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Syrien: Russland „provoziert“ USA mit Luftangriffen auf Verbündete

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Von: Lukas Zigo

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Russische Angriffe auf US-Einrichtungen und Soldaten in Syrien könnten zu einer Eskalation des fast 2000 Kilometer entfernten Ukraine-Krieg führen.

Al-Tanf – In der vergangenen Woche wäre es beinahe zu direkten Kämpfen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland in Syrien gekommen. Das Wall Street Journal berichtete über einen russischen Luftangriff auf eine Militärbasis in Syrien, wobei in der al-Tanf-Garnison keine amerikanischen Streitkräfte verwundet oder getötet wurden, da sie sich nicht vor Ort aufhielten. Russland hatte im Voraus erklärt, es ziele auf Kräfte, die gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad seien. Es war eine von mehreren brenzligen Situationen im Juni.

Al-Tanf ist ein US-Außenposten im Südosten Syriens nahe Jordanien. Die amerikanischen Truppen nutzen ihn als Operationsbasis für die Terrorismusbekämpfung und die Ausbildung lokaler verbündeter kurdischer Kräfte im Kampf gegen die Reste des IS (Terrororganisation „Islamischer Staat“). Knapp 1000 US-Soldaten befinden sich in Syrien. Die genaue Truppenzahl in Al-Tanf ist unbekannt, Berichten zufolge liegt sie etwa bei 150 - 200, wobei die meisten Amerikaner dort Teil von Spezialeinheiten sind.

US-General: Ziel ist es, „Fehlkalkulationen“ mit Russland in Syrien zu vermeiden

Das Wall Street Journal zitierte den Leiter des US-Zentralkommandos, General Erik Kurilla; demnach bleibe das Ziel, eine „Fehlkalkulation“ in Syrien mit Russland zu vermeiden. Kurilla bezeichnete das russische Vorgehen als „eskalierend“. Die Administration Joe Bidens ist äußerst bedacht darauf, US-Truppen aus der Ukraine herauszuhalten. Aus Angst vor einem direkten Konflikt mit russischen Soldaten wurden selbst militärische Ausbilder aus der Ukraine zurückgezogen.

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Türkische und amerikanische Streitkräfte führen ihre erste gemeinsame Bodenpatrouille in der sogenannten „Sicherheitszone“ auf der syrischen Seite der Grenze zur Türkei durch. © Maya Alleruzzo/dpa

Trotz dieser Vorsicht der USA, direkte Kämpfe mit Russland auch in Syrien zu vermeiden – es gibt eine Direktverbindung zwischen beiden Streitkräften, um Feuergefechte zu verhindern –, haben sie immer noch hunderte Soldaten im Land. Syrien selbst befindet sich in einem blutigen Bürgerkrieg und ist mit zahlreichen bewaffneten Konflikten konfrontiert.

Zu denen gehört auch ein Feuergefecht in der vergangenen Woche, bei dem amerikanische Truppen einen IS-Kommandeur festnahmen. Per Hubschrauber eingeflogene Truppen landeten in Nordsyrien in der Nähe der türkischen Grenze und nahmen den ungenannten Kommandeur fest. Während der Razzia schickten die Russen Kampfjets als Antwort auf die Hubschrauber; amerikanische Flugzeuge starteten als Antwort darauf, doch der Konflikt eskalierte nicht.

Syrien: Russische Truppen blockierten amerikanischen Konvoi

Die Bombardierung von Al-Tanf ist einer von mehreren Zusammenstößen zwischen russischen und westlichen Truppen in diesem Jahr. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine gab es mehrere Momente, in denen Nato-Flugzeuge über Europa zusammengezogen wurden, um russische Flugzeuge zu warnen.

In Syrien jedoch gab es mehrere brenzlige Situationen, seit die USA 2014 im Land präsent sind. Im Jahr 2020 blockierten russische Fahrzeuge kurzzeitig einen amerikanischen Konvoi, was das CENTCOM (United States Central Command) damals als „nicht ganz perfektes Verhalten“ abtat.

Syrien: Russland forderte die USA auf, den Stützpunkt zu verlassen

Dennoch, Russland betrachtet die amerikanischen Streitkräfte im Land als illegal und hat diese aufgefordert, al-Tanf zu verlassen. Im Jahr 2016 bombardierte Russland denselben Stützpunkt al-Tanf, der sich in der Nähe einer Hauptverkehrsstraße befindet - erneut während der Abwesenheit von US-Truppen im Rahmen eines Angriffs auf Anti-Assad-Elemente.

Im Februar 2018 kam es zu einem Feuergefecht zwischen amerikanischen Truppen und einem Zusammenschluss von russischen Söldnern der Wagner-Gruppe und regimetreuen Kämpfern. Bei diesem Gefecht töteten etwa 30 US-Soldaten mit Luftunterstützung und später mit Verstärkung am Boden fast 300 der 500 Kämpfer. (lz)

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