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Sturm auf Stahlwerk in Mariupol? Russland will wohl Korridor für Soldaten

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Von: Tobias Utz

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Russische Soldaten in der umkämpften Stadt Mariupol in der Ukraine.
Russische Soldaten in der umkämpften Stadt Mariupol in der Ukraine. © Alexander Nemenov/AFP

In Mariupol kommt es wohl zum Angriff auf ein Stahlwerk, das als Zufluchtsort der Bevölkerung gilt. Spezialeinheiten der russischen Armee sind wohl beteiligt.

+++ 15.00 Uhr: Die russische Armee hat den in einem Stahlwerk in Mariupol verschanzten ukrainischen Soldaten einen sicheren Rückzug im Fall einer Kapitulation zugesagt. Die russischen Streitkräfte hätten „einen humanitären Korridor“ für die ukrainischen Soldaten und anderen Kämpfer eingerichtet, die „freiwillig ihre Waffen niedergelegt haben“, teilte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag (19.04.2022) mit.

Zuvor hatte Moskau den Einheiten in der seit Wochen umkämpften ukrainischen Hafenstadt erneut ein Ultimatum gestellt. Den Verteidigern von Mariupol werde „das Überleben garantiert“, wenn sie ab Mittag ihre Waffen niederlegten. In einer Waffenpause könnten dann „alle ukrainischen bewaffneten Einheiten und die ausländischen Söldner ohne Waffen und Munition herauskommen“.

Ukraine-Krieg: Russische Spezialeinheiten stürmen offenbar Stahlwerk in Mariupol - Neues Ultimatum gestellt

+++ 11.15 Uhr: Russland hat wegen der „katastrophalen Lage“ in der umkämpften Stadt Mariupol den in einem Stahlwerk eingeschlossenen ukrainischen Kämpfern ein weiteres Ultimatum gestellt. Die nationalistischen Kämpfer und ausländischen Söldner hätten mit Beginn 12.00 Uhr (11.00 Uhr MESZ) die Gelegenheit, die Gefechte einzustellen und ihre Waffen niederzulegen, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Moskau mit. Dann werde ihr Leben gerettet, hieß es. Zuvor hatten prorussische Separatisten mitgeteilt, dass die Erstürmung des Werks mit russischer Hilfe begonnen habe.

Ukraine-Krieg in Mariupol
Eine Satellitenaufnahme des Stahlwerks Azovstal in Mariupol, fotografiert am 12. April. © Maxar Technologies/AFP

Die Ukraine hatte kritisiert, dass Russland Bitten ausgeschlagen habe, dort einen humanitären Korridor einzurichten, damit sich Zivilisten, die in dem Stahlwerk Zuflucht gesucht hatten, in Sicherheit bringen können. Das russische Verteidigungsministerium wies Berichte zurück, dass es dort Frauen, Kinder und andere Zivilisten gebe. Wenig später teilte die Behörde in Moskau mit, aus „rein humanen Prinzipien“ noch eine Chance zur Kapitulation zu geben.

Ukraine-Krieg: Neues Ultimatum für Mariupol

Die Regierung in Kiew wurde aufgerufen, „Vernunft walten zu lassen und den Kämpfern entsprechende Anweisungen zu geben, diese sinnlose Konfrontation zu beenden“. Wenn der Befehl aus Kiew ausbleibe, sollten die Soldaten und Söldner von sich aus aufgeben. Wie andere Kämpfer in Mariupol, die aufgegeben hätten, sollten sie sich in russische Gefangenschaft begeben, hieß es.
Demnach sollte von 13.00 Uhr (12.00 Uhr MESZ) an eine Standleitung für die Kommunikation zwischen der russischen und ukrainischen Seite eingerichtet werden. Danach sollte eine Feuerpause von beiden Seiten in Kraft treten. Dazu sollten von ukrainischer Seite an dem Stahlwerk weiße Flaggen angebracht werden. Von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr (13.00 Uhr bis 15.00 Uhr MESZ) hätten die Kämpfer und Söldner Zeit, das Werk ohne Waffen zu verlassen.

Erstmeldung vom Dienstag, 19.04.2022, 10.00 Uhr: Mariupol – Offenbar haben Spezialeinheiten der russischen Armee mit dem Angriff auf das Stahlwerk Azovstal in der belagerten Hafenstadt Mariupol begonnen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Nexta unter Berufung auf das Innenministerium der selbsternannten „Donezker Volksrepublik“.

Die Stadtverwaltung von Mariupol berichtet seit Tagen davon, dass sich mehr als 1000 Menschen aus der Zivilbevölkerung, darunter viele Kinder, in den Kellergewölben des Stahlwerks verschanzt haben sollen. Denis Puschilin, Anführer der pro-russischen „Donezker Volksrepublik“, erklärte in einem Statement, dass man das Stahlwerk nun „befreien“ wolle. Im Inneren des Stahlwerks befinden sich neben wenig verbliebenen Soldaten der ukrainischen Armee auch die Kämpfer des rechtsextremen Asow-Regiments.

Derweil spitzt sich die humanitäre Lage in Mariupol im Ukraine-Krieg* zu. Ein Kommandeur der ukrainischen Armee hat deshalb einen emotionalen Hilferuf veröffentlicht. (tu/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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