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Niedersachsen: Althusmann fordert Weil – der zweite Mann

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Von: Pitt von Bebenburg

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Bei der Landtagswahl in Niedersachsen fordert Bernd Althusmann den derzeitigen Amtsinhaber Stephan Weil heraus.

Hannover – Wechselt Niedersachsen den Ministerpräsidenten? Wenn es nach CDU-Bewerber Bernd Althusmann ginge, vermutlich ja. Wie sich der Koalitionspartner und Herausforderer im Wahlkampf schlägt – ein Porträt.

Tilda darf nicht fehlen im Wahlkampf des niedersächsischen Herausforderers Bernd Althusmann. Denn Tilda will nicht studieren. Der Berufswunsch, den die jüngste Tochter des CDU-Politikers und niedersächsischen Wirtschaftsministers hegt, lautet: entweder Tischlerin oder Polizeibeamtin.

Nun ist Tilda erst elf Jahre alt. Sie feiert genau am Wahltag in Niedersachsen, dem 9. Oktober, ihren zwölften Geburtstag. Aber das Mädchen fehlt in kaum einer Rede des 55-jährigen Ex-Offiziers, der Amtsinhaber Stephan Weil (SPD) ablösen möchte. Denn sie steht für etwas, was Althusmann fördern will: die Begeisterung für Ausbildungsberufe. Da fehle der Nachwuchs, während mehr junge Leute studierten als gebraucht würden, argumentiert er.

CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann ist trotz mäßiger Umfragewerte vom Wahlsieg überzeugt. Foto: Imago Images.
CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann ist trotz mäßiger Umfragewerte vom Wahlsieg überzeugt. Foto: Imago Images. © Imago

Niedersachsen: Althusmann setzt auf Persönliches

Althusmann versucht immer wieder, etwas Persönliches in seine Auftritte einzubringen. Da geht es um die drei Jahre, in denen er mit seiner Familie in den Süden Afrikas gezogen war. Oder um seinen Vater, der schwer pflegebedürftig war, ehe er starb. Der Christdemokrat will den Wählerinnen und Wählern zeigen, dass er Lebenserfahrung in vielen Facetten mitbringt, die bei politischen Entscheidungen hilfreich sein kann.

Doch ihm fehlt die Lockerheit. Mit seiner sonoren Stimme und den häufigen Kunstpausen, wirkt er überhaupt nicht angriffslustig, sondern behäbig. In Debatten rutschen Althusmann Worte wie „der wissenschaftspropädeutische Anspruch“ heraus, und ihm scheint nicht in den Sinn zu kommen, dass nicht alle dieser Fachsprache folgen können.

Niedersachsen: Althusmanns Rolle als zweiter Mann

Das alles passt zu seiner Rolle als zweiter Mann in der großen Koalition unter Sozialdemokrat Weil. Aber nicht zu seinem Ziel, selbst in die Staatskanzlei einzuziehen.

Die SPD in Niedersachsen führt in Umfragen kurz vor der Wahl. Quelle: Forschungsgruppe Wahlen.
Die SPD in Niedersachsen führt in Umfragen kurz vor der Wahl. Quelle: Forschungsgruppe Wahlen. © Forschungsgruppe Wahlen

Fernsehteams warten nach einer Veranstaltung im Landtag von Hannover auf ihn. Althusmann geht einen Schritt auf die Kamera zu, es soll schwungvoll aussehen, er breitet die Arme aus und spricht: „Meine Damen und Herren, die CDU in Niedersachsen ist stärkste Kraft. Sie hat einen klaren Regierungsauftrag, wir freuen uns auf die Koalitionsgespräche.“

Niedersachsen: Althusmann kritisiert Ampel-Regierung in Berlin

Es ist ein kleines Schauspiel, während die Kamera noch nicht läuft, ein Scherz, aber irgendwie auch nicht. Natürlich würde sich der CDU-Spitzenkandidat wünschen, dass er diese Sätze am Sonntagabend in allem Ernst von sich geben kann, aber er weiß, dass die Chancen nur mäßig stehen. „Ich bin davon überzeugt“, schiebt er also mit einem schiefen Lächeln hinterher.

Die Abgrenzung von Weils niedersächsischer Regierungspolitik fällt Althusmann naturgemäß schwer, schließlich ist er selbst Teil dieser Regierung. Umso leichter fällt es ihm, sich von der Ampel-Regierung in Berlin abzusetzen und deren mangelnden Einsatz für den Mittelstand in Zeiten der Energiepreiskrise anzuprangern. Vor dem 200-Milliarden-Versprechen von Olaf Scholz war das leichter für ihn. Nun gibt es das Versprechen, kleinen Handwerksbetrieben zu helfen, nicht nur von ihm, sondern auch aus Berlin.

Ach ja, der Mittelstand. Wenn Tilda tatsächlich Tischlerin oder Polizeibeamtin wird, gehört sie genau zu dem Teil der Gesellschaft, den Althusmann ansprechen will. Doch selbst dieses schöne Bild kassiert Althusmann am Ende der Debatte wieder ein. Der Berufswunsch komme noch ziemlich früh, sagt er mit Blick auf Tilda. „Ich denke, das wird sich im Laufe der nächsten Jahre noch ändern.“ (Pitt von Bebenburg)

Althusmann nimmt es bei der Wahl mit dem Amtsinhaber Stephan Weil auf. Politikwissenschaftler Philipp Köker hält eine rot-grüne Regierung für die wahrscheinlichste Option.

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