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Deserteur berichtet von Kriegsverbrechen in Butscha: „Gibt viele Verrückte, die es genießen zu töten“

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Die Sonne blitzt hinter einem Kreuz mit einer Nummer auf dem Grab eines der fünfzig unbekannten Menschen, die während der russischen Besatzung in Butscha von den russischen Truppen ermordet wurden.
Die Sonne blitzt hinter einem Kreuz mit einer Nummer auf dem Grab eines der fünfzig unbekannten Menschen, die während der russischen Besatzung in Butscha von den russischen Truppen ermordet wurden. © Oleksii Chumachenko/dpa

Nikita Chibrin war russischer Soldat – bis er desertierte. Dem Fernsehsender CNN hat er nun von den grausamen Kriegsverbrechen in Butscha erzählt.

Butscha - Das Massaker in Butscha gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen im Ukraine-Konflikt. Bereits am ersten Tag der russischen Invasion rückten Truppen auf den Vorort der Hauptstadt Kiew vor. Die Soldaten töteten Fliehende und Einwohner:innen. Laut dem ukrainischen Geheimdienst war die russische 64. Motorschützen-Brigade hauptverantwortlich für die Gräueltaten in Butscha. Zu der Brigade gehörte auch Nikita Chibrin.

Der 27-Jährige desertierte und beantragte Asyl in Spanien. In Interviews erzählt er nun von den Verbrechen seiner ehemaligen Einheit: „Sie waren Vergewaltiger. Sie vergewaltigten eine Mutter und ihre Tochter“, erzählte Chibrin dem US-Fernsehsender CNN.

Laut Deserteur: Vergewaltiger wurden aus Ukraine-Krieg „entlassen“

Seine Vorgesetzten hätten sich nicht wirklich für die Kriegsverbrechen interessiert: „Die Vergewaltiger wurden geschlagen, aber niemals nach dem Gesetz für ihre Taten bestraft. Sie kamen nicht ins Gefängnis, sondern wurden von der Armee gefeuert.“ Die Täter seien einfach aus dem Ukraine-Krieg „entlassen“ worden.

Seine Einheit habe jeden Menschen töten sollen, der Informationen über den Standort der 64. Motorschützen-Brigade teilte. „Wenn jemand ein Handy hatte, hatten wir die explizite Erlaubnis, ihn zu töten“, sagt Chibrin. „Es gibt in der russischen Armee viele Verrückte, die es genießen, einen Menschen zu töten“.

Russischer Deserteur will vor internationalem Gericht aussagen

Abgesehen von willkürlichen Ermordungen seien Plünderungen bei den in Butscha stationierten Russen weit verbreitet gewesen. „Viele aus meiner Einheit haben Autos und andere Fahrzeuge gestohlen und in Belarus verkauft“, sagt Chibrin. Es habe gegolten: „Wenn du etwas Wertvolles gesehen und gestohlen hast und dabei nicht erwischt wurdest, bist du ein guter Mann.“ Die Kommandanten hätten dieses Verhalten der Truppe nicht bestraft. „Sie sagten: ‚Was auch immer. Und jetzt?‘ Es gibt keine Disziplin in dieser Einheit“, sagt Chibrin.

Chibrin beteuert in einem anderen Interview mit der britischen Zeitung Guardian, seine Waffe „kein einziges Mal“ abgefeuert zu haben. In Spanien wartet er jetzt auf die Entscheidung über seinen Asylantrag. Danach sei er bereit, vor einem internationalen Gericht gegen seine alte Einheit auszusagen. „Dies ist ein verbrecherischer Krieg, den Russland begonnen hat“, sagt Chibrin dem Guardian. „Ich will alles tun, damit er aufhört.“ (Jan Wendt)

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