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Moskau und der Ukraine-Krieg: Wo sind Russlands Männer hin?

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Von: Kira Müller

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In Russlands Hauptstadt sind wegen Putins „Teilmobilisierung“ merklich weniger Männer auf den Straßen. Einige sind geflohen, viele wurden zum Ukraine-Krieg einberufen.

Moskau – In der Hauptstadt Russlands zeigt sich ein verändertes Bild. Merklich weniger Männer besuchen in Moskau Restaurants, Geschäfte und gesellschaftliche Zusammenkünfte. Viele wurden zum Kampf in der Ukraine einberufen. Andere sind geflohen, um der Einberufung zu entgehen.

Viele Männer sind aus Russland geflohen, um der „Teilmobilisierung“ von Präsident Wladimir Putin zu entgehen. Dabei sollen hunderttausende Männer für den Militäreinsatz in der Ukraine einberufen werden. Wegen der Angst vor einer Einberufung halten die Männer sich von der Straße fern. Wie die New York Times berichtete, habe eine Russin beobachtet, dass die Behörden an den Ausgängen der U-Bahn-Stationen Dokumente überprüfen.

Einberufung: Rund 220.000 Männer betroffen – viele sind geflohen

Einige Männer verließen das Land, als der Krieg ausbrach, andere, die generell gegen den Kreml sind, flohen, weil sie eine Inhaftierung oder Unterdrückung befürchteten. Die Mehrheit der Männer wurden jedoch zum Militärdienst einberufen, wollte die Einberufung vermeiden oder befürchteten, dass Russlands Grenzen schließen würden. Viele verheiratete Frauen blieben allein in Moskau, als ihre Ehemänner flohen, entweder nachdem sie eine Povestka – einen Einberufungsbescheid – erhalten hatten oder bevor eine eintreffen konnte.

Ein russischer Rekrut und seine Frau küssen und umarmen sich zum Abschied vor einem militärischen Rekrutierungszentrum in Wolgograd.
Ukraine-Krieg: Soldaten wurden in Wolgograd rekrutiert © dpa/Uncredited

Eine genaue Zahl, wie viele Männer abgereist sind, ist nicht bekannt. Schätzungen liegen aber bereits bei Hunderttausenden von Männern, denn Wladimir Putin hatte am Freitag (14. Oktober) bereits verkündet, dass mindestens 220.000 Männer eingezogen worden seien.

„Ein Land der Frauen“: Männer verlassen Russland wegen des Krieges

Nach Angaben der dortigen Behörden seien mindestens 200.000 Männer ins benachbarte Kasachstan geflohen, das Russen ohne Pass betreten dürfen. Zehntausende andere sind nach Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Israel, Argentinien und Westeuropa gereist.

„Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt ein Land der Frauen sind“, zitierte die New York Times eine 33-jährige Fotografin. „Ich war auf der Suche nach männlichen Freunden, die mir beim Umzug von Möbeln helfen könnten, und mir wurde klar, dass fast alle gegangen waren.“

Russische Bürger warten in einem Behördenzentrum, um eine persönliche Identifikationsnummer für Kasachstan zu erhalten.
Flucht aus Russland: Russische Bürger warten in einem Behördenzentrum, um eine persönliche Identifikationsnummer für Kasachstan zu erhalten. © Vladimir Tretyakov/dpa

News zum Ukraine-Krieg: Wirtschaft leidet Innenstadt leer

Moskaus Bürgermeister gab am Montag (17. Oktober) bekannt, dass die Mobilisierung in der Hauptstadt offiziell beendet sei. Viele Unternehmen spüren dennoch bereits einen Abschwung.

In den zwei Wochen nach dem Aufruf ging die Zahl der Bestellungen in Moskauer Restaurants mit einem durchschnittlichen Scheck von mehr als 1.500 Rubel – etwa 25 Euro – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent zurück. Außerdem stehen viele Ladenfronten in der Innenstadt leer und Schaufenster, in denen den ganzen Sommer über die Schaufensterpuppen gewechselt hatten, sind zugeklebt. (Kira Müller)

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