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Janna Ezat, die Mutter des bei dem Attentat getöteten Hussein Al-Umari, spricht vor Gericht.

Christchurch

Nie mehr ohne Schmerzen

Überlebende und Verwandte von Opfern des rassistischen Attentats von Christchurch in Neuseeland haben vor der Urteilsverkündung das Wort.

Vor der Urteilsverkündung gegen den Attentäter von Christchurch haben in Neuseeland Überlebende der verheerenden Anschläge und Angehörige der 51 Opfer das Wort. Am Montag wurden vor Gericht 24 teils hochemotionale Erklärungen verlesen, in denen die Betroffenen die Folgen für ihr Leben beschrieben. Bis Donnerstag wollen mehr als 60 Menschen das Wort ergreifen. Dann will Richter Cameron Mander das Urteil verlesen.

Damit möglichst viele Betroffene in Christchurch dabei sein können, hat die Regierung die strikten Corona-Reisebeschränkungen teilweise gelockert. Im Gerichtssaal brechen derweil Wunden wieder auf, manche lesen ihre Statements mit tränenerstickter Stimme. Der 29-jährige rechtsextreme Täter hatte am 15. März 2019 zwei Moscheen attackiert und 51 Gläubige erschossen. 50 weitere Menschen wurden verletzt, teilweise lebensgefährlich. Die Tat übertrug er per Helmkamera im Internet.

Verlor ihren Sohn: Maysoon Salama.

Als der aus Australien stammende Attentäter am Morgen mit Fesseln an Händen und Füßen ins Gericht geführt wird, ist es im Saal ganz still. Dann, als die Erklärungen der Geladenen beginnen, sind liebevolle Erinnerungen an Menschen zu hören, die viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden. So wie Ozair Kadir aus Indien. Er sei ins Land gekommen, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen: Er wollte Pilot werden, erzählt sein Vater. „Er hat seine Heimat am 25. März 2018 verlassen. Am 25. März 2019 kam er in einem Sarg zurück.“

Temel Atacocugu hat den Anschlag mit neun Kugeln in seinem Körper überlebt, weil er sich tot stellte. „Ich wusste, dass ich sterben würde, wenn ich mich bewegt hätte.“ Sechs Kugeln konnten entfernt werden, drei nicht. Atacocugu ist seit dem Massaker arbeitsunfähig. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals wieder ohne Schmerzen leben werde.“ Janna Ezats Sohn Hussein Al-Umari hat den Kugelhagel an jenem Tag nicht überlebt. „Ich weine jeden Tag um ihn“, sagt sie. Dann schaut sie dem Mörder ihres Sohnes in die Augen und sagt, sie habe nur eine Wahl: „Dir zu vergeben.“ Es sei das einzige Mal an diesem Tag gewesen, dass der Angeklagte eine Art von Emotion gezeigt habe, schilderten Beobachter den Moment.

Hatte neun Kugeln im Körper: Temel Atacocugu.

Noch mehr Morde geplant

Am Montag rekonstruierte aber zunächst Staatsanwalt Barnaby Hawes den Tathergang – und nannte bislang unbekannte Details. So habe der Täter mehrere Waffen modifiziert, um schneller schießen zu können – und um die größtmögliche Zahl von Muslimen zu töten. Nach den Angriffen in der Al-Nur-Moschee im Stadtteil Riccarton und im Linwood Islamic Centre habe er zu einer dritten Moschee in Ashburton, etwa eine Stunde südlich der Stadt, fahren wollen, so Hawes. Zudem habe er geplant, die Moscheen in Brand zu setzen. Zuvor sei er aber von der Polizei gefasst worden.

Verlor ihre Eltern und ihren Bruder: Mariam Gul.

Ihm werden 51 Morde, 40 versuchte Morde sowie Terrorismus zur Last gelegt. Weil er sich im März schuldig bekannt hatte, entfiel ein Prozess. Dem Australier droht eine lebenslange Haftstrafe, möglicherweise ohne Chance auf vorzeitige Entlassung – so ein Urteil hat es in Neuseeland bisher noch nicht gegeben. (dpa)

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