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Nick Ayers (l.) und John Kelly

Stabschef im Weißen Haus

Nick Ayers sagt Donald Trump ab

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Russland-Ermittlungen und Personalchaos vermiesen dem US-Präsidenten die vorweihnachtliche Stimmung. Stabschef Kelly verlässt das Weiße Haus, der Favorit auf die Nachfolge sagt ab.

Die Lichter an der 29 Meter hohen Tanne vor dem Weißen Haus strahlten. Drinnen stand am Sonntagabend ein besinnlicher Vorweihnachtsempfang auf dem Programm. Doch von friedlicher Stimmung war am zweiten Adventswochenende bei Donald Trump wenig zu spüren.

Erst schmähte der US-Präsident auf Twitter seinen ehemaligen Außenminister Rex Tillerson, den er „dumm wie Stroh“ nannte, dann polterte er gegen den Klimaschutz, bevor er sich ausgiebig seinem Dauerthema zuwandte – der Russland-Untersuchung: „Zeit, die Hexenjagd zu BEENDEN!“, verlangte er.

Trumps angespannte Stimmung hat gute Gründe: Die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller rücken immer näher an ihn heran. Zahlreiche seiner Vertrauten sind inzwischen der Lüge überführt, der Verdacht, dass sie mit Wissen oder auf Weisung des Chefs arbeiteten, liegt nahe. Mit ihrer neuen Mehrheit im Repräsentantenhaus werden die Demokraten die Aufklärung im neuen Jahr vorantreiben.

Zugleich leidet die US-Wirtschaft zunehmend unter Trumps Handelskrieg. Die Börsenkurse fallen. Und das von Personalquerelen und Intrigen durchgeschüttelte Weiße Haus hat keine erkennbare Krisenstrategie. 

Ivanka Trump und Jared Kushner schießen quer

Am Sonnabend hatte Trump den Abschied seines Stabschefs John Kelly bekannt gegeben. Der ehemalige Vier-Sterne-General war im Juli 2017 eingestellt worden, um Ordnung in die chaotische Regierungsarbeit zu bringen. Tatsächlich sorgte er zeitweise für eine gewisse Disziplin und drängte den Chefideologen Stephen Bannon aus dem Weißen Haus. Doch seit Kelly die rassistische Rhetorik des Präsidenten nach rechtsradikalen Krawallen verteidigte und die Trennung von Familien an der mexikanischen Grenze unterstütze, war sein Ruf als Vertreter der Vernunft lädiert.

Letztlich scheiterte der 68-Jährige aber an den Querschüssen von Trumps Tochter Ivanka und ihrem Mann Jared Kushner sowie dem Präsidenten selbst, der sich zuletzt immer despektierlicher über den General äußerte. Dass Kelly Medienberichten zufolge Trump im Frühjahr intern einen „Idioten“ nannte, dürfte die Beziehung kaum verbessert haben. 

Als Nachfolger war zunächst Nick Ayers im Gespräch. Der 36-jährige Stabschef von Vizepräsident Mike Pence gilt als Karrierist und hat im Washingtoner Beratungsgeschäft Millionen verdient, er gilt als bestens vernetzt. Seine Kontakte zum politischen Establishment hätten für Trump sehr wichtig werden können, denn in der Russland-Affäre erhärtet sich der Verdacht, dass er aus wirtschaftlichen und politischen Motiven während des Wahlkampfes krumme Geschäfte machte.

Doch Ayers gab Trump schließlich einen Korb: Über Twitter teilte er mit, er werde das Weiße Haus verlassen und deutete einen Umzug in seinen Heimat-Bundesstaat Georgia an. Er wolle allerdings weiterhin für den Trump-Wahlkampf arbeiten. 

Neue Schriftsätze der Staatsanwaltschaft unterstellen, dass das Trump-Lager deutlich früher und länger als bislang eingeräumt direkte Kontakte mit Moskau hatte. Dabei soll es sowohl um die mögliche Beeinflussung der US-Wahlen wie um Trumps Geschäftsprojekt eines Hochhauses mit Luxuswohnungen in der russischen Hauptstadt gegangen sein. Außerdem beschuldigt Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen seinen früheren Chef, ihn zur Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und eine weitere Ex-Affäre angehalten zu haben. Trump will von den Transfers nichts gewusst haben, die gegen das Parteienfinanzierungsgesetz verstoßen. (mit dpa)

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