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Neustart nach dem Sündenfall

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Von: Damir Fras

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Lässliche Sünde: Anthony Weiner könnte das Comeback gelingen.
Lässliche Sünde: Anthony Weiner könnte das Comeback gelingen. © afp

Der eine war ein guter Kunde eines illegalen Prostituierten-Rings, der andere belästigte Frauen mit Unterwäsche-Fotos: Nach ihren Sex-Skandalen bemühen sich zwei US-Politiker um ein Comeback in New York.

Zwei Männer. Zwei Skandale. Zwei Comeback-Versuche. Fünf Jahre ist es her, da gab sich Eliot Spitzer noch als Saubermann. „Sheriff der Wall Street“ ließ er sich nennen, weil er die Fehler der Banker gnadenlos anprangerte. Doch dann wurde bekannt, dass Spitzer ein guter Kunde des illegalen Prostituierten-Rings Emperors Club VIP war. Der Gouverneur des Staates New York musste zurücktreten. Die Verwicklung ihrer Politiker in Sex-Skandale duldet das für gewöhnlich prüde Amerika nicht.

Ähnlich erging es Anthony Weiner. Den Demokraten galt der Kongressabgeordnete als hoffnungsvolles Nachwuchstalent – bis sich der Ehemann einer engen Vertrauten der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im wahrsten Sinne des Wortes vertwitterte. Er verschickte 2011 Selbstporträts in Unterwäsche an einige Frauen, hatte aber die Technik nicht im Griff. Tausende Internet-Nutzer bekamen den spärlich Bekleideten zu sehen. Ein Rücktritt war die – für die prüden USA logische – Folge.

Weiner wie Clinton

Doch nun sind Spitzer und Weiner zurück und bewerben sich um hohe Ämter in New York. Weiner will Nachfolger von Bürgermeister Michael Bloomberg werden. Spitzer möchte nur Comptroller werden, ein untergeordnetes Amt, aber eines, das ihm die Kontrolle über die Finanzen der größten US-Stadt gäbe.

Weiners Rückkehr in die große Politik könnte sogar klappen, zumal die New Yorker Demokraten keine größeren Probleme mit seiner Kandidatur haben. In Umfragen liegt er derzeit gleichauf mit seiner größten Konkurrentin, Stadträtin Christine Quinn. Offenbar wird Weiners Sündenfall ähnlich wahrgenommen wie der von Präsident Bill Clinton in den 90er Jahren – als eine lässliche Sünde eben. Clinton wurde die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky letztlich auch verziehen.

Spitzer dagegen wird es schwerer haben. Im Gegensatz zu Weiners Internet-Eskapade hat Spitzer seine Frau tatsächlich betrogen. New Yorks Demokraten distanzieren sich scharenweise von ihrem früheren Gouverneur. Daran konnten auch Spitzers öffentlich vorgetragene Bitten um Vergebung und um eine zweite Chance noch nichts ändern.

Leidenschaftliche Diskussionen

Seit Weiner und Spitzer ihre Comeback-Versuche gestartet haben, wird in den US-Medien leidenschaftlich über die Gründe debattiert. Psychologen sagen, die Politiker suchten in einem neuen Amt Erlösung von den Qualen, unter denen sie aus dem alten Amt scheiden mussten. Gegner Spitzers machen es sich einfacher. Der Appetit auf Macht sei unauflöslich mit dem Appetit auf Sex verflochten, sagen sie.

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