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Niedersachsen: Stephan Weil peilt seine dritte Amtszeit an

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Von: Pitt von Bebenburg

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Bei der Landtagswahl in Niedersachsen tritt Amtsinhaber Stephan Weil erneut an. Der SPD-Politiker ist bereits seit 2013 im Amt.

Hannover – Niedersachsens Ministerpräsident will Ministerpräsident bleiben: Nach CDU-Siegen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein hofft die SPD auf eine Trendwende – Stephan Weil soll es richten. Ein Porträt.

Stephan Weil staunt. „In dem Alter war ich noch längst nicht so weit“, lobt der niedersächsische Ministerpräsident die Schülerinnen und Schüler, mit denen er im Landtag von Hannover debattiert hat. Inzwischen ist Weil 63 Jahre alt, Politikprofi und muss keine Debatten mehr scheuen.

Kein Wunder: Kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen steht der Ministerpräsident vor seiner Wiederwahl. Möglicherweise erzielt seine SPD sogar mehr als 30 Prozent – was im Vergleich mit dem Bundestrend ein Traumergebnis wäre.

Für ihn soll’s rote Rosen regnen – wenn es nach der SPD geht: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil beim Wahlkampf in Göttingen. Foto: Swen Pförtner/dpa.
Für ihn soll’s rote Rosen regnen – wenn es nach der SPD geht: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil beim Wahlkampf in Göttingen. Foto: Swen Pförtner/dpa. © Swen Pförtner/dpa

Niedersachsen: Stephan Weil auf Rekordkurs

Als er so alt war wie die Jugendlichen, mit denen er debattiert hat, ging Stephan Weil noch in Hannover zur Schule. Ein paar Jahre später, mit 21 Jahren, trat er in die SPD ein. Es war die Zeit des Regierungschefs Ernst Albrecht, des ersten Christdemokraten, der die sozialdemokratische Dominanz in Niedersachsen durchbrach – und der zum Regierungschef mit der längsten Amtszeit in der Landesgeschichte werden sollte: 14 Jahre, von Februar 1976 bis Juni 1990.

Weil könnte ihm diesen Rekord abnehmen, sollte er gewinnen und bis zum Ende der Wahlperiode im Amt bleiben. Unaufgeregt, wie es seine Art ist – ganz anders als die Polterer Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel, die ebenfalls in der niedersächsischen Staatskanzlei regiert haben.

Niedersachsen: „Putin viel zu lange unterschätzt“, gesteht Weil ein

Apropos Schröder: Der Ex-Kanzler aus Hannover hat sich mit seiner Russlandnähe in Zeiten des Angriffskriegs landesweit ins Abseits katapultiert. „Es ist nicht akzeptabel, wie er den Krieg verharmlost. Damit hat er sein Ansehen stark beschädigt“, hat Weil dazu klargestellt.

Die SPD führt in einer Umfrage kurz vor der Wahl. Quelle: Forschungsgruppe Wahlen.
Die SPD führt in einer Umfrage kurz vor der Wahl. Quelle: Forschungsgruppe Wahlen. © FR/Forschungsgruppe Wahlen

Und Weil? Auch er ärgert sich über die eigene Blauäugigkeit gegenüber dem Wladimir Putin und seinem System. Er habe „die Bereitschaft zur Aggression und zum Imperialismus des Systems Putin viel zu lange unterschätzt“, gestand er ein. Um hinzuzufügen, dass es den allermeisten Politikerinnen und Politikern ähnlich gegangen sei. Das sei aber „nur ein schwacher Trost“.

Niedersachsen: Folgen des Kriegs auch hier spürbar

Nun muss Deutschland die Folgen der fatalen Energie-Abhängigkeit von Russland tragen – durch hohe Energiepreise. Das ist derzeit die größte Herausforderung für die Politik in der Republik, nicht zuletzt für Stephan Weil. Er reist durchs große Niedersachsen, damit auch wirklich alle erfahren, dass seine Regierung sie nicht alleine lässt. „Direkt, schnell, unbürokratisch“ solle geholfen werden, hat er im Wahl-Duell im Fernsehen angekündigt. „noch in diesem Jahr“ müsse ein „Sofortprogramm“ wirken.

Dem Niedersachsen kommt es entgegen, dass er gerade jetzt bundesweit in Erscheinung tritt. Als turnusmäßiger Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz saß er kürzlich nach dem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf dem Podium.

Niedersachsen: Weil hofft auf Rot-Grün

Gut für ihn, dass der Bund mit dem „Doppel-Wumms“ von 200 Milliarden Euro versucht, den Menschen die Sorgen vor den hohen Energiepreisen zu nehmen. Weniger gut, dass nach den Beratungen zwischen Bund und Ländern niemand weiß, wie das alles finanziert werden soll. Weil bleibt also nicht viel mehr, als die Beratungen „sehr konstruktiv“ zu nennen.

Zum Jahresende soll bereits, so hofft der Sozialdemokrat, Rot-Grün stehen und nach fünf Jahren die rot-schwarze Zwangsgemeinschaft beenden. Falls es für SPD und Grüne gemeinsam nicht reichen sollte, könnte auch eine Ampelkoalition wie im Bund zum Tragen kommen, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Doch einfacher wäre für ihn Rot-Grün. Von 2013 bis 2017 habe er in einer Landesregierung mit den Grünen „gute Erfahrungen gemacht, daran möchte ich gerne anknüpfen“, betont Weil. (Pitt von Bebenburg)

Politikwissenschaftler Philipp Köker hält eine rot-grüne Regierung für die wahrscheinlichste Option.

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