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Ein verzweifelter deutscher Soldat an seinem zerschossenen Geschütz, hinten ein Toter.

Zweiter Weltkrieg

Tag der Niederlage, Tag des Feierns

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Der 8. Mai soll ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland werden. Meinen viele Menschen in Deutschland. Außer AfD-Oberer Alexander Gauland. Der trauert wegen der Niederlage.

Mehr als 80 000 Menschen haben bereits eine Petition unterschrieben, mit der der Tag des Kriegsendes 1945 zum gesetzliche Feiertag würde. Initiiert haben die Petition für den 8. Mai die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten.

Bejarano, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees Deutschland, hatte bereits im Januar einen offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben: „Der 8. Mai muss ein Feiertag werden!“ Und weiter: „Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt unterstützt Bejaranos Forderung: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung, der das demokratische Deutschland erst möglich machte. Der 8. Mai als Feiertag mahnt uns, die deutschen Verbrechen nicht zu relativieren – und wäre ein bleibender ,Pflock‘ in der deutschen Erinnerungskultur“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Und FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hätte gern einen europaweiten Feiertag am 8. Mai. Zustimmung kommt auch von den Linken. Parteichefin Katja Kipping sagt: „Ob der Tag zum ausgelassenen Feiern, zum stillen Gedenken oder zum Besuch einer Gedenkstätte genutzt wird, hängt dann von jedes einzelnen Familiengeschichte und der jeweiligen persönlichen Verbindungen zu diesem Tag ab. Um eine Verbindung mit diesem Datum in kommenden Generationen zu erhalten, sollte der Tag der Befreiung jedoch als ein besonderer Tag im Bewusstsein verankert werden.“

Die AfD lehnt Bejaranos Vorschlag rundheraus ab. „Man kann den 8. Mai nicht zum Glückstag für Deutschland machen“, sagt Fraktionschef Alexander Gauland. Der Tag sei zu ambivalent. „Für die KZ-Insassen ist er ein Tag der Befreiung gewesen. Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands (…).“

Der Historiker Martin Sabrow plädiert dafür, den 8. Mai als „Tag der Befreiung und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs“ zu begehen: „Die Bundesrepublik würde der Entwicklung ihrer Erinnerungskultur angemessen Rechnung tragen“, wenn sie das Datum zum gesetzlichen Feiertag erhebt. Der 8. Mai ist in diesem Jahr einmalig und nur im Land Berlin ein Feiertag.

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