1. Startseite
  2. Politik

Proteste in Russland: Menschen demonstrieren gegen „sinnlosesten Krieg unserer Geschichte“

Erstellt:

Von: Vincent Büssow, Sophia Lother

Kommentare

In Russland werden mehr als 1700 Menschen nach Protesten gegen den Einmarsch in die Ukraine festgenommen. Der ukrainische Präsident fordert: „Kämpft gegen diesen Krieg.“

>>> News-Ticker aktualisieren <<<

+++ 14.00 Uhr: In Russland schallt Wladimir Putin nach dem Einmarsch die Ukraine teilweise lautstarke Kritik entgegen. Die Losung der Menschen, die am Donnerstag (24.02.2022) auf die Straße gingen, lautete „Nein zum Krieg“. Nach Angaben von Ravina Shamdasanin geht die UN davon aus, dass „mehr als 1800 Demonstranten verhaftet wurden“ (s. Update v. 09.45 Uhr). Die Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros sagte vor Journalisten und Journalistinnen in Genf, dass „die Festnahme von Menschen, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung oder friedliche Versammlung wahrnehmen“, eine willkürliche Freiheitsberaubung darstelle.

Unter den Verhafteten befand sich auch der Soziologe Grigoriij Judin, der in Russland als einer der bekanntesten Putin-Kritiker gilt. Judin bezeichnete den Ukraine-Krieg als „sinnlosesten aller Kriege unserer Geschichte“. Mit den Menschen in der Ukraine dürfe keinesfalls gekämpft werden, denn wenn es nicht gelinge, sich mit ihnen zu verständigen, „dann sind wir nicht in der Lage, mit irgendjemandem Freundschaft zu pflegen. Wir bleiben alleine gegen die ganze Welt und verlieren schwer.“

Judin verbrachte die Nacht im Krankenhaus. Wie die Menschenrechtsorganisation OWD-Info mitteilte, wurde er nach seiner Festnahme auf dem Polizeirevier geschlagen und verlor dabei das Bewusstsein. Heute Morgen meldete sich Judin auf Facebook zu Wort. Er bedankte sich für die Unterstützung, inzwischen sei er aus dem Krankenhaus entlassen worden: „Wenn es auf der Welt so viel Liebe und Güte gibt, muss die Finsternis weichen.“

Ukraine-Konflikt
Polizisten halten Demonstranten während eines Protests gegen Russlands Angriff auf die Ukraine fest.  © Dmitry Serebryakov/dpa

Ukraine-Krieg: Selenskyi appelliert ans Volk in Russland

+++ 12.00 Uhr: Die Proteste in Russland gegen den Einmarsch der Truppen in die Ukraine sind auch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht entgangen. Bei seiner nächtlichen Ansprache hat sich Selenskyj auch direkt ans russische Volk gewandt: „Liebe Bürger der Russischen Föderation, wie ich bereits sagte, wurde heute Nacht begonnen, Wohngebiete der Heldenstadt Kiew zu bombardieren. Das alles erinnert an 1941.“ Damals begann nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion der Zweite Weltkrieg für das damalige kommunistische Imperium, zu dem die Ukraine gehörte.

Mit Blick auf die Menschen, die trotz Strafandrohung in Moskau und anderen Städten gegen den Krieg demonstrierten, fügte Selenskyj hinzu: „Alle Bürger, die protestieren: Wir sehen euch. Das bedeutet, dass ihr uns gehört habt. Das bedeutet, dass ihr beginnt, uns zu vertrauen. Kämpft für uns. Kämpft gegen den Krieg.“ Uniformierte russische Sicherheitskräfte gingen dabei teils mit roher Gewalt vor. Es gab mehr als 1700 Festnahmen bei den Protesten in 55 Städten Russlands (s. Update v. 09.45 Uhr).

Krisensitzung in Kiew
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj richtete - auf Russisch - einen Aufruf zum Widerstand an die Menschen in Russland.  © Ukrainian President‘s Office/Zuma Press Wire Service/dpa

Ukraine-Krieg: Nobelpreisträger Muratow greift Putin an

Update vom Freitag, 25.02.2022, 09.45 Uhr: In Russland wurden bei Protesten gegen den Einmarsch in die Ukraine nach Angaben von Aktivistinnen und Aktivisten fast 1700 Menschen festgenommen. Wie die Menschenrechtsorganisation OVD-Info mitteilte, waren trotz eines Demonstrationsverbots tausende Menschen auf die Straße gegangen, vor allem in Moskau und St. Petersburg.

Unterdessen hat Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow vor schweren Folgen für Russland wegen des Angriffs auf das Nachbarland Ukraine gewarnt. „(Präsident Wladimir) Putin hat seinem Land irreparablen Schaden zugefügt“, sagte Muratow der BBC in Moskau. Am 24. Februar sei Russland die Zukunft gestohlen worden, sagte der Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta. „Unser friedliebendes russisches Volk wird jetzt den Hass der Welt zu spüren bekommen. Denn wir haben im Herzen von Europa den dritten Weltkrieg begonnen.“

Die Nowaja Gaseta erschien am heutigen Freitag mit einem zweisprachigen Titel in Russisch und Ukrainisch. „Denn wir erkennen die Ukraine nicht als Feind an und Ukrainisch nicht als Sprache des Feindes. Und wir werden dies nie anerkennen“, sagte Muratow der Zeitung zufolge.

Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow
Dmitri Muratow, Chefredakteur der Moskauer Zeitung Nowaja Gaseta. © Hakon Mosvold Larsen/NTB Scanpix/AP/dpa

Nach Einmarsch in die Ukraine: Russland geht hart gegen Protestwelle vor

+++ 20.30 Uhr: Bei Protesten gegen den Einmarsch in die Ukraine sind in Russland nach Angaben von Aktivisten fast 1700 Menschen festgenommen worden. Die Menschenrechtsorganisation OVD-Info registrierte nach eigenen Angaben bis Donnerstagabend mindestens 1391 Festnahmen in 51 russischen Städten, davon allein mehr als 700 in der Hauptstadt Moskau und mehr als 340 in der zweitgrößten Stadt St. Petersburg. Auf dem Moskauer Puschkin-Platz beobachten AFP-Journalisten dutzende Festnahmen.

+++ 19.45 Uhr: Mindestens 788 Menschen sind bei Anti-Kriegs-Protesten in Russland festgenommen worden. Dies teilte die Menschenrechtsorganisation OVD-Info am Donnerstag (24.02.2022) mit. Die Zahl der Festnahmen sowie die der Teilnehmenden ist deutlich höher als zunächst gemeldet (siehe Erstmeldung).

Polizisten halten einen Demonstranten während einer Demonstration gegen den Einmarsch Russlands in der Ukraine in Moskau fest
Polizisten halten einen Demonstranten während einer Demonstration gegen den Einmarsch Russlands in der Ukraine in Moskau fest. © Alexander Nemenov/afp

Die Festnahmen bei Demonstrationen, die sich gegen die Invasion der Ukraine richten, fanden demnach in 42 Städten statt. Die meisten Teilnehmer versammelten sich dabei in Moskau, wo allein auf dem Puschkin-Platz rund 2000 Menschen protestierten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichten. In der Hauptstadt wurden mehr als 330 Menschen festgenommen. Auch in der zweitgrößten Stadt, St. Petersburg, waren laut AFP-Reportern etwa 1000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt, die von den russischen Behörden verboten worden waren.

Ukraine-Konflikt: Russland geht hart gegen Anti-Kriegs-Proteste vor – 167 Festnahmen

Erstmeldung vom 24.02.2022, 18.34 Uhr: Moskau/St. Petersburg – Der Ukraine-Konflikt ist eskaliert, Russland hat eine Angriffswelle* auf das Nachbarland gestartet. Das Vorgehen Wladimir Putins* hat in großen Teilen der Welt für Entrüstung gesorgt. Weitere Sanktionen wurden angekündigt.

Doch auch im Inland stellen sich viele gegen das Vorgehen Russlands gegen die Ukraine. Nach Aufrufen zu Demonstrationen hatten die russischen Behörden Proteste gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine untersagt und Teilnehmenden solcher Kundgebungen mit Strafen gedroht. Wer an Kundgebungen zur „angespannten außenpolitischen Lage“ teilnehme, werde strafrechtlich verfolgt. Auch Aufrufe zur Teilnahme an solchen Veranstaltungen würden „ernsthafte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, erklärte das Investigativkomitee laut der Nachrichtenagentur AFP. Doch das hielt viele Demonstrierende nicht ab.

Russische Polizeikräfte führen eine Person bei einer Anti-Kriegs-Demonstration ab.
Russische Polizeikräfte führen eine Person bei einer Anti-Kriegs-Demonstration ab. © Alexander Nemenov/AFP

Ukraine-Krieg: In Russland gehen Demonstrierende gegen den Konflikt auf die Straße

Trotz der Drohungen fanden in Moskau, St. Petersburg und anderen Regionen Anti-Kriegs-Demonstrationen statt – die Polizei ging hart vor. Auf dem Puschkin-Platz in Moskau nahmen die Sicherheitskräfte dutzende Menschen fest, wie Journalist:innen der Nachrichtenagentur AFP berichteten. In St. Petersburg wurden rund 20 Demonstrantinnen und Demonstranten festgenommen.

Das Bürgerrechtsportal Owd-Info zählte bis zum frühen Donnerstagabend (24.02.2022) 167 Festnahmen in mehr als 20 russischen Städten, berichtet die Deutsche Presseagentur. Die Organisation veröffentlichte im sozialen Netzwerk Telegram Fotos von Menschen, die alleine oder in kleineren Gruppen Plakate mit Solidaritätsbekundungen für die Ukraine in die Höhe hielten. Bei den Festnahmen sollen demnach Demonstrierende auch geschlagen worden sein.

Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eskaliert: Alexej Nawalny wird deutlich

Die russische Oppositionsbewegung ist in den vergangenen zwei Jahren jedoch deutlich geschwächt worden. Die wichtigsten Führungspersonen wurden inhaftiert oder ins Exil getrieben. Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny* hatte den russischen Einmarsch in die Ukraine scharf kritisiert. „Ich bin gegen diesen Krieg“, sagte er. Bei dem „Krieg zwischen Russland und der Ukraine“ handele es sich um ein Manöver des Kreml, um von den innenpolitischen Problemen in Russland abzulenken. (slo/vbu mit dpa/afp)*fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare