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Putin stellt Bedingung für Gaslieferung an Deutschland – fehlen wichtige Unterlagen?

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Von: Tobias Utz

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Einem Bericht zufolge soll Russland wieder mehr Gas nach Deutschland liefern. Präsident Putin stellt dafür eine Bedingung.

+++ 14.30 Uhr: Der russische Staatskonzern Gazprom hat laut eigenen Angaben noch keine Dokumente für die Turbine erhalten, welche für die Pipeline Nord Stream 1 benötigt wird. Die Sicherheit der Gaslieferungen über die Pipeline müsste deshalb definitiv in Frage gestellt werden, so das Unternehmen in einem Statement auf Telegram: „Gazprom hat bis heute vom Konzern Siemens keine offiziellen Dokumente erhalten, die es unter den Bedingungen der Sanktionen Kanadas und der EU erlauben, den Gasturbinenmotor in die Kompressorstation ‚Portowaja‘ einzubauen“, heißt es darin. „Unter diesen Umständen hat Gazprom Siemens erneut gebeten, die Dokumente zur Verfügung zu stellen.“

Richtiger Kontakt für die russische Regierung beziehungsweise Gazprom wäre allerdings nicht Siemens, sondern die ausgegliederte Firma Siemens Energy. Aus den Veröffentlichungen von Gazprom geht jedoch nicht hervor, welches Unternehmen wegen der Turbine kontaktiert wurde.

Gaszähler
Ein Gaszähler in einem Keller zeigt den Gasverbrauch für die Heizung und Warmwasser im Haushalt an. Deutschland gehört weltweit zu den Ländern, die am meisten Gas zum Heizen nutzen. (Symbolfoto) © Christoph Hardt / Imago Images

Laut Angaben von Siemens Energy handelt es sich bei der Wartung der Turbine um einen „Routinevorgang“. „Sofern politisch gewünscht und aufgrund des Sanktionsregimes möglich, werden wir also weitere Turbinen mit den üblich hohen Qualitäts-Standards warten, wenn wir dazu beauftragt werden. Unser Ziel ist in solchen Fällen immer, die Turbine so schnell wie möglich wieder an ihren Einsatzort zu transportieren“, teilte Siemens Energy mit.

Gaskrise: Russland will wohl wieder Gas nach Deutschland liefern – doch Putin hat eine Bedingung

Update vom Mittwoch, 20. Juli, 08.00 Uhr: Unabhängig von Berichten vom Dienstag, wonach Russland über die Pipeline Nord Stream 1 wieder mehr Gas nach Europa liefern will, hat Präsident Wladimir Putin die nächste Drohung in der Energiekrise ausgesprochen. Sollte die in Kanada reparierte Turbine für die Pipeline Nord Stream 1 nicht bald in Russland ankommen, werde die tägliche Liefermenge noch stärker fallen, sagte er der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass bei einem Treffen in Teheran.

Hintergrund

Kriterienliste in der Energiekrise: Wem das Gas zuerst abgedreht werden könnte

„Wir haben noch eine fertige Trasse – das ist Nord Stream 2. Die können wir in Betrieb nehmen“, sagte Putin. Die Pipeline Nord Stream 1 – die wichtigste Gasleitung von Russland nach Deutschland – wurde 2011 in Betrieb genommen und hat eine Kapazität von rund 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Seit Juni hat Russlands staatlicher Energieriese Gazprom die Gaslieferungen nach Deutschland allerdings um mehr als die Hälfte der täglichen Höchstmenge auf 67 Millionen Kubikmeter reduziert. Schuld daran sei die fehlende Turbine von Siemens Energy. Derzeit ist die mehr als 1200 Kilometer lange Pipeline zudem wegen alljährlicher Wartungsarbeiten völlig stillgelegt – planmäßig bis Donnerstag (21. Juli)

Gas-Lieferstopp aus Russland
Eine drohender Lieferstopp von russischem Erdgas lässt die Gaspreise steigen. (Illustration) © agrarmotive / Imago Images

Die EU-Kommission will am heutigen Mittwoch etwaige Pläne für einen russischen Gas-Lieferstopp vorlegen.

Bericht im Ukraine-Krieg: Russland will wieder Gas nach Deutschland liefern – Das ist offenbar geplant

Erstmeldung vom Dienstag, 19. Juli, 17.00 Uhr: Moskau – Nach Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 will Russland die Gaslieferungen an den Westen Europas wieder hochfahren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Laut dem Bericht, der sich auf zwei Insider-Quellen beruft, soll wieder so viel Gas durch die Leitungen fließen, wie vor dem 11. Juli. Zum Vergleich: Zu diesem Zeitpunkt waren die Kapazitäten bereits auf 40 Prozent gedrosselt. Die Gaslieferungen sollen ab Donnerstag (21. Juli) wieder aufgenommen werden, wie Reuters berichtet.

„Sie [Gazprom; Anm. d. Red] werden zu dem vor dem 11. Juli gesehenen Niveau zurückkehren“, sagte einer der Insider der Nachrichtenagentur. Die EU-Kommission hatte sich bereits auf mehrere Szenarien vorbereitet. Dazu zähle unter anderem die Option, dass die Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline doch nicht wieder aufgenommen würden, erklärte ein Sprecher in Brüssel. Zuvor hatte Haushaltskommissar Johannes Hahn auf einer Singapur-Reise erklärt, dass man von letztgenannter Entwicklung ausgehe: „Wir arbeiten mit der Annahme, dass sie nicht wieder in Betrieb geht“, sagte er laut einem Bericht des Wall Street Journals.

Gaskrise: Russland will wieder über Nord Stream 1 liefern

Angesprochen auf seine Aussagen erklärte der Kommissionssprecher, der Gasnotfallplan der Behörde für den Winter 2022 basiere auf der Möglichkeit, dass Russlands Gas-Lieferungen komplett ausblieben. „Wir stellen unsere Pläne zu Vorbereitungen auf den Winter auf die Grundlage des schlimmstmöglichen Szenarios.“

Am Mittwoch (20. Juli) will die EU-Kommission die Planungen vorstellen. Teil davon soll einer Ankündigung zufolge sein, wie die EU-Staaten die Gasnachfrage reduzieren und gleichzeitig die Gefahr eines winterlichen Gasmangels senken können. Der Nachrichtenagentur Reuters liegt ein Entwurf des Plans vor: Darin ist unter anderem von finanziellen Anreizen für Unternehmen die Rede, die dazu führen sollen, den Gasverbrauch allgemein zu senken. (tu mit dpa/AFP)

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