für den 16. Dezember in Pau geplantes Gipfeltreffen mit den Chefs der „G5-Staaten“ Niger, Burkina Faso, Mali, Tschad und Mauretanien auf Anfang 2020. Macron will die Unterredung angesichts Frankreichs langer Verwicklung in den Sahel-Konflikt – wenn nicht seit der Kolonialzeit, dann mindestens seit der Dekolonisierung in den 60er Jahren – und indirektem politischen oder militärischen Einfluss in West- und Zentralafrika.

Niger: Frankreich hat 4500 Soldaten in der Region

Sowohl in Mali wie in Burkina Faso kommt es im häufiger zu Straßenprotesten, bei denen die Menschen der einstigen Kolonialmacht vorwerfen, eher zu einer Verschärfung der Lage in der Region beizutragen denn sie zu entspannen. Frankreich hat im Rahmen der „Operation Barkhane“ insgesamt 4500 Soldaten in der Sahelzone stationiert. Diese werden immer wieder in Gefechte mit Dschihadisten verwickelt, ohne allerdings deren wachsende Verbreitung stoppen zu können.

Bei einem Einsatz Mitte November in Mali kamen 13 französische Soldaten ums Leben, als zwei Helikopter zusammenstießen – der größte Verlust der französischen Armee seit mehr als 40 Jahren. Seitdem wird auch in Frankreich der Ruf nach einem Truppenabzug aus dem Sahel laut: Ein Generalstäbler soll gesagt haben, man könne den Krieg gegen die Dschihadisten dort niemals gewinnen. Macron bemüht sich jetzt vermehrt um europäische Unterstützung in der Region.

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