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Wie ein ehemaliger britischer Torwart Rechtspopulist Farage Contra gab

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Von: Niklas Hecht

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Neville Southall absolvierte während seiner aktiven Zeit 578 Liga­spiele für den FC Everton.
Neville Southall absolvierte während seiner aktiven Zeit 578 Liga­spiele für den FC Everton. © imago sportfotodienst

Everton-Legende Neville Southall gilt in Großbritannien als meinungsstarker Linker. Das bekam nun auch der Rechtspopulist Nigel Farage zu spüren.

Llandudno - Fußball und Politik ist in Deutschland spätestens seit der Weltmeisterschaft in Katar ein vermintes Themengebiet. Die „Maulkorb“-Geste der deutschen Nationalspieler vor dem Spiel gegen Japan wirkte auf viele Beobachter zumindest unbeholfen. Niemand hatte ihnen den Mund verboten. Klare Worte kamen vor dem Turnier einzig von Bayerns Leon Goretzka, der die Menschenrechtslage in Katar und Fifa-Boss Gianni Infantino im FR-Interview deutlich anprangerte. Von seinen Mannschaftskollegen im Nationalteam war zur Lage im WM-Gastgeberland dagegen wenig bis gar nichts zu hören. Zugegebenermaßen ist das Äußern politischer Botschaften für aktive Spieler kein einfaches Unterfangen. Sie sind vonseiten der Vereine und Sponsoren enormen Druck ausgesetzt und haben in ihrer Karriere nur wenige Jahre Zeit, um WM-Turniere zu spielen, Erfolge zu feiern und Geld zu verdienen.

Wie politisches Engagement nach der Zeit als aktiver Fußballer aussehen kann, zeigte zuletzt der frühere britische Torwart Neville Southall. Der 64-jährige Waliser, der in den 80er-Jahren mit dem FC Everton zweimal englischer Meister wurde und den Europapokal der Pokalsieger gewann, war in der Talkshow des Rechtspopulisten und Brexit-Frontmanns Nigel Farage eingeladen. Southall gilt als großer Unterstützer der Labour Party und äußert sich auf Twitter immer wieder zu gesellschaftlichen Themen. Ein bissiger Schlagabtausch der beiden war also vorprogrammiert.

Southall vs. Farage: „War in 99,9 Prozent der Fälle anderer Meinung als Sie“

„Ich versuche in dieser Sendung mit allen möglichen Leuten zu sprechen, ganz gleich, ob ich ihre Meinung teile, oder nicht“, leitete Farage, der in der Show zuvor mit verschiedenen Politikern geredet hatte, das Gesprächs mit Southall ein. „Ich habe die ganze Nacht hier gesessen und war in 99,9 Prozent der Fälle anderer Meinung als Sie“, entgegnete die Everton-Legende. Dann habe er, als Linker, nun die Gelegenheit zu widersprechen, erklärte Farage. Southall: „Ich glaube daran, nach den Schwächsten in der Gesellschaft zu schauen und ich denke, das tun wir in unserem Land nicht“. Stattdessen würde den Menschen an der Spitze geholfen. „Wir sollten auf das unterste Ende der Sprosse schauen und die am stärksten gefährdeten Menschen mit dem größten Respekt und der größten Würde behandeln“.

Reichten dafür die Sozialsysteme nicht aus, fragte Farage. „Nein, nicht einmal im Ansatz“, entgegnete Southall, der während seiner aktiven Zeit zu den besten Torhütern weltweit gehörte. Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. Dazu kämen nun die gestiegen Energie- und Lebenshaltungskosten. „Und was tun wir, um den Schwächsten zu helfen? Nichts. Es wird Menschen geben, die diesen Winter sterben, und es wird Menschen an der Macht geben, denen das vollkommen egal sein wird“. Das Liverpool Echo zitierte einige der Reaktionen auf die Sendung von Usern auf Twitter. „Bringt Big Nev ins Parlament“, schrieb einer. Eine andere Nutzerin forderte: „Big Nev als Premierminister“.

Neville Southall im Gespräch mit Nigel Farage.
Neville Southall im Gespräch mit Nigel Farage. © GB News/Screenshot/YouTube

Großbritannien: Southall absolvierte für Everton 578 Ligaspiele

Der einstige Everton-Star, der für die „Toffees“ 578 Ligaspiele bestritten hat, hatte Farage in einem Interview mit dem Guardian vor zwei Jahren massiv angegriffen: „Ich möchte, dass Boris Johnson, Nigel Farage, Tommy Robinson, Donald Trump und der Knacker aus Nordkorea auf ein Boot gesetzt werden, das für die nächsten 25 Jahre um die Welt geschickt wird“. Vor allem gegen den damaligen Premierminister Boris Johnson teilte der 92-malige walisische Nationalspieler, der seine Stimme auf Twitter insbesondere für die Rechte von Kindern aus Arbeiter- und Migran­ten­fa­mi­lien sowie für Homo­se­xu­elle und Trans­se­xu­elle erhebt, in dem Interview aus. „Was sagt es über unsere Gesell­schaft, wenn der Führer des Landes ein Lügner, ein Ras­sist, ein Sexist und ein Homo­phober ist? Hof­fent­lich werden die Leute irgend­wann sagen: ​‚Wir können diesen Kerl nicht im Amt belassen, weil er unser Land rui­niert.‘“ (nhe)

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