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Putins größte Schwäche: Experten sprechen über Achillesferse des Kreml

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Von: Andreas Apetz

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Russlands Staatschef Wladimir Putin
Russlands Staatschef Wladimir Putin. (Archivfoto) © Sergey Guneev/dpa

Ein Sieg auf der Krim gehört sowohl für Russland als auch für die Ukraine zu den zentralen Kriegszielen. Welche Folgen hätte eine Niederlage für Putin?

Moskau – Am 24. Februar 2023 jährt sich der Ukraine-Krieg. Auch nach zwölf blutigen Monat scheint noch kein Ende der russischen „Spezialoperation“ in Sicht zu sein – im Gegenteil: Informationen aus Kreml-Kreisen zufolge wolle Präsident Wladimir Putin mittels Teilmobilisierung sein Militär im Frühjahr 2023 um weitere 100.000 Soldaten aufstocken. Alles deutet auf einen lange anhaltenden Krieg hin.

Für Putin selbst könnte der Konflikt in der Ukraine jedoch in einer fatalen Niederlage enden. Denn: Die Krim könnte zur Achillesferse des russischen Präsidenten werden. Bei einem Verlust der Halbinsel würde er aller Voraussicht nach jeglichen Rückhalt in den eigenen Reihen verlieren. Das behaupten mehrere Militär- und Russlandexperten im Gespräch mit dem amerikanische Nachrichtenportal Newsweek.

Konflikt auf der Krim: Experten halten Rückeroberung für „realistisch“

Die Krim hat sich zu einem zentralen Punkt im Krieg in der Ukraine entwickelt. Die Befreiung der Halbinsel hat beim ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj oberste Priorität. Im Verlaufe des Ukraine-Kriegs äußerte der Präsident nun mehrmals, dass es das Ziel sei, die besetzte Krim zurückzuerobern. Nachdem das ukrainische Militär immer wieder erfolgreiche Gegenoffensiven im Osten des Landes vorzeigen konnte, rücken die verteidigenden Streitkräfte nun auch auf den Süden des Landes zu.

Im Gespräch mit dem Nachrichtendienst Newsweek hält der ehemalige Major der US-Armee und Vorsitzender des Madison Policy Forum für Urban Warfare Studies, John Spencer, eine militärische Rückeroberung der Krim für möglich. „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass das ukrainische Militär militärisch eine Situation schaffen könnte, in der es für russische Verbände nicht länger vertretbar wäre, sich auf der Krim aufzuhalten“, sagte Spencer. Dem schließt sich auch Sean Spoonts, Veteran der US-Marine und Chefredakteur des militärischen Nachirchtenmagazins SOFREP, an. Eine gewaltsame Einnahme sei „durchaus realistisch.“

Putins größte Schwäche: Was der Verlust der Krim bewirken würde

Doch was würde eine Niederlage auf der Krim für Putin bedeuten? Die Positionen beider Parteien sind klar: Ukraine hat die Rückeroberung zum offiziellen Kriegsziel erklärt, Russland annektierte die Halbinsel im Jahr 2014 und ernannte sie zu russischem Gebiet. Einen Kompromiss in dieser Situation halten Expertinnen und Experten für ausgeschlossen.

Der Gedanke, die Krim sei rechtmäßig besetzte, ist tief in der russischen Propaganda verankert. Ein Rückzug würde „in Russland den Eindruck erwecken, dass Putin nicht in der Lage ist, die Dinge zu regeln. Es würde ihn definitiv politisch schwächen“, sagt der Geschichtsprofessor der Catholic University of America, Michael Kimmage, gegenüber Newsweek. Daneben könnte Putin den Zorn der russischen Elite auf sich lenken. Wie Spoonts gegenüber Newsweek sagt, hätte die Oligarchenklasse hohe Summen in die Krim investiert. Neben Hotels, Ressorts und Häusern habe Russland „riesige Summen in die Region gesteckt, um Straßen, Brücken, Häfen und ein Getreideterminal zu bauen. All das würden sie verlieren.“

Militärexperte Spoonts prognostiziert drastischere Konsequenzen für den Kreml-Chef im Falle einer Niederlage auf der Halbinsel und befürchtet neben fehlendem Rückhalt im Kreml auch einen gewaltsam erzwungenen Führungswechsel: „Putin könnte feststellen, dass die Generäle in der Armee, die Führung seiner Regierung und die Oligarchen Druck auf ihn ausüben, damit er zurücktritt.“ Sollte er nicht freiwillig seinen Rücktritt antreten, so müsse Putin mit tödlichen Attentaten „nach den Gepflogenheiten des russischen Führungswechsels“ rechnen, so Spoonts.

Situation auf der Krim: Kommt es zu Friedensverhandlungen?

Einen Pfad zu möglichen Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine wird es wohl in nächster Zeit nicht geben. Erst im Dezember vergangenen Jahres beteuerte Putin im Gespräch im Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die Annexion der Krim sei überhaupt die Basis für ein Gespräch mit Selenskyj. Am Ende eines Kriegs kommt es allerdings immer zu Verhandlungen. Ob Putin an diesem Gespräch teilnehmen wird und ob die Krim dann noch integraler Bestandteil dieser Verhandlungen sein wird, bleibt abzuwarten. (aa)

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